In der heutigen Zeit gilt Wissen als ein immaterielles handelbares Gut, das als wichtiger Produktionsfaktor und durch die Digitalisierung von Wissen immer größere Bedeutung erlangt. Vor allem die Schaffung von neuem Wissen spielt eine große Rolle beim Aufbau einer Wissensökonomie.

Der Begriff der Wissensökonomie wurde zuerst 1966 erwähnt, mit dem Unterschied zwischen den „knowledge workers“ und den „manual workers“. Diese Wissensarbeiter sind kreativer und innovativer und nutzen Ideen und Informationen weitreichender als bisherige Arbeitskräfte (Shukran et al. 2011). Das Entstehen von Wissen wird als zentrales Phänomen des Wachstums eines Landes dargestellt. Dieses Wachstum beruht darauf, dass wissensbasierte Industrien zum BIP-Wachstum und zu steigenden Exporten beitragen.

Zu den Antriebskräften einer Wissensökonomie zählt auch die Globalisierung. Durch diese steigen die grenzübergreifenden Ströme von Waren, Dienstleistungen, Kapital und Know-How. Durch neue Informations- und Kommunikationstechnologien (IuK) ist eine einfachere globale Kommunikation möglich, sowie im Zuge dessen auch ein einfacherer Wissenstransfer (Shukran et al. 2011).

KIBS steht für knowledge-intensive business services, also für wissensintensive unternehmensorientierte Dienstleistungen (Braun, Schulz 2012). Diese Dienstleistungen sind gleichzeitig Nutzer und Produzenten von Wissen, was eine wichtige Voraussetzung für eine Wissensökonomie darstellt. Als Beispiele lassen sich hier Marketing, Kommunikationsdienste, Steuer- und Unternehmensdienstleistungen sowie technische Dienste und Beratungen nennen (Kiese 2006).

Im Zuge der gemeinsamen Leistungserstellung, also der Kooperation zwischen Anbieter und Nachfrager, entstehen Innovationen. Zudem findet zunehmend eine Integration verschiedener Wissensgebiete und Fachdisziplinen statt (Kiese 2006).

Zu den wichtigsten Merkmalen einer gut entwickelten Wissensökonomie zählen eigenständige Innovationen, die zunehmende Bedeutung von Wissen als Input und Produkt und das überdurchschnittliche Wachstum von KIBS (Kiese 2006). Darüber hinaus der hohe Bildungsgrad der Gesamtbevölkerung, sowie der hohe Anteil von Wissensarbeitern (Menkhoff et al. 2009). Der wirtschaftliche Erfolg gut entwickelter Wissensökonomien beruht stets auf der Arbeit der Wissensträger.

Singapur gilt als Paradebeispiel einer Wissensökonomie (Kiese 2006). Der Großteil der Wissensarbeiter in Singapur sind ausländische Experten, was ein Indikator für Singapurs schnelle Globalisierung ist. Außerdem zeigt dies die unzureichende Zahl eigener Wissensarbeiter, wodurch Singapur zunehmend abhängig von transnationalen Experten ist. Diese Rekrutierung ausländischer Fachleute zwecks des Wissenstransfers zum Wohl der eigenen Wirtschaft hat eine lange Tradition in Singapur (Menkhoff et al. 2009).

Der Stadtstaat gilt mit seiner Breitband- und mobilen Abdeckung als eines der am besten vernetzten Länder der Welt (CLC A 2018). Darüber hinaus besitzt er auch weltweit eines der leistungsfähigsten Bildungssysteme (Kiese 2017) sowie eine Gesellschaft mit dem Willen und Eifer neue Technologien zu entdecken.

Seit 1998 strebt Singapur den Übergang zu einer Wissensökonomie an, was mit einem Strategiewechsel von der Nutzung bestehenden Wissens hin zur Generierung neuen Wissens einhergeht (Kiese 2017). Anfang der 2000er Jahre wurden vermehrt Institutionen und Organisationen in dem Stadtstaat reorganisiert und neu gegründet, um die High-Tech Entwicklung zu beschleunigen (Menkhoff et al. 2009). Seit 2014 verfolgt Singapur auch die Vision der Smart Nation um eine Vernetzung aller Lebens- und Arbeitsbereiche im ganzen Staat zu ermöglichen (CLC A 2018).

1998 begann die Vision von Singapur als führendes Dienstleistungszentrum Asiens mit globaler Ausrichtung. Mit einer starken Außenhandelsorientierung ist Singapur ein Zentrum für Wissens-, humankapital- und wertschöpfungsintensive exportfähige Dienstleistungen geworden. Dazu zählen zum Beispiel Finanzdienstleistungen sowie Dienstleistungen in den Branchen Kommunikation, Tourismus und Logistik (Kiese 2006). Die aufgezählten Beispiele gehören alle zum bereits erläuterten KIBS-Sektor, der in Singapur stark angewachsen ist und dort eine große Bedeutung besitzt. Allerdings findet eher eine geringe Kooperation zwischen den KIBS-Unternehmen und den lokalen Forschungsinstituten und Universitäten statt.

Singapur versucht mit verschiedenen Mitteln die eigene Innovationstätigkeit zu steigern. Dazu zählen die technologische Aufwertung, die Förderung neuer Branchen wie die Biomedizin und die Förderung der Unternehmenskultur durch eine höhere Risiko- und Gründerbereitschaft. Eigene Innovationen erfordern Kreativität, nonkonformistisches Denken und eine gewisse Risikobereitschaft. Um dies in Singapur zu erreichen, wird das Bildungssystem langsam umgestellt und technologieorientierte Unternehmensgründungen gefördert (Kiese 2006).

Trotz all der Errungenschaften weist auch Singapur Entwicklungspotenziale im Bereich der Wissensökonomie auf. Es gibt immer noch Defizite bei der Wissensdiffusion durch die staatliche Kontrolle der Medien. Der Wissenstransfer muss generell mehr gefördert werden, da Innovationen durch Austausch an Schnittstellen entstehen (Kiese 2006). Singapur hat aber, unter anderem durch seine gut entwickelte Wissens-Governance, große Chancen sich weiter in diese Richtung zu entwickeln.

Als Vorzeigebeispiel der Wissensökonomie in Singapur gilt One North. Das 2001 gestartete Großprojekt bildet das Zentrum Singapurs wissens- und innovationsgetriebener Industrie (Kinder 2017). Cluster wie die Biomedizin, Kommunikation und Medien, sowie Finanz- und Businessdienstleistungen, haben sich dort angesiedelt. Darüber hinaus liegen auch viele Forschungsinstitute und Universitäten in One North, oder in direkter Umgebung (CLC B 2018). Die angesiedelten Firmen und Institute teilen sich die Infrastruktur, Ausstattung und erlaubend den Austausch und das Wachstum von Ideen.

Malaysia hat sich, als Nachbarland Singapurs, in den 1990er Jahren auf eine Spezifikation im Hinblick auf den Ausbau einer Wissensökonomie ausgerichtet (Menkhoff et al. 2009). 1996 wurde deshalb der Multimedia Super Corridor (MSC) entwickelt, um eine Weltklasse-Umgebung für IuK-Technologien anzubieten. Dafür gab es Infrastrukturmaßnahmen in den Bereichen Straßenbau, Flughafen, Bereitbandnetzausbau und Forschungsinstitutionen, so dass sich Universitäten und High-Tech Firmen dort angesiedelt haben (Shukran 2011).

Im Hinblick auf Malaysias Entwicklungsperspektiven zu einer Wissensökonomie lässt sich sagen, dass das Land hinter Industrienationen und Singapur weit zurück liegt, insbesondere in den Bereichen Forschung und Technologien, Computerinfrastruktur, oder auch die Quantität und Qualität von Wissenschaftlern. Auch die Forschungsausgaben liegen in Malaysia weiter hinter denen von Singapur. Grund dafür ist zum einen die „Wissenskluft“ im Land. Es gibt eine ungleiche Entwicklung im Hinblick auf die IuK-Technologien innerhalb der malaysischen Wirtschaft und Gesellschaft. Die Entwicklung der Infrastruktur beschränkt sich auf große Zentren um z.B. Kuala Lumpur, während andere Regionen vernachlässigt werden. Es gibt große Unterschiede im Erwerb von Bildung und der Anzahl von Technikern und Forschern auf dem Arbeitsmarkt. Zum anderen besteht ein Hauptgrund für den Rückstand Malaysias auch in den zivilgesellschaftlichen Spannungen zwischen verschiedenen Religionsgemeinschaften und politischen Gruppen, sowie in den Veränderungen in der malaysischen Entwicklungsprogrammatik durch Führungswechsel in der Regierung (Menkhoff et al. 2099). Nichtsdestotrotz besitzt Malaysia Chancen durch eine vermehrte Kooperation zwischen lokalen und ausländischen Firmen und die Förderung und Verbesserung der Universitäten (EPU, World Bank 2007). Die ethnische und kulturelle Vielfalt ist eine gute Plattform für die Produktion von Wissen.

In Malaysia gilt die 1999 gegründete, im MSC liegende Stadt Cyberjaya als Vorzeigebeispiel der Wissensökonomie. Sie ist ein Hub für Unternehmen und Innovation, mit etwa 800 Unternehmen, darunter auch mehrere multinationale Unternehmen und sechs Universitäten. Im Vergleich zu Singapurs One North kann Cyberjaya allerdings keinen so großen Erfolg verzeichnen. Der Hub bringt zwar junge Talente hervor, ist aber kein dynamisches Zentrum für Forschung und Entwicklung geworden, da er mehr exzellent ausgebildete Studenten, mehr wagemutige Unternehmer und mehr Liberalität benötigt. Heute ist Cyberjaya fokussiert auf Innovationen und Kreativität, und stellt sich als Prüfraum für smarte Technologien zur Verfügung (Cyberview 2020).

Singapur und Malaysia befinden sich in verschiedenen Stadien der Entwicklung zur Wissensgesellschaft. Während der Stadtstaat Erfolg durch eine effiziente Wissenspolitik verzeichnete, muss Malaysia interne Wissenskluften überbrücken und den Globalisierungsdruck managen. In beiden Ländern müssen nonkonformistisches Denken, Kreativität und eine höhere Risiko- und Gründerbereitschaft gefördert werden, um zukünftig Erfolge zu verzeichnen (Menkhoff et al. 2009).