06.03.2026
Mit Radar durch das Eis: Expedition untersucht Schneeakkumulation in der Ostantarktis
Tübinger Forscherin untersucht die Schneeakkumulation in der Ostantarktis. Die weit entfernten Änderungen können Auswirkungen auf unseren Meeresspiegel vor Ort haben.
Nach drei intensiven Monaten auf dem Ostantarktischen Plateau ist unsere Kollegin Dr. Alexandra Zuhr aus der Arbeitsgruppe Geophysik der Universität Tübingen erfolgreich von der ANT-Land2025/26-Expedition zurückgekehrt. Sie verließ Deutschland Ende Oktober und kehrte Ende Januar zurück. Weihnachten und Silvester verbrachte sie in der weißen Wüste. Umgeben von Eis, Pinguinen und endlosen weißen Horizonten sammelte sie wertvolle Messdaten zur Oberflächenmassenbilanz, einem Schlüsselparameter zum Verständnis des antarktischen Klimasystems und seiner Bedeutung für den globalen Meeresspiegelanstieg.
Ein zentraler Schwerpunkt ihrer Feldarbeit war ihr von der DFG gefördertes Projekt SAMBA (Surface Mass Balance in Dronning Maud Land, Antarctica). Das Projekt untersucht, wie sich die Schneeakkumulation im Gebiet um die Kohnen-Station im westlichen Dronning Maud Land auf dem Ostantarktischen Plateau in den vergangenen Jahrzehnten verändert hat. Diese Forschung ist von globaler Bedeutung, da das Plateau enorme Mengen an Süßwasser speichert, die den globalen Meeresspiegel beeinflussen. Mithilfe flugzeuggestützter Radartechniken nutzt SAMBA das Eis als Klimaarchiv.
Die Crew bestand aus der Flugzeugbesatzung, zwei Piloten und einer Technikerin, sowie zwei Ingenieuren des Alfred-Wegener-Instituts in Bremerhaven. Die AWI-Ingenieure installierten spezialisierte Messinstrumente im Flugzeug und unterstützten die Datenerhebung während der Flüge, während die Crew präzise Messbedingungen sicherstellte, wie z.B. konstante Geschwindigkeit und geringe Flughöhe. Während der Kampagne absolvierte das Team mit dem Forschungsflugzeug Polar 6 mehr als 4.000 Kilometer Messflüge zwischen der Neumayer-III-Station, der Kohnen-Station und weiter landeinwärts über das Plateau. Das eingesetzte Ultra-Breitband-Mikrowellenradarsystem ermöglicht eine detaillierte Kartierung der oberflächennahen Stratigraphie in den oberen 30 Metern des Eisschildes. Die Radardaten zeigen, ähnlich wie ein Röntgenbild, die internen Schichten im Eis. Diese Schichten können datiert werden und liefern dann Informationen, in welchem Zeitraum es wie viel Schneeakkumulation gab.
Neben ihrem eigenen Projekt war Alexandra auch an mehreren von Kolleginnen und Kollegen geleiteten Kooperationsprojekten beteiligt. Dazu gehörten Firnkernbohrungen, bodengestützte Radarmessungen mit Schneemobilen sowie manuelle Messungen an Akkumulationsstangen.
Erste Analysen ihrer Daten deuten auf eine Zunahme des regionalen Schneefalls hin. Dies legt nahe, dass Teile des Ostantarktischen Plateaus derzeit, zumindest vorübergehend, zur Stabilisierung des globalen Meeresspiegelanstiegs beitragen könnten. Die Expedition liefert damit wichtige neue Erkenntnisse aus einer der am wenigsten erforschten Regionen der Erde und trägt wesentlich zu unserem Verständnis der sich wandelnden Rolle der Antarktis im Klimasystem bei.