Universitätsbibliothek

Archivarin Dr. Regina Keyler hütet einmalige, unwiederbringliche Schätze und verwahrt das Gedächtnis der Universität

Was macht Sie zu einer Expertin auf dem Gebiet des Archivwesens? Wie sind Sie zu ihrem Fachgebiet gekommen?

Ich habe zwei Ausbildungen im Archivwesen durchlaufen: erst die Ausbildung zum Gehobenen Dienst (Diplom-Archivarin), dann das Referendariat für den Höheren Archivdienst. In der Ausbildung lernt man vor allem das staatliche Archivwesen kennen, aber für einzelne Ausbildungsabschnitte war ich auch in Kommunalarchiven. 

Während meines Studiums habe ich dann weitere Sparten kennengelernt: Im Rahmen von Werkverträgen habe ich Adelsarchive und Kirchenarchive verzeichnet und war lange Jahre als Hilfskraft im Universitätsarchiv Tübingen tätig. Nach 14 Jahren in zwei Abteilungen des Landesarchivs Baden-Württemberg bin ich dann an das Universitätsarchiv als Leiterin zurückgekehrt.

Braucht man spezielles Wissen im Archivwesen? Oder besondere Kenntnisse / Fähigkeiten?

Die meisten ArchivarInnen sind HistorikerInnen, so wie ich. Aber wichtiger als historisches Wissen ist die Bereitschaft, sich auf alle möglichen Themen einzulassen. Mein erstes Projekt als Assessorin war die Entwicklung eines Bewertungsmodells für die Straßenbauverwaltung, später habe ich dann die Unterlagen eines Architekturbüros verzeichnet. 

Aber auch durch unsere Nutzer kommen wir mit den unterschiedlichsten Themen in Berührung, das reicht von den „lesbischen Lebenswelten“ bis zu Joseph Ratzinger.

Wie profitieren Wissenschaftler und Forscher der Universität vom Universitätsarchiv?

Unsere Arbeit hat grob gesagt zwei Zielrichtungen: zum einen sind wir Dienstleister für die Universität, indem wir von den Einrichtungen der Universität Unterlagen (auf Papier und digitale Daten) übernehmen, die dort für die Erledigung der Arbeiten nicht mehr benötigt werden. 

Auf der anderen Seite stellen wir diese Unterlagen – wenn die entsprechenden Schutzfristen abgelaufen sind – der Forschung zur Verfügung und unterstützen bei der nicht immer leichten Recherche nach relevantem Archivgut.

Mit welchen Herausforderungen haben Sie in Ihrem Bereich am häufigsten zu tun? 

Die Übernahme von Unterlagen stellt uns vor immer neue Herausforderungen: Noch sind es große Mengen an Papier, die wir übernehmen, weshalb der Bedarf an Magazinflächen steigt. Auf der anderen Seite wird es immer schwieriger, die Mitarbeitenden der Universität davon zu überzeugen, dass sie ihre Arbeitsunterlagen – ob auf Papier oder digital – strukturiert ablegen müssen, damit auch Vertretungen/NachfolgerInnen die Arbeit fortsetzen können und ihr Handeln auch noch nach Jahrzehnten nachvollziehbar ist . 

Alles „in der Cloud“ abzuspeichern, ist keine Lösung.

Zum Abschluss noch eine persönliche Frage:

Welches Buch lesen Sie privat gerade und bevorzugen Sie E-Books oder Print?

Ich lese häufig simultan, meist auf dem Handy. Zuletzt habe ich parallel „Kornblumenblau“ von Susanne Beyer gelesen, die der NS-Vergangenheit ihres 1945 verstorbenen Großvaters nachgegangen ist. Gefreut hat mich, dass sie dabei die Unterstützung durch Archive so positiv schildert. 

Daneben habe ich einen Krimi gelesen, „Wolfstal“ von Alexander Oetker, der im Südwesten Frankreichs spielt und bei dem der Jakobsweg, auf dem ich vor 20 Jahren mit dem Fahrrad unterwegs war, eine Rolle spielt.