Singapur als Global City
Begriffsklärung: Global City
Unter einer Global City ist in diesem Zusammenhang eine Metropole zu verstehen, die als Steuerungs- und Kontrollzentrum in der globalen Ökonomie fungiert. Global Cities “fungieren als stark konzentrierte Steuerungszentralen innerhalb der Organisation der Weltwirtschaft; sie sind Schlüsselstandorte für hochspezialisierte Finanz- und Unternehmensdienstleistungen; sie sind Produktions- und Innovationsstandorte in boomenden Wirtschaftszweigen und sie fungieren als Knotenpunkte und Marktplätze für den Austausch von produzierten Gütern, Dienstleistungen und Wissen.“ (Kinder, 2017)
Die Rolle Singapurs als Global City in Südostasiens
Singapurs bemerkenswerte Transformation von einem Kolonialstaat zu einem modernen Industriestaat ist Vorbild für viele Länder im asiatisch-pazifischen Raum geworden. Es ist ein wichtiges regionales Zentrum für Finanz- und andere hochwertige Dienstleistungen. Die wirtschaftliche Stärke und der vergleichsweise hohe Wohlstand des Stadtstaats Singapur sind eng mit seiner Entwicklung zu einer Global City verbunden. (vgl. Bertelsmann Stiftung und Sebastian Kinder)
Zu den marktwirtschaftlichen Faktoren lässt sich sagen, dass Singapurs wirtschaftlicher Entwicklungsstatus ein hohes Lohnniveau aufweist. 13% von Singapurs Produktion von Waren und Dienstleistungen ist in der Hand der Regierung oder in der von Firmen, die mit der Regierung verbunden sind, sogenannte GLCs (Governmental-Linked Companies). Des Weiteren wird der Privatsektor als Rückgrat der Wirtschaft Singapurs angesehen. Die Regierung Singapurs fördert den Wohlfahrtsstaat und begrenzt ihre sozialen Ausgaben auf Maßnahmen, die die Bildung von Humankapital zum Ziel haben, wie Bildung, Gesundheit und den Wohnungsbau. Besonnenheit und Sparsamkeit während der guten Zeiten und große Flexibilität im Falle von Krisen haben Singapur in der Vergangenheit gestärkt. Hinsichtlich Bildung, Forschung und Entwicklung ist Singapur zu einem wichtigen Zentrum in der Region geworden. Für das wirtschaftliche Überleben im Angesicht wachsender Konkurrenz sind Umstrukturierungen in Richtung stärker wissensintensiver Aktivitäten und Leistungen nötig (Wissensökonomie). (Bertelsmann Stiftung, 2003)
Ranking der Global Cities
Transformationsprozess Singapurs - Singapurs städtische Entwicklung zur Global City
Singapurs erstes Jahrzehnt der Selbstverwaltung ermöglichte eine wirksamere Umsetzung der Programme für Stadterneuerung und den Bau einer guten Infrastruktur vom ersten Masterplan bis hin zu Singapurs erstem Concept Plan, um Singapur zur Global City aufzubauen. Die Regierung erkannte die Bedeutung der Planung als Grundlage für die Entwicklung an und stellte die Koordinierung und Optimierung der knappen Landressourcen sicher. Singapurs erster gesetzlicher Masterplan im Jahr 1958 galt als sehr restriktives „Kontrollinstrument“. Die Stadterneuerung begann 1966 mit den Bezirken N1 und S1 nördlich und südlich des Zentralbereiches zur urbanen Wiederherstellung kreativen Raums. Diese Bezirke wurden wegen verfügbarer „soft“ Gebiete priorisiert, was zu einer Verbesserung des Lebensstandards beitragen sollte. (Remy, 2016)
Die Regierung Singapurs spielt eine wichtige Rolle bei frühen Stadterneuerungsprozessen und war bestens positioniert, um die sozialen, wirtschaftlichen und ökologischen Aspekte der Sanierung in Einklang zu bringen. Insbesondere das Angebot an alternativen Unterkünften durch die Regierung, angefangen von öffentlichen Unterkünften bis hin zu Straßenverkäuferzentren, ermöglichte es, die Vorteile der Stadterneuerung für alle zu nutzen (HDB). In den 1970er Jahren hatte die Stadterneuerung aufgrund des „Sale of Sites“ für den öffentlichen Wohnungsbau an Dynamik gewonnen. Die URA (Urban Redevelopment Authority) wurde gegründet, um die Stadt systematisch zu sanieren, woraufhin Ende 1970 ein Central Area Plan entwickelt wurde.
Für Singapur galt die Verkehrsentwicklung als Leitlinie zur wirtschaftlichen Wachstumssteigerung. Neben der Errichtung neuer Gebäude bedeutete eine umfassende Sanierung die Einführung eines integrierten Verkehrsansatzes in Zentralbereich, um einen reibungslosen Verkehrsfluss zu gewährleisten, insbesondere in der Innenstadt, um die wachsende Wirtschaftstätigkeit aufrechtzuerhalten. Das ‚State and City Planning Project‘ hob die Notwenigkeit hervor, Verkehr und Stadterneuerung zu integrieren und empfahl die Rationalisierung des Straßennetzes mit der Politik für öffentliche Verkehrsmittel und Parkplätze abzustimmen. Ein Beispiel hierfür ist die Benjamin Sheares Brücke (1981). Die URA konzentrierte sich daraufhin auf die Entwicklung des Charakters der Stadt als Global City, um dessen Qualität und Identität der urbanen Umgebung zu fördern. Der Schwerpunkt wurde auf die Bewahrung des erbauten Erbes in historischen Gebieten und die Verbesserung des allgemeinen Stadtumfelds, inklusive hochwertige öffentlichen Räumen, gelegt. Zwei der wichtigsten Masterpläne betrafen Urban Waterfronts und das Stadt- und Kulturviertel.
Der Planungsschwerpunkt lag auf den städtischen Ufergegenden (Urban Waterfront Masterplan) und folgte der Sanierung des Singapore River im Jahre 1987. Ziel der Planung war die Wiederbelebung des Gebiets durch optimale Flächennutzungspläne. Die URA begab sich über den Singapore River hinaus in zwei zentrale Bereich: Marina Bay und das Kallang-Becken. Zusammen bildeten die Pläne einen umfassenden Ansatz zur Optimierung des Vermögenswertes von Singapurs Uferpromenade. In den 1990er Jahren hatte sich der Singapore River zu einem belebten Unterhaltungsziel entwickelt woraufhin die Fußgängerpromenaden am Flussufer und eine Reihe von Fußgängerbrücken durch die Regierung erbaut wurden. Im Kallang-Becken wurde das Tanjong-Rhu-Gebiet von einem stark verschmutzten Gebiet in ein erstklassiges Wohnviertel verwandelt, während Marina Bay ab den 2000er Jahren das Zentrum der globalen Stadtambitionen Singapurs und das neue symbolische Herz der Stadt wurde.
Das Stadt- und Kulturviertel, in dem die wichtigsten Regierungsgebäude aus der Kolonialzeit untergebracht waren, wurde saniert, um Kultur und Identität zu stärken, , darunter auch Wahrzeichen wie der Oberste Gerichtshof und das Rathaus. Die strategische Lage und das Erbe des Bezirks erforderten eine umfassende Überprüfung, um seine charakteristischen historischen Qualitäten herauszuarbeiten und die Beziehung zu angrenzenden Gebieten zu verbessern. Neue kulturelle Einrichtungen wurden in den Distrikt eingeführt, darunter mehrere öffentliche Museen in historischen Gebäuden, wie dem Singapore Art Museum und moderne kulturelle Ikonen, wie die Esplanade Theaters. Der Plan spiegelte die Verlagerung der Prioritäten der Entwicklung von den 1980er Jahren zu immateriellen Werten wider, die weniger direktmit infrastrukturellen oder wirtschaftlichen Belangen zu tun hatten.
Um weiterhin das Wachstum einer Global City zu gewährleisten wurde die Planung von Marina Bay eingeleitet. Die Marina Bay wurde als natürliche Erweiterung des traditionellen Central Buisness District (Golden Shoe District) genutzt. Obwohl die meisten Entwicklungen im Distrikt erst in den 2000er Jahren realisiert wurden, hatte die Planung von Marina Bay bereits in den frühen 1970er Jahren begonnen. Die Landgewinnung in Marina Bay begann 1971 mit dem Bau der Benjamin-Sheares-Brücke, um Parkanlagen und Grünflächen für das Stadtzentrum zu schaffen. 1977 kündigte die Regierung nach einer Studie der URA eine zusätzliche Landgewinnung in Marina Bay an. Die erweiterten Sanierungspläne boten eine Chance, den Finanzbezirk nahtlos zu erweitern und Kapazitäten für die Zukunft städtischen Wachstums zur Unterstützung der Wirtschaft und der angestrebten Wissensökonomie in Singapur bereitzustellen. Die vielfältige Natur von Marina Bay nahm 1987 eine andere Dimension an, als der damalige Premierminister Lee Kuan Yew das Potenzial für die Schaffung eines zukünftigen Süßwasserreservoirs im Herzen der Stadt voraussah. Ein Süßwasserstausee in der Marina Bay würde nicht nur die Wassersicherheit Singapurs durch eine bessere Wasserversorgung verbessern, sondern auch als Hochwasserschutz für die zentralen Teile Singapurs dienen. Durch Verbesserungen in der Membrantechnologie konnte diese schließlich in Form der Marina Barrage verwirklicht werden.
Zukunftsaussichten: Herausforderungen einer Global City
Wie kaum eine andere Stadt der Welt steht Singapur als Stadtstaat vor dem einzigartigen Dilemma, sich gleichzeitig der Globalisierung zu stellen und das gesamte Spektrum nationaler Interessen wahrnehmen zu müssen. Singapur muss weiterhin ein hohes Leistungsniveau aufrechterhalten, während die Spannungen zwischen Singapurs Identität als Weltstadt und Stadtstaat bestehen bleiben. Einerseits muss sich Singapur weiterentwickeln, um wirtschaftlich mit London und New York mithalten zu können. Auf der anderen Seite soll Singapurs einzigartiger Charakter bewahrt werden, da es als Nation nur ein halbes Jahrhundert alt ist. Um diese Spannungen zu bewältigen, muss die Regierung nicht nur eine erfolgreiche wirtschaftliche Partnerschaft mit dem Privatsektor aufrechterhalten und ihre starke Wissensökonomie weiter ausbauen, sondern auch den starken sozialen Pakt verstärken. Durch die weitere Akzeptanz von Innovationen wie intelligenten Technologien wird die Regierung besser gerüstet sein, um kommende Herausforderungen als Global City zu meistern.