Regionale Disparitäten in Malaysia (Zächelein)
Unter regionalen Disparitäten versteht man die ungleiche Entwicklung von Städten und Regionen. Gemeint sind damit soziale, politische und wirtschaftliche Verwerfungen zwischen verschiedenen Regionen oder zwischen Stadt und Land. Die Unterschiede werden meist durch Kernziffern wie das Pro-Kopf Einkommen, die Arbeitslosigkeit, Anzahl an Personen die in Armut leben usw. erkennbar. Allgemeine Indikatoren für die Feststellung für regionale Disparitäten sind daher Einkommen, der Lebensstandard, der Verbrauch, der HDI oder auch verschiedene industrielle, landwirtschaftliche und infrastrukturelle Entwicklungen verschiedener Regionen. Wie sich eine Region entwickelt, hängt von Relationen und Interaktionen von Firmen, Arbeitnehmern, Bodeneignern und staatlichen Institutionen ab. Hiermit ist zum einen das Arbeitsangebot und die Nachfrage der Firmen nach Arbeitskräften gemeint, was sich dann in der Lohnkurve ausdrückt. Zum anderen sind es die Kosten der lokalen Lebenserhaltung, welche mit der Stadtgröße wachsen. Agglomerationsvorteile und Agglomerationsnachteile führen zu Unterschieden zwischen Stadt und Land. Allgemein sind urbane Kosten also ein zentraler Faktor, was das Wachstum von Städten bestimmt. Die Elastizität des Arbeitsangebotes und der Lebenshaltungskosten entscheiden hierbei über Realeinkommen, sowie Boden- und Mietpreise (Pflüger 2019, Krimi 2010).
Regionale Disparitäten können durch unterschiedliche Faktoren entstehen. Ein Grund stellt der technologische Wandel dar, bei dem die Verfügbarmachung von Information durch Automatisierung Auswirkungen auf den Raum zeigt. Ein weiterer Grund ist die Digitalisierung, welche Informations- und Kommunikationskosten spart und räumliche Distanz somit keine Rolle mehr spielt. Dieser Vorgang verringert die Land-Stadt Dichotomie und Agglomerationsvorteile, jedoch wirken Vorteile aus lokalen Produktionsverflechtungen stärker und Zentren werden durch senkende Kosten in Finanz- und Headquarterdienstleistungen gestärkt. Der Strukturwandel beeinflusst die Regionalentwicklung sehr, da bei ihm routinisierte Tätigkeiten von Robotern übernommen werden und nicht-routinisierte Tätigkeiten nicht ersetzt werden. Dies betrifft die Regionalentwicklung, da in sich Regionen in ihrer sektoralen Wirtschaftsstruktur und den Tätigkeitsanforderungen unterscheiden. Durch den Strukturwandel gibt es Verlierer- und Gewinnerregionen. Die Globalisierung wird als zentraler Treiber regionaler Divergenz gesehen. Der durch die Globalisierung ausgelöste Wandel fordert regionale Anpassungsprozesse, die in manchen Regionen besser gelingen, als in anderen. Durch zunehmende Importe kann es außerdem zu einem Rückgang von lokaler Arbeitsnachfrage kommen, jedoch auch bei steigenden Exporten eine zunehmende Arbeitsnachfrage. Die Globalisierung führt daher zu einer regionalen Spaltung. Die nationale Wirtschaftspolitik beeinflusst regionale Disparitäten durch Infrastrukturmaßnahmen und das Errichten von Forschungszentren, von denen meist die Zentren profitieren (Pflüger 2019).
Es gibt einige Theorien, die versuchen, divergierende Raumentwicklung zu erklären. Die Neoklassische Ökonomie nach Richardson (1973) erläutert, dass regionale Unterschiede im Bezug auf Angebot und Nachfrage mit der Zeit unvermeidbar ausgeglichen werden, wenn die Erreichbarkeit zwischen Regionen und folglich auch die Mobilität der Produktionsfaktoren und Rohstoffe gegeben ist. Hirschmann (1957) und Perroux (1964) sprechen von dem trickle down oder center down paradigm. Dieser Wachstumszentrum-Ansatz behauptet, dass ein Einkommenszuwachs der Reichen der Gesellschaft notwendig ist, um ein Einkommenszuwachs der restlichen Bevölkerung zu gewehrleisten. Stohr (1981) nennt, dass eine Entwicklung nur in wenigen bestimmten Regionen beginnen kann und sich danach auf das ganze Land ausbreitet und regionale Ungleichheiten somit nur zeitweise herrschen. Die Theorie der Wachstumspolzentren beschreibt ein Komplex von Branchen einer treibenden Industrie als Motor der Entwicklungsdynamik. Dieser Komplex hat die Fähigkeit zur Innovation und Stimulierung der Wirtschaft, und fördert andere Wirtschaftszweige und Industrien. Die Entwicklung folgt demnach durch direkte und indirekte Auswirkungen von Innovationen und es kommt zu einer kumulativen räumlichen Differenzierung und keinem Gleichgewichtswachstum (Krimi 2010). Um Regionale Disparitäten auszugleichen, gibt es verschiedene Ansätze und Modelle. Eines davon ist das Donor-Recipient Politik Modell. Hier erhalten weniger entwickelte Staaten mehr Unterstützung als die anderen. Bei dem Growth-Oriented Politik Modell dagegen geht man von der Polarization Reversal Theorie aus. Diese Theorie besagt, dass es nach der Polarisation zu einer städtischen Dekonzentration und räumlichen Dezentralisierung kommt, was wiederrum regionale Zerstreuung und somit eine Abnahme von regionalen Disparitäten bedeutet (Hutchinson 2017).
Regionalpolitik steht für raumbezogenen Wirtschaftspolitik. Das Ziel der Regionalpolitik ist die Schaffung von möglichst ausgeglichenen ökonomischen und sozialen Bedingungen, sowie Disparitäten zu verringern. Die Regionalpolitik greift ein, wenn es zu einem Funktionsmangel des Marktes kommt, wenn die lokale Lebensqualität schlecht ist, oder auch bei Anpassungslasten durch den Strukturwandel (Pflüger 2019).
Ost- und Westmalaysia unterscheiden sich stark. Mit einer fast viermal so hohen Einwohnerzahl in Westmalaysia erkennt man einen großen Unterschied der Bevölkerung, was durch ethische Ungleichheiten noch verstärkt wird. Malaysia verfügt an Ressourcen und es besteht eine stabile Regierung, was eine gute Entwicklung der Wirtschaft versprechen sollte. Jedoch gab es in den Bundesstaaten auf Borneo, auf der trotz großer Fläche nur wenige Einwohner leben, offensichtliche Probleme. Unterschiede in wirtschaftlichen Strukturen kann man auf die Verteilung natürlicher Ressourcen und den unterschiedlich langen Einfluss von Kolonien zurückführen (Hutchinson 2017).
Die Wirtschaftsplanung in Malaysia wird anhand von 5-Jahres Plänen durchgeführt, welche die Wirtschaft und Lebensqualität im ganzen Land verbessern sollen. Hierbei werden einkommensschaffende Aktivitäten erzeugt, Fonds und Ressourcen zugewiesen, Vorgaben für Produktion und Dienstleistung gemacht und Investitionen festgelegt (Krimi 2010). Der erste 5-Jahres Plan entsteht 1956. Hier wurde das Wirtschaftswachstum priorisiert, sowie der Ausbau der Infrastruktur. Ein Ansatz, um regionale Disparitäten zu verringern, besteht noch nicht. Nach der Entstehung der Förderation Malysia 1963, bei denen die Staaten Sabah und Sarawak ein Teil des Landes wurde, entsteht 1966 der erste Malaysia Plan. In diesem 5-Jahres Plan werden das erste Mal regionale Fragen angesprochen. Die schwächeren Staaten Sabah und Sarawak sollen demnach die meiste Unterstützung erhalten. Das Bedürfnis nach nationaler Einheit steigt in den kommenden Jahren und man versucht viel in die Entwicklung der ländlichen Gegend zu investieren. Jedoch wird durch die einsetzende Urbanisierung der Fokus der Raumplanung verändert. 1991 lebt die Hälfte der Bevölkerung in städtischen Gebieten, weshalb Entwicklungs-stärkere Staaten immer mehr Unterstützung erhalten. Trotz der Ziele der regionalen Entwicklungspolitik auf eine ausgeglichene Entwicklung, ist eine zunehmende Zentralisierung beobachtbar. Die Regionale Entwicklung wird in dem neunten Malaysia Plan zu einer Multi-Staats Planung. Hier sollen durch grenzüberschreitende Entwicklung regionale Disparitäten verringert werden. Die ländlichen Regionen sollen durch verbesserte Infrastruktur und bessere Mobilität der Einwohner in ihrer Entwicklung unterstützt werden. Wirtschaftlich balanciertes Wachstum soll erreicht werden, indem Staaten in Tandem wachsen. Die Regionalpolitik und Raumplanung in Malaysia schiftet also von dem Donor-Recipient Politik Modell zu dem Growth-Oriented Politik Modell (Hutchinson 2017).
Allgemein bewirkte die Regionalpolitik in Malaysia in den letzten fünf Jahrzehnten ein stetiges wirtschaftliches Wachstum, was von sinkender Armut begleitet wird. Jedoch sind die Erfolge bei der Verringerung von Ungleichheiten und regionalen Disparitäten bescheidener und die Verteilung der Armut, sowie Unterschiede im Einkommen sind weiterhin wesentlich vorhanden. Die Ungleichheiten in 1970 ähneln 2013, was schließen lässt, dass die Bemühungen der Regierung, die regionalen Unterschiede zu reduzieren, gescheitert sind (Hutchinson 2017). Eine Prognose für die zukünftige Raumentwicklung von Malaysia zu machen, stellt