A temporary VAT Cut as Unconventional Fiscal Policy
Wie wirkt eine befristete Mehrwertsteuersenkung als konjunkturpolitisches Instrument? Zu diesem Thema ist im Juni 2026 im Review of Economic Studies ein neues Papier von Prof. Ralph Luetticke (Universität Tübingen), gemeinsam mit Prof.Rüdiger Bachmann (University of Michigan), Prof. Benjamin Born (Universität Bonn), Dr.Olga Goldfayn-Frank (Deutsche Bundesbank), Dr. Georgi Kocharkov (Deutsche Bundesbank und EZB) und Prof. Michael Weber (Purdue University), veröffentlicht worden.
Das Paper untersucht die Konsumwirkung sogenannter unkonventioneller Fiskalpolitik und nutzt dafür die vorübergehende Senkung der deutschen Mehrwertsteuer um drei Prozentpunkte in der zweiten Jahreshälfte 2020 . Grundlage sind Umfrage- und Scannerdaten zu den Konsumausgaben der Haushalte sowie zu deren wahrgenommener Weitergabe der Steuersenkung in die Preise. Das Ergebnis: Haushalte, die eine hohe Preisweitergabe wahrnahmen, erhöhten vor allem ihre Ausgaben für langlebige – und in geringerem Maße für semi-langlebige – Güter deutlich. Ein auf diese Mikroevidenz kalibriertes HANK-Modell beziffert den Gesamteffekt: Die Mehrwertsteuersenkung steigerte die aggregierten Konsumausgaben unmittelbar um 4,4 Prozent – und erwies sich damit als kraftvollerer Stimulus als eine vergleichbar dimensionierte Zinssenkung.