Profil

Am Lehrstuhl für Wirtschaftsgeographie liegt der Forschungsfokus auf einer theoriegeleiteten und anwendungsbezogenen Wirtschaftsgeographie. Im Mittelpunkt stehen Fragen des kurz- bis langfristigen wirtschaftlichen und regionalen Wandels sowie deren räumlich differenzierte Ursachen, Verläufe und Folgen. Dabei vertreten wir insbesondere einen evolutionstheoretischen Zugang, beziehen aber auch politisch-ökonomische und kulturgeographische Perspektiven ein. Die Forschungsschwerpunkte konzentrieren sich auf die Bereiche Evolutionäre Wirtschaftsgeographie, Geoökonomie und Erinnerungslandschaften.

Evolutionäre Wirtschaftsgeographie. Die evolutionäre Wirtschaftsgeographie zählt zu den jüngsten und dynamischsten Forschungsfeldern der Wirtschaftsgeographie und weist vielfältige interdisziplinäre Bezüge auf, unter anderem zur Evolutionsökonomik, Organisationssoziologie und -psychologie sowie zur Wirtschaftsgeschichte. Im Mittelpunkt unserer Forschung stehen Prozesse des wirtschaftlichen Wandels auf unterschiedlichen Maßstabsebenen. Einen besonderen Schwerpunkt bilden organisationale Routinen und ihre Bedeutung für langfristige Veränderungen, organisatorische Innovationen und regionalen Wandel. Darüber hinaus untersuchen wir Transformationsprozesse, Strukturwandel und ökonomische Krisenerscheinungen sowie den Übergang zu Dienstleistungs- und Wissensökonomien. Besondere Aufmerksamkeit gilt dabei der Frage, wie historisch gewachsene Strukturen, institutionelle Rahmenbedingungen und unternehmerische Anpassungsprozesse die Entwicklungsfähigkeit und Wettbewerbsfähigkeit von Organisationen, Branchen und Regionen prägen.

Geoökonomie. Die Geoökonomie untersucht die räumlichen Dimensionen des Zusammenspiels von Wirtschaft und Politik unter den Bedingungen einer sich wandelnden Weltordnung. Aus wirtschaftsgeographischer Perspektive erforschen wir, wie geopolitische Konflikte, wirtschaftliche Machtverhältnisse und staatliche Strategien die Organisation und räumliche Struktur wirtschaftlicher Prozesse verändern. Im Mittelpunkt stehen die zunehmende Politisierung internationaler Wirtschaftsbeziehungen, die Neuordnung globaler Produktions- und Wertschöpfungsnetzwerke sowie Fragen wirtschaftlicher Sicherheit, Resilienz und strategischer Abhängigkeiten. Von besonderem Interesse sind die räumlichen Auswirkungen von Handelskonflikten, Sanktionen, Investitionskontrollen und industriepolitischen Strategien sowie die Bedeutung kritischer Infrastrukturen, Technologien und Ressourcen. Dabei untersuchen wir, wie Unternehmen, Regionen und Staaten auf geoökonomische Unsicherheiten reagieren, bestehende Verflechtungen neu bewerten und wirtschaftliche Beziehungen reorganisieren. Besondere Aufmerksamkeit gilt den Wechselwirkungen zwischen globalen Machtverschiebungen und regionalem wirtschaftlichem Wandel.

Erinnerungslandschaften. Formen des Erinnerns in Gestalt von Erinnerungslandschaften weisen in unterschiedlichen kulturellen Kontexten eine hohe Präsenz und Aktualität auf. Die Arbeitsgruppe greift das Konzept der Erinnerungslandschaften auf und entwickelt es theoretisch und empirisch weiter. Ziel der Forschung ist es, das Konzept zu dynamisieren und auf vielfältige kulturelle, auch außereuropäische Kontexte anzuwenden, beispielsweise in der Republik Korea.

Die regionalen Schwerpunkte unserer Arbeit liegen einerseits in Mittel- und Osteuropa, insbesondere in Polen und im Baltikum, sowie in Ostdeutschland. Einen weiteren regionalen Forschungsschwerpunkt bildet Ost- und Südostasien, insbesondere die Republik Korea, Singapur und Japan. Diese regionalen Kontexte dienen zugleich als Untersuchungsräume für Fragen des wirtschaftlichen und regionalen Wandels, geoökonomischer Verflechtungen und kultureller Erinnerungsprozesse. Der Lehrstuhlinhaber ist Mitglied im Herder-Forschungsrat, im Präsidium der Deutsch-Polnischen Schulbuchkommission sowie im Europäischen Zentrum für Föderalismusforschung.