Institut für Politikwissenschaft

Transformation von gewaltzentrierten Männlichkeiten nach bewaffneten Konflikten

Die Entstehung und die Dynamik gewaltzentrierter Männlichkeiten in bewaffneten Konflikten sind umfassend erforscht worden. Die Forschung darüber, wie diese Männlichkeiten nach einem Konflikt transformiert werden können, steckt jedoch noch in den Kinderschuhen. Deshalb geht unser Projekt der Frage nach, ob und wie Schlüsselinstrumente der Friedensförderung - Entwaffnung, Demobilisierung und Reintegration (DDR), Reformen des Sicherheitssektors (SSR) und Massnahmen der Übergangsjustiz (TJM) - zur Transformation von gewaltzentrierten Männlichkeiten beitragen. In einer explorativen Studie analysieren wir diese Transformationsprozesse in den drei Fällen Liberia, Sierra Leone und Uganda.

Forschungsziel & Forschungsfrage

Unsere Forschung ist in der breiteren Literatur über den Wiederaufbau nach Konflikten und über Männlichkeiten und Konflikte angesiedelt. Das Hauptziel unserer Forschung ist es, durch die Rekonstruktion und Analyse ausgewählter Friedensförderungsprozesse im Rahmen mehrdimensionaler Prozessstudien einen Beitrag zur Theorieentwicklung im Bereich der Transformation gewaltzentrierter Männlichkeiten zu leisten.

Unsere Forschungsfrage lautet dementsprechend wie folgt: Wie können spezifische Instrumente der Friedensförderung (DDR, SSR, TJM) gewaltzentrierte Männlichkeiten nach Konflikten in friedensverträgliche Männlichkeiten transformieren?

Fälle

Fallauswahl

Wir haben Liberia, Sierra Leone und Uganda als Fälle ausgewählt, weil es Belege dafür gibt, (1) dass die drei Instrumente der Friedensförderung, auf die wir uns konzentrieren, eingesetzt wurden, (2) dass sie zur Entstehung stabiler Nachkriegsgesellschaften beitrugen und (3) dass gewaltzentrierte Männlichkeiten auf verschiedenen Ebenen mehr oder weniger erfolgreich transformiert wurden.

Liberia

Nach 14 Jahren Konflikt ist Liberia seit 2003 relativ friedlich. Der Wiederaufbau nach dem Konflikt war durch stark strukturierte friedensfördernde Instrumente wie DDR, SSR und TJM gekennzeichnet. Das Besondere an Liberia ist die entscheidende Rolle, die Friedensaktivistinnen (Women of Liberia Mass Action for Peace) im Friedensprozess und seiner Umsetzung spielten. Daher umfassten die verschiedenen Instrumente der Friedenskonsolidierung weitgehend auch Fragen der Geschlechtergerechtigkeit. Darüber hinaus beinhaltete der SSR-Prozess die vollständige Auflösung und den Wiederaufbau des liberianischen Militärs.

Sierra Leone

Der Bürgerkrieg in Sierra Leone endete 2002 und es folgte ein hohes Maß an internationalem Engagement beim Wiederaufbau nach dem Konflikt. Interessanterweise waren die TJM durch die international geführte Strafverfolgung über den Sondergerichtshof für Sierra Leone gekennzeichnet. Was die SSR betrifft, so wurden ehemalige Rebellen in die regulären Streitkräfte Sierra Leones integriert.

Uganda

Der Konflikt zwischen der ugandischen Regierung und der Lord's Resistance Army (LRA) endete 2008. Im Gegensatz zu Liberia und Sierra Leone war der Wiederaufbau nach dem Konflikt durch ein geringes Engagement der internationalen Akteure gekennzeichnet und weit weniger strukturiert. In Uganda kombinierten die TJM sowohl die internationale Verfolgung von Kriegsverbrechern als auch lokale Rechtsmechanismen. Darüber hinaus wurden ehemalige Rebellen in die umfassenderen Sicherheitskräfte integriert, während die ugandische Regierung im Hinblick auf die SSR versuchte, die Militärausgaben zu erhöhen.

Theorie & Methodologie

Indem wir Konzeptualisierungen von Männlichkeit aus der Geschlechterforschung mit Erkenntnissen aus der Praxistheorie und des "practice turn" in den IB verbinden, verwenden wir gewaltzentrierte Männlichkeit als Überbegriff für Konfigurationen von Geschlechterpraktiken, die sich grob auf die Gleichsetzung von Gewalt mit Männlichkeit beziehen. Aufbauend auf der bisherigen Forschung zu Männlichkeiten und Gewaltkonflikten unterscheiden wir heuristisch zwischen (a) militarisierten Männlichkeiten auf der gesellschaftlichen Ebene und (b) militärischen Männlichkeiten auf der institutionellen Ebene, wobei wir die Fluidität und die Wechselwirkungen dieser Ebenen anerkennen. Für jeden Fall zielen wir darauf ab, die Transformation gewaltzentrierter Männlichkeiten auf der Makro- und Mesoebene zu analysieren und diese Veränderungen mit der Wirkung von Instrumenten der Friedensförderung zu verknüpfen.


Kontakt

 Universität Tübingen

Forschungsprojekt "Transformation gewaltzentrierter Männlichkeiten nach Konflikten"

Hölderlinstr. 29, Raum 101

72074 Tübingen

Germany

 +49 7071 - 29 73175

Maximilian Kiefer
Maike Messerschmidt
Hendrik Quest

Förderung

Gefördert von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG),
1 October 2019 – 30 September 2022

  
  
  
  
  

  
  
  


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