Aktuelle Forschungsprojekte

Migration, Interpretation und Transformation des materiellen Kulturerbes auf der Kurischen Nehrung in Russland und Litauen seit 1945

Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien

Die Kurische Nehrung liegt an der Ostsee und gehört heute zu Litauen und Russland. Bereits seit dem Mittelalter haben hier Kuren, Litauer und Deutsche gemeinsam gelebt und die Landschaft geprägt, bevor sie in der Neuzeit ein Teil von Ostpreußen wurde. Mit ihrer bewegten Geschichte stellt die Kurische Nehrung einen internationalen und interkulturellen Grenz- und Begegnungsraum in Europa dar.

Hinsichtlich des materiellen Kulturerbes der Kurischen Nehrung aus der Zeit vor 1945 besteht ein erheblicher Forschungsbedarf. Bis heute fehlt eine systematische Inventarisierung des Kulturerbes dieser Region, wobei mit dem Schutzstatus der Kurischen Nehrung als UNESCO-Welterbe eine besondere Verpflichtung zur Erforschung und Erhaltung des Erbes besteht. Auf Grundlage dieser Inventarisierung sollen weitergehende qualitative Forschungen zur Migration, Interpretation und Transformation des materiellen Kulturerbes erfolgen.

Angestrebte Ergebnisse (Auswahl):

  • Eine vollständige Inventarisierung des baulichen Bestands der Vorkriegszeit und der anthropogen beeinflussten Landschaftselemente auf der Kurischen Nehrung mit einer Bewertung des Denkmalwerts
  • Gewinnung von Informationen über die Aneignungsprozesse des materiellen Erbes anhand von narrativen Interviews
  • Handlungsempfehlungen für einen verbesserten Schutz des materiellen Kulturerbes

Hybride Stadtentwicklung und Räume der Liminalität in Budapest

Deutscher Akademischer Austauschdienst

Im Mittelpunkt des Projektes steht die Erarbeitung und anschließende Erprobung eines analytisch wie methodisch aktuellen Zugangs zu einer multidimensionalen Analyse urbanen Wandels im postsozialistischen Kontext. Urbaner Wandel wird hierbei als langfristiger dynamischer Prozess interpretiert, der eine evolutionäre Charakteristik besitzt. Dabei können sowohl abrupte wie inkrementelle Veränderungen erfolgen, Entwicklungstendenzen können sich durchsetzen oder in eine Sackgasse führen. Urbaner Wandel vollzieht sich dabei auf verschiedenen Ebenen: ganz offensichtlich im Bereich der Stadtentwicklung, ebenso aber auch auf sozialer und ökonomischer Ebene. Im Rahmen des Projektes sollen diese verschiedenen Dimensionen urbanen Wandels exemplarisch anhand von zu identifizierenden Räumen der Liminalität in evolutionärer Perspektive jeweils erfasst und in ihren Beziehungen zueinander analysiert werden.


Wandel und Diffusion organisationaler Routinen

In der Evolutionary Economic Geography (EEG) erfolgte die programmatische Einführung organisationaler Routinen in die Wirtschaftsgeographie. Zwischen dem in der EEG verwendeten evolutionsökonomischen black box-Routineansatz und einer organisationstheoretisch-soziologisch inspirierten relationalen Wirtschaftsgeographie gibt es aber begrifflich-ontologische Spannungen. Daraus ergeben sich Herausforderungen für die Integration organisationaler Routinen in die relationale Wirtschaftsgeographie. Im Forschungsprojekt wird die black box Routine in Anlehnung an das organisationstheoretisch-soziologische Routinekonzept von Feldman und Pentland geöffnet und am Beispiel von Wandel und Diffusion in eine relational-räumliche Perspektive integriert.


TransBorder Szczecin

Deutsch-Polnische Wissenschaftsstiftung

Seit dem EU-Beitritt Polens haben die ökonomischen und gesellschaftlichen Verflechtungen zwischen der polnischen Großstadt Szczecin und ihrem ländlichen deutschen Hinterland in Vorpommern sowie der Uckermark zugenommen. Diese Prozesse werden als Ausdruck einer grenzüberschreitenden Regionsbildung „von unten“ oder auch als eine Metropolisierung der Stadt interpretiert. Im Großraum Szczecin überlagern sich lokale, nationale sowie europäische Integrationsprozesse und beeinflussen sich wechselseitig. Das Projekt TransBorder Szczecin will Wissen darüber schaffen, welche endogenen Prozesse dazu beitragen, bzw. es erschweren, dass sich eine progressive Governance in der Region etabliert.

Ziele des Projektes:

  • Erfassung grenzüberschreitender Prozesse in der Region Szczecin
  • Konzeptionelle Reflektionen zur Regionalisierung bzw. Metropolisierung „von unten“ in europäischen Grenzräumen
  • Vorschläge für die Ausgestaltung einer Regional Governance

Landeskundliche Bestandsaufnahme Uckermark

Leibniz-Institut für Länderkunde Leipzig

Mit der Buchreihe "Landschaften in Deutschland" soll die Kenntnis über die Entstehung und die derzeitige Entwicklung von ausgewählten Landschaften in Deutschland einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Die Auswahl der Gebiete orientiert sich an aktuellen räumlichen Entwicklungen. Im Vordergrund steht das Bemühen, solche Landschaften zu untersuchen, die in der Wahrnehmung der Bevölkerung historisch oder naturräumlich abgegrenzt sind. Die landeskundliche Bestandsaufnahme leistet damit einen wichtigen Beitrag zur Diskussion um kultur-landschaftliche Werte und ihre gesellschaftliche Bedeutung, zum Beispiel für die Ausprägung einer regionalen Identität.

Vor dem Hintergrund der derzeitigen Renaissance des Regionalen soll eine wissenschaftlich fundierte Kenntnis über die Hintergründe von Landschaftsdynamiken geschaffen werden. Im Rahmen des Projekts werden Impulse für innovative Untersuchungsstränge und Methoden der landeskundlichen Forschung als interdisziplinäre Praxis in den Bereichen Erhebung, textliche Darstellung und Visualisierung gegeben.

Die Uckermark zählt zu den am dünnsten besiedelten Regionen in Deutschland. Sie wird geprägt von großflächiger Landwirt-schaft, den Folgen des demographischen Wandels und erfährt derzeit den Umbau zu einer Energielandschaft (Windkraft). Dennoch ist sie eine der erfolgreichsten Tourismusregionen Deutschlands und erlebt einen Zuzug vor allem kreativer Personen.