Urbane Ökonomien in Kuala Lumpur
Die Exploration in Kuala Lumpur sollte zwei verschiedenen Fragestellungen auf den Grund gehen. Leider konnte wegen eines bevorstehenden Lockdowns in Kuala Lumpur die Exploration nicht mehr durchgeführt werden, da wir unsere sofortige Heimreise antreten mussten. Wir wollten uns ursprünglich in vier Gruppen aufteilen, um verschiedene Erscheinungen im Bereich der urbanen Ökonomien in Kuala Lumpur zu untersuchen.
Dabei sollten die Gruppen 1 und 2 sich mit dem Thema „Müll in Großstädten“ auseinandersetzen. Durch die rasante Urbanisierung ist die Stadt mit einer zunehmenden Verschmutzung durch Abfall konfrontiert. Schafft es Kuala Lumpur dem entgegenzutreten und Maßnahmen (Recycling, Verbot von Plastiktüten) gegen die Verschmutzung zu ergreifen oder ist die Produktion von eigenem Abfall zusammen mit dem Import des europäischen Plastikmülls eine zu große Herausforderung für die sich schnell entwickelnde Stadt?
Um diese Frage zu beantworten, sollte die erste Gruppe auf den Markt „Bazaar Baru Chow Kit“ gehen. Neben einem ersten Eindruck sollte auf herumliegenden Müll und eventuellen unangenehmen Geruch geachtet werden. Hier haben wir erwartet, auf recht saubere Straßen und Wege neben den Marktständen zu treffen. Dagegen können wir uns gut vorstellen, dass in den Seitengassen einiges an Müll zu finden sein wird und hier auch der Geruch unangenehm sein könnte.
Darüber hinaus wollten wir die verkauften Lebensmittel und die Verpackungen genauer unter die Lupe nehmen. Hier gehen wir davon aus, dass sie meisten Lebensmittel unverpackt präsentiert werden und nach dem Kauf in Plastiktüten verpackt werden, die kostenlos ausgegeben werden.
Die Antwort auf die folgenden Fragen können wir uns nur schwer vorstellen. Zum einen wollten wir wissen, ob Bemühungen bezüglich des Umweltschutzes und Nachhaltigkeit sichtbar sind und wenn ja, an welchen Stellen. Zum anderen wollten wir Befragungen durchführen, ob das Thema Müll, Nachhaltigkeit und Umweltschutz bei Käufern und Verkäufern präsent ist und wie sie dazu stehen.
Die zweite Gruppe sollte sich mit der öffentlichen Verschmutzung in Straßen und Parkanlagen beschäftigen. Dazu sollte der „KLCC Park“ und das Viertel „Kampung Baru“ durchlaufen werden. Auch hier wollten wir uns erstmal einen ersten Eindruck verschaffen.
Anschließend sollte die Frage beantwortet werden, ob in dem Park oder auf den Straßen des Stadtviertels Müll herumliegt und wenn ja, um was für eine Art von Müll es sich handelt. Auch hier können wir uns vorstellen, dass die Hauptwege sauber sind, da sie zum Teil auch extra für Touristen hergerichtet sind. Wir gehen davon aus, dass die Verschmutzung zunimmt, je weiter man sich von den Haupttouristenstraßen entfernt. Wenn Müll herumliegt, handelt es sich vermutlich hauptsächlich um Verpackungen und Plastiktüten.
Außerdem wollten wir wissen, ob es Mülltrennung und öffentliche Mülleimer gibt. Zusätzlich hat uns interessiert, ob Bemühungen bezüglich des Umweltschutzes und Mülleinsparung sichtbar sind. Wenn sich die Möglichkeit ergeben hätte, wollten wir auch hier Befragungen zu dem Thema bei Einheimischen durchführen.
Die Gruppen 3 und 4 sollten sich mit Art, Bedeutung und Problemen des informellen Sektors auseinandersetzen. Der informelle Sektor ist ein alternativer Beschäftigungssektor der marginalisierten Bevölkerungsteile, vor allem in Schwellenländern. In Schwellenländern ist der Anteil des informellen Sektors von nicht zu unterschätzender Relevanz, je nach Land ist ein großer Teil der arbeitenden Bevölkerung in diesem Sektor tätig. Diese „Schattenwirtschaft“ wird staatlich nicht registriert und kontrolliert. Zum informellen Sektor zählen zum Beispiel Straßenverkauf, Transport, Kleinreparaturen und weitere Dienstleistungen. Was für eine Bedeutung hat der informelle Sektor in Kuala Lumpur?
Um dieser Frage nachzugehen sollten die Gruppen 3 und 4 den Markt „Bazaar Baru Chow Kit“ genau beobachten. Dafür sollte zunächst von Gruppe 3 dokumentiert werden, welche informellen Tätigkeiten es gibt und inwiefern sich die Informalität äußert. Vorstellbar sind verschiedene kleine Händler und Dienstleister, die bestimmte Arten von Waren beziehungsweise Dienstleistungen anbieten.
Es sollte der Frage nachgegangen werden, welche Bevölkerungsgruppen an den informellen Tätigkeiten beteiligt sind. Dabei ist davon auszugehen, dass vor allem die untere Bevölkerungsschicht vorzufinden ist, die von Armut betroffen ist. Verstärkt können auch Alte und Kranke informelle Tätigkeiten anbieten, da sie keine Chance auf eine formelle Tätigkeit haben.
Die Gruppe 4 sollte Folgen des informellen Sektors auf den Grund gehen. Dabei sollten Probleme beobachtet werden, die aus dem informellen Sektor resultieren. Armut, Missstände oder Kinderarbeit hätten beobachtet werden können.
Was könnten mögliche Ursachen für die Entstehung derartiger sozialer und ökonomischer Disparitäten sein? Durch den großen Zustrom nach Kuala Lumpur aus ländlichen Regionen ergibt sich eine rasante Urbanisierung. Die schnell wachsende Stadt kann nicht allen Menschen Arbeitsplätze und angemessenen Wohnraum bieten. So entstehen vor allem in den Randgebieten Armenviertel und Slums. Um sich selbst und ihre Familien ernähren zu können, begeben sich viele Arbeitssuchende in informelle Tätigkeiten. Ein weiterer Grund für Armut und informelle Tätigkeiten kann mangelnde Bildung, Krankheit und Altersschwäche sein, da die Menschen keine ausreichenden Absicherungen haben.
Zuletzt wollten wir die räumliche Entwicklung des Bazaars der letzten Jahre untersuchen, bezüglich Infrastruktur, Größe und Anzahl der Verkäufer sowie Käufer. Interssant zu wissen wäre gewesen, ob der Markt in den letzten Jahren einem Wachstum oder einer Stagnation unterlag. Auf Grundlage dieser Informationen hätte man eventuell eine Aussage in Bezug auf die zukünftige Entwicklung treffen lassen.