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28.12.2022

24. Januar: "Zur historisch-sprachwissenschaftlichen Interpretation der slawischen Kustoden im Kodex Heiligenkreuz OCist., Cod. 250 (12. Jh.)"

Gastvortrag von Matej Šekli (Ljubljana), 18:15, Hörsaal 426

Zusammenfassung

Im Vortrag werden die neu entdeckten slawischen Kustoden im lateinischen Kodex Heiligenkreuz OCist., Cod. 250, der im zweiten Viertel des 12. Jahrhunderts im Zisterzienserstift Heiligenkreuz im Wienerwald enstand, historisch-sprachwissenschaftlich interpretiert. Die Sprache der slawischen Zahlwörter von 1 bis 10, die in den Kustoden vorkommen, wird aufgrund ihrer historisch-phonetischen Analyse genealogisch-linguistisch eingeordnet. Sie wird mit dem Frühslowenischen, das bis ins 12. Jahrhundert im ganzen Ostalpenraum ungefähr von der Donau im Norden bis zur Adria und der Kulpa im Süden, sowie bis zur westlichen Peripherie der Pannonischen Ebene im Osten bezeugt ist, identifiziert. Des Weiteren wird das Frühslowenische aufgrund seiner sprachlichen Merkmale sowohl von dem damaligen westslawischen (d. h. tschechisch-slowakischen) Sprachenkontinuum nördlich als auch von dem Zentralsüdslawischen (vor allem dem Kajkavischen und Čakavischen) südlich des Ostalpenraumes linguistisch eindeutig abgegrenzt.