Internationales Zentrum für Ethik in den Wissenschaften (IZEW)

Die Module des Projektes

Modul 1: Reflexive Beratung
(Internationales Zentrum für Ethik in den Wissenschaften, Universität Tübingen / Koordinationsstelle Umwelt, Hochschule Nürtingen-Geislingen)

Das Diskursverfahren der "Reflexiven Beratung" legt den Schwerpunkt auf die argumentativ basierte Handlungsorientierung. SchülerInnen aus allgemeinbildenden und beruflichen Schulen und Studierende aus Diplom- und Lehramtsstudiengängen beraten Akteure aus Wissenschaft, Medizin und Landwirtschaft in Bezug auf eine konkrete und offene Entscheidungssituation im Bereich der Biotechnologie in Medizin und Landwirtschaft. Die Methode der reflexiven Beratung umfasst drei Schritte: In einem ersten Schritt wird die Fallgeschichte von dem betroffenen Akteur geschildert, und die SchülerInnen bzw. Studierenden führen eine Ad-hoc-Beratung durch. In einem zweiten Schritt werden unter Einbezug von verschiedenen Informationsquellen und ExpertInnen die notwendigen empirischen und normativen bzw. evaluativen Grundlagen des behandelten Falls erarbeitet; auf der Basis von Urteilsbildungsmodellen werden die Ergebnisse der Ad-hoc-Beratung hinsichtlich ihrer empirischen und argumentativen Stichhaltigkeit reflektiert, überprüft und weiterentwickelt. In einem dritten Schritt wird eine abschließende Empfehlung formuliert und dem bzw. der Ratsuchenden vermittelt.

Das Ziel dieses Moduls ist es, authentische Diskurse über konkrete Entscheidungen mit kompetenten DiskurspartnerInnen zu initiieren. SchülerInnen und Studierende sollen lernen, Fragestellungen aus den großen politischen und gesellschaftlichen Debatten um Biomedizin und Biotechnologie auf der Ebene von konkreten individuellen Handlungsspielräumen diskursiv zu bearbeiten. Die Beratung ist kein Planspiel, in dem für das Leben gelernt wird, sondern die Beratung ist Leben, in dem gelernt wird - ein Rückzug hinter die Behauptung, das müsse jeder für sich selber wissen, ist in einer solchen Situation nicht möglich.

Modul 2: Theaterpädagogik als Diskursmethode
(Landesarbeitsgemeinschaft Theaterpädagogik Baden-Württemberg e.V.)

Die Debatten um biomedizinische Problemfelder oder Konflikte der ‚grünen Gentechnik' sind häufig durch starke emotionale Aspekte geprägt. Hoffnungen auf Heilungschancen stehen Ängsten vor möglichen Gesundheits- oder Umweltrisiken entgegen. Diese Aspekte lassen sich theatral umsetzen, verfremden, hinterfragen und verdeutlichen. Der Modelldiskurs mit theaterpädagogischen Ansätzen legt daher den Schwerpunkt auf die persönlichen, emotionalen und expressiven Aspekte der Information und Meinungsbildung im Bereich der Biomedizin und der sog. ‚Grünen Gentechnik'. Etwaige Vor-Urteile, explizite und implizite Mythen und Symbole können herausgearbeitet und verdeutlicht werden. Im gemeinsamen Diskurs zwischen unterschiedlichen Gruppen aus NachwuchswissenschaftlerInnen, (Lehramts-)Studierenden und SchülerInnen werden Themen der Biomedizin und Biotechnologie aus naturwissenschaftlicher und ethischer Perspektive vorgestellt und szenisch umgesetzt. In den an die Theaterphase anschließenden Reflexionseinheiten können die gewonnenen Erfahrungen und Erkenntnisse zusammengefasst und unter der Leitung von NaturwissenschaftlerInnen und EthikerInnen diskursiv weiter bearbeitet werden.

Es geht nicht darum, Theaterstücke zu entwerfen und aufzuführen, sondern darum, sich komplexe bioethische Fragestellungen mit Hilfe theatraler Methoden zu erschließen. Die Theaterpädagogik stellt dafür ein reiches Methodenrepertoire zur Verfügung - vom Statuenbau über Theatermaschinen bis hin zum Forumtheater. Sie bietet einen ganzheitlichen Lernansatz, ermöglicht Lernen durch Erfahrung, mit Worten und dem Körper. Inhaltlich wird eine enge Übereinstimmung mit dem Modul 1 angestrebt.

Das Verhältnis beider Module

Das Verhältnis beider Module ist das einer theoriegeleiteten Interaktion: Die beiden Module teilen die Fragestellung, wie der AdressatInnenbezug, das ExpertInnen-LaiInnen-Verhältnis und das Methodenrepertoire verbessert werden können. Auch gehen sie von der gemeinsamen Arbeitshypothese aus, dass eine solche Verbesserung durch die Einbettung des Diskurses in eine konkrete und authentische Öffentlichkeit gelingen kann. Bei der methodischen Gestaltung gehen sie neuartige und zugleich komplementäre Wege, insofern das Modul der reflexiven Beratung die kognitiv-argumentativen und das Modul der Theaterpädagogik die emotional-expressiven Kompetenzen in den Vordergrund stellt. Die gemeinsame Konzeption hinsichtlich Zielgruppen, Themenstellungen und ExpertInnen, der regelmäßige Austausch der beiden Projektteams und die begleitende Dokumentation und Evaluation erlauben es, die beiden Stränge vergleichend zusammen zu führen und in den gemeinsamen, abschließenden Workshops sowie in der Handreichung ein komplementäres Methodenrepertoire anzubieten.