Institut für Politikwissenschaft

ZUSE - Zusammenhalt durch Sicherheit? Diskurse, Interaktionen und Praktiken des europäischen Zusammenhaltes im Feld Sicherheit

Das Projekt ZUSE untersucht, wie sich Sicherheit als Leitvorstellung zur Organisation europäischen Zusammenhaltes innerhalb öffentlicher Diskurse entwickelt, wie sich dies in konkrete Interaktionen und Praktiken auf verschiedenen Ebenen übersetzt, und welche Wirkungen auf Politik und Gesellschaft damit verbunden sind. In den letzten Jahren rücken europäische Staaten und Institutionen vermehrt die Vorstellung der EU als Sicherheitsgarantin in „unsicheren Zeiten“ in den Fokus, um damit Identifikation und Akzeptanz herzustellen. Dabei bezieht sich Sicherheit in einem breiteren Sinne auf die Bewahrung eines Gefühls der Stabilität und einer konsistenten Vorstellung der eigenen Identität. Dieser Prozess ist jedoch ambivalent und kann mit unerwünschten Konsequenzen, etwa Ausschlusseffekten, einhergehen. Trotz ihrer politischen Relevanz sind diese spezifische Verbindung von Sicherheit und Zusammenhalt in der EU sowie ihre konkreten Funktionsweisen, Dynamiken und Wirkungen bisher nicht näher betrachtet worden. Um diese Lücke zu füllen, analysiert das vorliegende Projekt erstmals, wie durch die Bezugnahme auf Sicherheit europäischer Zusammenhalt organisiert wird und welche Diskurse, Praktiken und Interaktionen auf der politischen, administrativen und gesellschaftlichen Ebene dabei von Bedeutung sind. Das interdisziplinäre Vorhaben verbindet inhaltsanalytische Verfahren und Dokumentenanalysen mit qualitativen Interviews, Fokusgruppengesprächen und ethnographischer Feldbeobachtung. Das Projekt zielt damit auch auf praktische Impulse für die Formulierung effektiver und angemessener Strategien zur Organisation von Zusammenhalt durch Sicherheit, die nicht-intendierte Konsequenzen berücksichtigen.

Das Projekt findet in Kooperation mit Dr. Hendrik Hegemann (Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik der Universität Hamburg)  und Prof. Dr. Teresa Koloma Beck (Helmut Schmidt Universität Hamburg) statt.

Das Tübinger Team untersucht dabei in erster Linie die Konstruktion von Zusammenhalt in europäischen Sicherheitsdebatten und Versicherheitlichungsschemata in Debatten zu europäischem Zusammenhalt auf der politischen Ebene.

Das ZUSE Projekt wird durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung finanziert.

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