07.05.2019
5. Juni: "Zwischen Verb und Nomen. Über einen Typus der deverbalen Substantive und deren unterschiedliche Stellung im Tschechischen und Russischen"
Vortrag von Dr. Jana Kocková (Prag), 12:15, Hörsaal 426
Zwischen Verb und Nomen. Über einen Typ der deverbalen Substantive im Russischen und Tschechischen.
Deverbale Substantive mit verschiedenen Varianten der altslawischen Endung -nъje/-tъje kommen in allen slawischen Sprachen vor, nehmen allerdings im Rahmen der jeweiligen Sprache unterschiedliche Stellungen ein. Das Tschechische und das Russische weisen in dieser Hinsicht unterschiedliche Tendenzen auf: im Tschechischen werden die sog. Verbalsubstantive traditionell dem verbalen Paradigma im weiten Sinne zugeordnet, hingegen werden die russischen Substantive auf -ние/-тие als Nomina actionis klassifiziert. Die tschechischen Verbalsubstantive können fast uneingeschränkt von beiden Aspektformen der Verben abgeleitet werden und übernehmen regelmäßig Valenzergänzungen des Verbs. Im Russischen bestehen größere Einschränkungen der Ableitung, in den meisten Fällen gibt es nur eine Substantivform für beide Aspektformen des Basisverbs, daher haben die russischen Substantive auf -ние/-тие im Unterschied zum Tschechischen grundsätzlich die Möglichkeit verloren, die Aspektopposition auszudrücken. Trotz dieser Unterschiede weisen diese Deverbative sehr viele Ähnlichkeiten auf, in beiden Sprachen treten sie häufig als Teil des Prädikats auf und geben die lexikalische Bedeutung des Basisverbs wieder.
Die unterschiedliche Position dieser deverbalen Substantive ist für beide Sprachen ebenfalls sprachtypologisch signifikant und wird durch den ungleichen Aufbau der infiniten Verbformen in beiden Sprachen unterstützt. Zusätzlich weisen die tschechischen Verbalsubstantive bestimmte morphologische Besonderheiten aus, durch die sie sich auch von den anderen Deverbativen unterscheiden.