18.06.2019
17. Juli: "Differentielle Objektmarkierung im Relativsatz? Slavische relativisierte Objekte zwischen Semantik und Morphologie"
Vortrag von Prof. Dr. Imke Mendoza (Salzburg), 12:15, Hörsaal 426
Abstract
Die differentielle Objektmarkierung, d.h. die formale Markierung eines Objektes in Abhängigkeit von seinen semantischen und diskurspragmatischen Merkmalen, spielt in den slavischen Sprachen eine besondere Rolle. Zum einen rufen bestimmte semantische Eigenschaften wie Partitivität und Definitheit, aber auch das Vorliegen einer Negation eine Variation zwischen Genitiv und Akkusativ hervor, zum anderen sind Belebtheit und in manchen slavischen Sprachen auch Personalität als grammatische Kategorien fest in der Grammatik verankert.
Bei der Relativisierung von Konstituenten hängt die Relativisierungsstrategie, d.h. die Wahl des Relativmarkers in der Regel von der syntaktischen Funktion des zu relativisierenden Elements ab. So erlauben die slavischen Sprachen die Relativisierung mithilfe einer unveränderlichen Relativpartikel (vgl. dt. ugs. und dial. wo, was), in den obliquen Kasus hingegen ist häufig die zusätzliche Verwendung eines resumptiven Pronomens nötig (vgl. poln. człowiek, corelp gopr.acc puścili z aresztu ʻder Mann, den [wörtl.: was ihn] man aus der Haft entlassen hatʼ).
Bei der Relativisierung des direkten Objekts mit Relativpartikel zeigen die meisten slavischen Sprachen eine Variation zwischen bloßer Partikel und Partikel mit resumptiven Pronomen, die auf den ersten Blick recht willkürlich erscheint. Bei näherem Hinsehen zeigt sich jedoch, dass die Wahl der Relativisierungsstrateige von semantischen Faktoren wie Belebtheit und Personalität einerseits und von morphologischen Faktoren wie dem paradigmatischen Verhältnis zwischen den Formen des Akkusativs, Nominativs und Genitivs andererseits beeinflusst wird.