Slavisches Seminar

PD Dr. Gesine Drews-Sylla

Universität Tübingen
Slavisches Seminar
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Sprechstunde

Kurzportrait

Akademische Qualifikation

2018

Habilitation, Universität Tübingen

Venia legendi: Slavische Literatur- und Kulturwissenschaft sowie Allgemeine und vergleichende Literaturwissenschaft

2007

Promotion, Universität Tübingen

2001

M.A. Slavistik und Germanistik, Universität Konstanz

1994-2001 Studium der Slavistik und Germanistik, Universitäten Regensburg, Norwich, St. Petersburg, Konstanz

Akademische Laufbahn

seit 07/2018

Privatdozentin, Universität Tübingen

08/15-06/18

Assistentin am Slavischen Seminar der Eberhard-Karls-Universität Tübingen (Lehrstuhl für Slavische Literatur- und Kulturwissenschaft Prof. Dr. Schamma Schahadat)

02/08-08/15

wissenschaftliche Mitarbeiterin am Slavischen Seminar der Eberhard-Karls-Universität Tübingen als Fellow des Margarete von Wrangell-Programms

05/05-10/05

Promotionsförderung des Gleichstellungsrats der Universität Konstanz

WS 03/04-WS 04/05

assoziierte Kollegiatin des DFG-Graduiertenkollegs Bild – Körper – Medium, HfG Karlsruhe (Sprecher: Prof. Dr. Beat Wyss)

09/03-06/04

wissenschaftliche Mitarbeiterin im Forschungsprojekt The Post-Communist Condition, ZKM Karlsruhe (Leitung: Prof. Dr. Boris Groys)

07/02-04/05

Promotionsstipendium der Landesgraduiertenförderung Baden-Württemberg (mit Unterbrechung von 09/03-06/04)

WS 01/02- SS 02

wissenschaftliche Hilfskraft im SFB 511 „Literatur und Anthropologie“ und am Lehrstuhl Prof. Dr. Jurij Murašov (Universität Konstanz)

Auslandsaufenthalte

2011 DAAD-Post-Doc-Stipendium für dreimonatigen Forschungsaufenthalt an der Université Cheikh Anta Diop, Dakar (Senegal)

2003

zweimonatiger Forschungsaufenthalt in Moskau und St. Petersburg (RU)

1997-1998

DAAD-Jahresstipendium an der Staatlichen Universität St. Petersburg (RU)

WS 95/96

ERASMUS-Studium an der University of East Anglia, Norwich (GB)

1989/90

Austauschschülerin, USA

Wissenschaftliche Auszeichnungen

2012 Aufnahme in das Akademie-Kolleg der Heidelberger Akademie der Wissenschaften

2007

Promotionspreis der Neuphilologischen Fakultät der Eberhard-Karls-Universität Tübingen

2002 Studienpreis für einen hervorragenden Magisterabschluss, Verein d. Ehemaligen d. Universität Konstanz, e.V.

Forschungsschwerpunkte

Lehrveranstaltungen

Wintersemester 2018/19

HS (Slavistik/IL): Literatur und Film zwischen Russland und Georgien

Wintersemester 2017/18

PS: Slavische Literaturgeschichte

HS (Slavistik/IL): Russen, Ukrainer, Mari, Čukčen und andere: Das sowjetische Imperium im Film (1920er/30er)

Sommersemester 2017

HS (Slavistik/IL): Filmtheorie (mit Prof. Dr. Schamma Schahadat)

PS (Russistik/Bohemistik): Einführung in die Literaturwissenschaft

Wintersemester 2016/17

PS: Der Kaukasus in der russischen Literatur

HS (Slavistik/IL): Russisch Paris

Sommersemester 2016

PS (Russistik/Bohemistik): Einführung in die Literaturwissenschaft

Wintersemester 2015/16

PS II: Reisetexte russischer Symbolisten: Mystik, Mythos und die Ferne

Projekte

Laufende Projekte

Mediale Darstellungen von Antiziganismus in tschechischer Literatur und Film nach 1989

Roma sind vor rund 600 Jahren nach Europa migriert, doch noch heute ist ihr Alltag von Stigmatisierung, Exklusion und sehr häufig auch Armut geprägt. An ihnen entzünden sich migrationspolitische und rassistische Debatten, die nicht zuletzt durch binneneuropäische Migrationsbewegungen nach dem Ende der europäischen Sozialismen immer wieder neu befeuert wurden – sowohl in den mittel- und osteuropäischen Ländern als auch im Rest Europas. Daneben stehen ein kulturelles Selbstbewusstsein von Vertretern der Roma auf lokaler und europäischer Ebene und eine Auseinandersetzung mit Stereotypenbildungen, Rassismen und kultureller Identität sowohl durch Roma als auch Nicht-Roma. Für all dies sind Literatur und Film ein wichtiges Aktionsfeld. Das Ziel des beantragten Forschungsprojekts ist daher die Untersuchung der Repräsentationen von Roma in der tschech. Literatur, sowie in Spiel- und Dokumentarfilmen, die seit den 1990er Jahren entstanden sind und deren Zahl seit der Jahrtausendwende sprunghaft angestiegen ist. Es wird davon ausgegangen, dass in diesen Texten und Filmen ein bewusster Umgang mit Heterostereotypen existiert, der die Funktionsmechanismen von Antiziganismus aufzeigen und ihnen entgegenwirken will. Das Projekt konzentriert sich auf den tschech. Raum, berücksichtigt aber auch die Verflechtungen mit der Slowakei, da fast alle heute in Tschechien ansässigen Roma Communities von dort stammen. Deshalb vermischen sich in Tschechien jahrhundertealte Stereotypen mit sehr viel jüngeren, migrationsbedingten Problematiken in (post)sozialistischen Kontexten, was es zu einem politisch hochaktuellen Beispiel macht, das über den Einzelfall hinausweist. Methodisch basiert das Projekt auf den Postcolonial Studies und der Rassismusforschung, die jeweils nicht nur untersuchen, wie Heterostereotype und auf Differenzproduktion basierende Hierarchien entstehen und gesellschaftlich funktionieren, sondern auch Schreibweisen und kulturelle Praktiken befördern, die den negativen Effekten dieser Machtgefälle performativ begegnen. Das Text- und Filmkorpus wird als Beispiel für diese Dynamiken begriffen, den das Projekt sichtbar zu machen sucht.

Vernetzte Kulturen in "Zweiter" und "Dritter" Welt,

Projektförderung für Nachwuchswissenschaftler/innen Universität Tübingen (Laufzeit: 2014-2016)

Zu den eher vergessenen und erst in jüngerer Zeit wieder verstärkt in den Fokus genommenen Globalisierungsbewegungen des 20. Jahrhunderts zählen jene, die die (post-)sozialistischen Länder des ehemaligen Ostblocks mit denen des (post)kolonialen Raums, z.B. in Afrika, verbinden. Es wurde zwar immer wieder darauf hingewiesen, dass viele Afrikaner in Ländern der ehemaligen „Zweiten Welt“ studierten, welche Auswirkungen dies jedoch auf die kulturellen Entwicklungen auf beiden Seiten des Kontakts hatte, ist bisher noch weitgehend unerforscht. Plakativ veranschaulicht werden kann die Relevanz dieser Frage mit dem Beispiel des afrikanischen Films: Der als 'Vater des afrikanischen Films' geltende Schriftsteller und Filmemacher Ousmane Sembene erhielt seine Ausbildung in Moskau. Die filmästhetischen Konsequenzen dieser Ausbildung, die auf die gesamte Entwicklung des frankophonen afrikanischen Films rückwirkten, sind jedoch bisher noch kaum untersucht, ja zum Teil bewusst ausgeblendet worden.

Hier setzt das Projekt an: Ziel ist der Aufbau eines wissenschaftlichen Netzwerks, das sich langfristig der kultur-, literatur- und medienwissenschaftlichen Erforschung der Vernetzung von ehemaliger „Zweiter“ und „Dritter Welt“ widmet. Die einschlägige Forschung befasste sich in den Zeiten des Kalten Krieges vor allem mit ideologischen Aspekten; in der gegenwärtigen Debatte wird der Fokus auf Projekte, die einen historischen Zugang haben, gelegt. Das Netzwerk soll darüber hinausgehen und danach fragen, inwiefern sich die Vernetzung auf beiden Seiten in Literatur und Film kulturell und ästhetisch einschreibt und ihrerseits lokal und global produktiv wurde.

Am 3./4. Juli 2015 fand im Rahmen des Projekts die Tagung Writing and Screening Socialisms in an Entangled World statt, deren Fokus auf den globalen Verflechtungen des Paradigmas des Sozialismus liegt.

Derzeit wird eine Publikation der Tagungsergebnisse vorbereitet.

Abgeschlossene Projekte

Literarische Verflechtungen - Russland und Senegal

Margarete von Wrangell-Habilitationsprogramm des Ministeriums für Wissenschaft Forschung und Kunst (Förderung 2008-2015)

Das seit 2008 geförderte Projekt widmet sich vor dem Hintergrund aktueller theoretischer Debatten zur Weltliteratur der Frage nach der Vernetzung von Literatur und Film der historisch kaum in Beziehung stehenden geographischen und kulturellen Räume Russlands und Senegals. Auf der Ebene von Literatur und Film ist jedoch eine deutliche Verflechtung zu beobachten, der das Projekt in beiden Richtungen nachgeht. Beide Räume nehmen spezifische Orte in der Weltliteratur und der Weltgeschichte ein, auf die die jeweils andere Seite literarisch und kulturell reagiert. Die senegalesische Seite rezipiert in Literatur und Film russische Autoren wie Gogol‘ oder den Realismus Tolstojs, literarische Formationen wie den sozialistischen Realismus der Sowjetunion oder den sowjetischen Nationalitätenfilm. Die russische Literatur reagiert beispielsweise auf den Einsatz afrikanischer Soldaten in den Weltkriegen, die Tirailleurs sénégalais, in Texten wie Il’ja Ėrenburgs "Chulio Churenito" (1922), auf die die Postmoderne (zum Beispiel in Ėduard Limonovs "Ėto ja Ėdička", 1979) unter Aufgreifen des Verweises auf den Senegal ihrerseits intertextuell reagiert. Als vorläufiges Ergebnis kann festgehalten werden, dass die jeweiligen Verflechtungsbewegungen auf beiden Seiten häufig im Zusammenhang mit Abgrenzungsbewegungen von dominanten Diskursformationen stehen, die seltsam paradox anmuten, wenn man sich vor Augen führt, dass die senegalesische Seite das sowjetische Projekt und seine kulturellen Formationen als (Teil-)Modell in Abgrenzung zum (Neo-)Kolonialismus adaptiert, die sowjetische Seite hingegen in Opposition zum Sowjetdiskurs auf afrikanische Modelle rekurriert. Gemeinsam ist beiden Räumen zudem ein problematisches Verhältnis zum gemeinsamen Dritten, dem Westen. Die Auseinandersetzung mit dem Westen hat dabei erstaunlich ähnliche Diskursformationen hervorgebracht, die unabhängig voneinander entstanden. Sowohl die senegalesische als auch die russisch-sowjetische Seite ist dabei fest in Diskursen der Moderne verankert, so dass die Verflechtung innerhalb der modernistischen Globalisierungsbewegungen zu verorten ist, die zugleich den Rahmen für das Projekt bildet.

Die Habilitationsschrift (Zwischen Moskau und Dakar: Literarische, filmische und kulturelle Verflechtungen) wurde im Januar 2018 an der Philosophischen Fakultät der Universität Tübingen eingereicht.

[Anti]Rassismus visualisieren: Die Anderen im mittel- und osteuropäischen Gegenwartsfilm

Teilprojekt in Körper im Visier: Diskriminierung, Visibilität und Körperlichkeit

Förderung Exploration Funds Universität Tübingen, Projektleitung: Prof. Dr. Dorothee Kimmich/Prof. Dr. Schamma Schahadat, Laufzeit: 1. Oktober 2015-30. September 2016

Lehr- und Übersetzungsprojekt: Lesung von Tomáš Zmeškal: Milostný dopis klínovým písmem, Prag 2008

mit Simona Barazi und Studierenden des Slavischen Seminars

Stadtbibliothek Stuttgart in Zusammenarbeit mit dem Slavischen Seminar der Universität Tübingen, dem Tschechischen Zentrum München und dem Kulturministerium der Tschechischen Republik, Sommersemester 2016

"Another Africa? (Post-)Koloniale Afrikaimaginationen in der russischen, polnischen und deutschen Kultur"

Akademiekonferenz für junge Wissenschaftler, Organisation mit Jana Domdey, M.A. und Justyna Gołąbek, M.A., 7.-9. März 2012, Heidelberger Akademie der Wissenschaften

Das Projekt thematisierte in einer interdisziplinären Tagung thematisiert die Ausprägungen des (post)kolonialen Paradigmas im russischen, polnischen und deutschen Kontext. Als vergleichendes Moment dienten dabei die jeweils anzutreffenden Afrikaimaginationen – Alteritätsdiskurse zu einem der wichtigsten (post)kolonialen Bezugsräume. Grundlegend wurde angenommen, dass sich die historischen, politischen und kulturellen Verflechtungen Russlands, Polens und Deutschlands, insbesondere auch ihre je unterschiedliche Erfahrung des Sozialismus, in den jeweiligen Afrikadiskursen spezifisch spiegeln. Die verschiedenen Ausgangssituationen der drei im Fokus der Tagung stehenden Kulturräume haben für die Adaption der postkolonialen Diskursparadigmen also entsprechend vom angloamerikanischen Raum divergierende Auswirkungen, die im gemeinsamen Austausch erfasst und deren Besonderheiten diskutiert werden sollten.

"Banalität des Rassismus". Europa nach 1989

Ringvorlesung Studium Generale, Universität Tübingen, Wintersemester 2010/11, Organisation zus. mit Dr. Renata Makarska

Ringvorlesung und Buchpublikation beschäftigen sich mit Mustern der kulturellen und ethnischen Exklusion im Europa nach 1989, wobei der Raum von Frankreich bis Russland reicht. Der fokussierte Zeitrahmen ist durch einen mehrfachen Paradigmenwechsel geprägt: Zum einen setzen sich ab den 1990er Jahren verstärkt neue Entwicklungen in der Rassismusforschung durch. Zum anderen ist dies eine Phase der Neustrukturierung Europas nach dem Zusammenbruch des sozialistischen Regimes mit Auswirkungen für beide Seiten des einstmals geteilten Europa. Ein besonderes Augenmerk wurde daher auf die Situation in Ostmitteleuropa gerichtet, in der diese Entwicklungen besonders intensiv aufeinander trafen und für das noch vergleichsweise wenig Forschung vorliegt. In der Konzeption des Buches gehen wir grundlegend von Verschränkungen paneuropäischer rassistischer Diskurse mit der Moderne aus. Dementsprechend sind in ganz Europa z. T. ähnliche Formen von Rassismen zu finden, die unter Berücksichtigung der jeweils spezifischen historischen, situativen und kulturellen Bedingungen aufgearbeitet werden müssen. Rassismen sind zudem in den europäischen Gesellschaften auf allen Ebenen präsent, und sie reichen von extremistischen Gewalttaten bis hin zu ungewollten Stabilisierungen stereotypisierender oder dichotomisierender Diskursfiguren in antirassistisch ausgerichteten Diskussionen. Von Rassismen betroffen sind dabei alte wie neue Minderheiten, alt eingesessene Bevölkerungsgruppen ebenso wie durch die Globalisierung nach ganz Europa strömende Menschen. Das im Druck befindliche Buch diskutiert diese Zusammenhänge in drei Sektionen, von denen die eine auch Praktiken der Antirassismusarbeit beleuchtet.

Konstruierte Norm[alität][en] – normale Abweichung[en],

Interdisziplinäre Tagung, Organisation mit Konstanzer Netzwerk internationaler (Post-)Doktorandinnen, Universität Konstanz, 22./23. Februar 2008

Prozesse der Normbildungen und der Grenzziehung zwischen Normalitäten und Abweichungen werden im nach der Tagung herausgegebenen Sammelband vier interdisziplinären Sektionen diskutiert. Thematisiert werden normative Relationalität und Abhängigkeit von Kontexten wie Ort, Zeit, Raum, Kultur, Geschlecht oder Tradition sowie der Verlust ihrer Orientierungsfunktion in zunehmend pluralistischen Gesellschaften. Die Beiträge zeigen, wie die starke Individualisierung von Normen und Normalitäten zur Vervielfältigung der Abweichungen führt, die in neuen Normbildungsprozessen und der Konstruktion neuer Normalitäten münden und diese zugleich hinterfragen.

Publikationen

Monographie

Herausgeberschaft

Aufsätze

Lexikoneinträge, Rezension, Katalogbeiträge