13.11.2018
12. Dezember: "Wie viele Dative haben Polnisch und Russisch?"
Gastvortrag von Prof. Dr. Roland Meyer (HU Berlin), 12:15, Hörsaal 426
Abstract:
Dative kommen im Polnischen und Russischen in unterschiedlichen syntaktischen Umgebungen vor: als indirektes Objekt, als Experiencer-Argument von psychischen Zustandsprädikaten und von Modalprädikaten, als Agens bei reflexiven Dekausativen, Impersonalen und selbstständigen Infinitivsätzen; dazu kommen noch dativische Sekundärprädikate und die sog. "freien" Dative. Teilweise scheinen diese eher lexikalisch, teilweise eher strukturell bedingt. Die polnische Linguistik hat sich wiederholt darum bemüht, eine "Gesamtbedeutung" auszumachen, die all diesen Dativ-Verwendungen zugrundeliegt und sie von anderen Kasus abgrenzt (Wierzbicka 1988, 2008; Dąbrowska 1997); formale Analysen wie Franks (1995) schlugen dagegen eine einheitliche Strukturposition für Dative vor. Im Vortrag werden zunächst die satzstrukturellen Verhältnisse auf Basis von neuen Akzeptabilitätsstudien zum Bindungsverhalten von Dativen im Polnischen analysiert. Im Mittelpunkt steht dann der Mechanismus der Kasuswahl und die Frage, ob nur eine oder mehrere "Quellen" für Dative anzusetzen sind. Schließlich wird kontrastiv das Russische einbezogen.