Internationales Zentrum für Ethik in den Wissenschaften (IZEW)

PriBizz

Web Analytics-Geschäftsmodelle für Privacy-by-Design und die Unterstützung informationeller Selbstbestimmung von Bürger*innen

Das Verbundprojekt beschäftigt sich mit der Frage, wie in Europa konkrete Geschäftsmodelle und Dienstleistungen im Bereich Web Analytics ausgestaltet werden können, um a) den Schutz von Privatheit und die Wahrnehmung informationeller Selbstbestimmung von Bürgerinnen und Bürger sicherzustellen und b) gleichzeitig bei der Gestaltung neuer digitaler Formen wirtschaftlicher Wertschöpfung nicht hinter den Möglichkeiten anderer Regionen (z.B. USA) zurückzubleiben.

Dazu werden unterschiedliche Forschungsperspektiven auf das Untersuchungsfeld durch den interdisziplinären Verbund aus Wirtschaftsinformatik, Recht und angewandte Ethik erarbeitet und integriert. Daraus erfolgt die Ableitung von Geschäftsmodellen, die wirtschaftliche Wertgenerierung, Datenschutz und informationelle Selbstbestimmung in Einklang bringen.
 (https://www.pribizz.de/) 

Teammitglieder

Projektbeschreibung

Mit der fortschreitenden Digitalisierung und der Etablierung datenbasierter Geschäftsmodelle und digitaler Plattformen steigen auch die Möglichkeiten zur Sammlung, Analyse und Verwendung von personenbezogenen Daten. Dadurch wird einerseits ein Mehrwert für Unternehmen (z.B. Web-Analytics Anbieter) sowie auch Bürger*innen durch personalisierte oder innovative digitale Angebote geschaffen. Andererseits ergeben sich daraus kritische Konsequenzen in Bezug auf Privatheit und informationelle Selbstbestimmung.

Das Verbundprojekt beschäftigt sich daher mit der Frage, wie in Europa konkrete Geschäftsmodelle und Dienstleistungen im Bereich Web Analytics ausgestaltet werden können, um a) den Schutz von Privatheit und die Wahrnehmung informationeller Selbstbestimmung von Bürgerinnen und Bürger sicherzustellen und b) gleichzeitig bei der Gestaltung neuer digitaler Formen wirtschaftlicher Wertschöpfung nicht hinter den Möglichkeiten anderer Regionen (z.B. USA) zurückzubleiben. Dabei soll im Teilprojekt des IZEW unter anderem erforscht werden, wie Methoden des Value-Sensitive Design auf das Feld der Geschäftsmodellentwicklung übertragen werden können und welche ethischen Aspekte in der Operationalisierung von Privacy-Technologien und -strategien im Feld der Web-Analyse zu berücksichtigen sind. (https://www.pribizz.de/) 

Aktivitäten

Januar 2025

  • Präsentation des Projektes im Rahmen der Veranstaltung “Digitalisierung um jeden Preis” des DSK und des hessischen Beauftragten für Datenschutz und Informationsfreiheit

Oktober 2024 

  • Teilnahme an der Jahrestagung der Plattform Privatheit “Freiheit in digitalen Strukturen”
  • Teilnahme an der Abschlussveranstaltung von Periscope und Tester “Digitale Souveränität und Datenschutz”, Stuttgart

PriBizz auf internationaler Bühne: Workshop und Präsentation bei der STS in Zürich

Zürich, September 2025 - Das Forschungsprojekt PriBizz war im September 2025 auf der Jahrestagung der Swiss Association for the Studies of Science, Technology and Society (STS) in Zürich vertreten

Die Kolleg:innen Jana Hecktor, Lisa Koeritz und Simon Hirsbrunner organisierten im Rahmen der Konferenz einen Workshop zum Thema „Investigating the Use of Generative AI for the Social Study of Science and Technology“. Jana Hecktor und Simon Hirsbrunner präsentierten dort unter anderemZwischenergebnisse aus der laufenden Projektarbeit von PriBizz vor einem internationalen und interdisziplinären Fachpublikum.

Die offenen und intensiven Diskussionen während des Workshops lieferten wertvolle fachliche Impulse und eröffneten neue Perspektiven für die weitere Forschung im Projekt. Neben dem wissenschaftlichen Austausch bot die Konferenz insgesamt aber auch die Gelegenheit zur Vernetzung mit interdisziplinären und internationalen Forschenden. Die neu geknüpften Kontakte sollen im abschließenden Jahr der Projektlaufzeit weiter ausgebaut und für zukünftige Kooperationen genutzt werden.

PriBizz beim Vernetzungstreffen der Plattform Privatheit

Teilen des Forschungsstands, Publikationen vorantreiben und Synergien schaffen

Im September war der Projekt-Konsortialpartner Universität Augsburg beim Vernetzungstreffen der Plattform Privatheit 2025 vertreten: Verena Kessler Verzar und Julia Fuchs nutzten die Gelegenheit, unseren aktuellen Forschungsstand zu präsentieren, Rückmeldungen aus der Community aufzunehmen und sich intensiv mit neu entstehenden Forschungsprojekten auszutauschen. Das Treffen hat erneut gezeigt, wie wertvoll der interdisziplinäre Dialog ist, insbesondere wenn es darum geht, Datenschutz nicht nur vorauszusetzen, sondern praktikabel umzusetzen.

 

 

 

Die Plattform Privatheit bringt Akteurinnen und Akteure aus Wissenschaft, Praxis und (datenschutz-)politischen Kontexten zusammen. Gerade diese Diversität ist entscheidend: Denn Lösungen für Privacy by Design entstehen in Kontexten, in welchen technische Machbarkeit, rechtliche Anforderungen und reale Einsatzszenarien gemeinsam gedacht werden. Für PriBizz ist dieser Rahmen äußerst wertvoll, weil wir Forschung bewusst so weiterentwickeln wollen, dass sie anschlussfähig bleibt: für Organisationen, Entwicklerinnen, Entwickler und Datenschutzverantwortliche.

 

Beim Vernetzungstreffen durften wir zentrale Erkenntnisse aus unserer Arbeit teilen, insbesondere dazu, wie datenschutzfreundliche Web-Analytics und datengetriebene Geschäftsmodelle im Allgemeinen so gestaltet werden können, dass Privacy by Design nicht abstrakt bleibt, sondern vielmehr in umsetzbare Anforderungen übersetzt wird. Ein wichtiges Ergebnis liegt bereits in der ersten Fassung vor: unser juristischer Leitfaden mit praxisorientierten Handlungsempfehlungen zur Technikgestaltung und zu datenschutzfreundlichen Voreinstellungen im Web-Analytics-Kontext.

 

Ergänzend zum Leitfaden und gerade als wissenschaftliche Vertiefung erscheint demnächst unser Beitrag „Privacy by Design - Reformbedarf und Weiterentwicklung“ in der Datenschutzzeitschrift „Datenschutz und Datensicherheit“ (Springer Nature). Darin analysieren wir, warum Art. 25 Abs. 1 DSGVO zwar enorm wichtig, in der Praxis aber dennoch in mehreren Punkten zu unbestimmt bleibt, etwa beim Stand der Technik, bei der fehlenden Dokumentationspflicht für Design-Entscheidungen, bei der bislang nur indirekten Berücksichtigung von Privacy Engineering, bei methodisch offenen Risikoabwägungen sowie bei der fehlenden Differenzierung nach Unternehmensgröße.

 

Ein klares Highlight war der Austausch mit neu entstehenden Forschungsprojekten im Umfeld der Plattform Privatheit. In den Gesprächen ging es darum, in welchen Inhalten sich Forschungsfragen überlappen, welche Ansätze sich sinnvoll kombinieren lassen und wie Ergebnisse so aufbereitet werden können, dass sie wiederverwendbar und skalierbar sind. Gerade diese frühe Vernetzung von Beginn an schafft eine gute Basis, um Synergien zu nutzen und Forschung schneller in konkrete Anwendungen zu überführen.

 

Das Vernetzungstreffen war für PriBizz ein wichtiger Impuls: Wir konnten unseren Stand sichtbar machen, unsere Ergebnisse, insbesondere den Leitfaden, einordnen und zugleich neue Perspektiven und Kontakte für die nächsten Schritte gewinnen. Wir freuen uns darauf, die erlangten Diskussionsergebnisse weiter zu verarbeiten und die Erkenntnisse aus dem Privacy-by-Design-Beitrag in die weitere PriBizz-Arbeit und die Praxisübertragung einfließen zu lassen!

„Digitalisierung um jeden Preis“

PriBizz beim Europäischen Datenschutztag 2025 in Berlin

Am Dienstag, den 28. Januar 2025, nahm das Projekt PriBizz auf Einladung des hessischen Beauftragten für Datenschutz und Informationsfreiheit, Prof. Dr. Alexander Roßnagel, beim Europäischen Datenschutztag in der Hessischen Landesvertretung in Berlin teil.

Unter dem Leitthema „Digitalisierung um jeden Preis? Kein Zwang zur Abgabe personenbezogener Daten“ wurden sechs Vorträge gehalten, welche unterschiedliche interdisziplinäre Perspektiven und Ansätze aus Praxis und Wissenschaft präsentierten. Im Anschluss blieb ausreichend Zeit für anregende Diskussionen sowie einen intensiven Austausch über die präsentierten Inhalte.

Die Veranstaltung ermöglichte einen umfassenden Einblick in aktuelle Diskurse und Handlungsfelder des Datenschutzes in unserer zunehmend digitalisierten Welt. Sowohl in den Vorträgen als auch in den persönlichen Gesprächen wurden neue Handlungsperspektiven aufgezeigt und aktuelle zentrale Fragen diskutiert: In welchen Bereichen ist Datenschutz noch unzureichend in Geschäftsmodelle integriert? Welche gesetzlichen Grundlagen sind anwendbar und wie gestalten sich deren derzeitige Voraussetzungen? Wie lassen sich schließlich Datenschutz(recht) und wirtschaftliche Gewinnoptimierung sinnvoll miteinander in Einklang bringen?

Gemeinsam mit anderen Projekten und Vertreterinnen und Vertretern der Plattform Privatheit (Anymos, Periscope und DemokratieX) durften wir als Repräsentantinnen des PriBizz-Projekts unsere bisherigen Ergebnisse auf einem Poster vorstellen. Diese Präsentation bot eine wertvolle Grundlage für spannende Gespräche mit den Gästen der Veranstaltung.

Wir konnten zahlreiche neue Anregungen und Erkenntnisse mitnehmen und freuen uns darüber, dass wir unsere eigene Forschung in diesem Rahmen vorstellen durften.

Unser herzlicher Dank gilt insbesondere Prof. Dr. Alexander Roßnagel für die Einladung und die Organisation dieses bereichernden Events!