Teilprojekt C4 im SFB 1391 “Andere Ästhetik” -
Gedruckte Festakte. Intermedialität und Repräsentation in der niederländischen Kultur der Frühen Neuzeit
Im Zentrum des latinistisch-kunsthistorischen Teilprojekts C4 steht das reziproke Verhältnis von Intermedialität und Repräsentation in der niederländischen Kultur des 16. und 17. Jahrhunderts, das sich in besonderer Weise in europaweit verbreiteten Druckgraphiken sowie international ausgerichteten lateinischen Festprogrammen, -beschreibungen und -epigrammen manifestiert. Damit wird der Schwerpunkt auf dem konzeptuellen Zusammenwirken von Bild und Text im Kupferstich, der in der ersten Förderphase u.a. anhand der Arbeiten der ‚Haarlemer Akademie‘ und des Kreislaufs des menschlichen Daseins nach Maarten van Heemskerck verfolgt wurde, gezielt erweitert.
Fokussiert werden die unterschiedlichen Formen der Medienkombination und deren epistemisches Potenzial in den gedruckten Werken der höfischen und kommunalen Repräsentation, die aus performativen Akten wie Herrschereinzügen (Blijde Inkomsten), Trauerzügen (pompae funebres) sowie Reliquienprozessionen (Ommegangen) hervorgingen. Die feierlichen Umzüge, die vielfach auf antike Vorbilder rekurrierten, prägten nicht nur die frühneuzeitliche Festkultur, sondern konnten durch ihre mediale Rezeption überregional und dauerhaft eine kulturelle Wirkungsmacht entfalten. Dabei fungierten die gedruckten Repräsentationen der ephemeren Repräsentation, so die Leitthese, gerade aufgrund ihrer sinnstiftenden Intermedialität als ästhetische Aushandlungsorte politischer, religiöser, gesellschaftlicher und künstlerischer Diskurse der Zeit.
Das Projekt analysiert die Konzeption und Beschreibung der Antwerpener Festumzüge durch den Humanisten Johannes Bochius sowie die visuellen Formen künstlerischer Aneignung des Ephemeren in bildlichen Darstellungen niederländischer Festakte. Unter Berücksichtigung medialer Bezugnahmen, Differenzen und Abgrenzungen soll der Status der gedruckten, ihrerseits performativ zu handhabenden Werke als Indikatoren und Generatoren europäischer Erinnerungskultur sowie als deren ästhetischer Resonanzraum konturiert werden.
Projektleitung Prof. Dr. Anna Pawlak mit Prof. Dr. Anja Wolkenhauer