Uni-Tübingen

F07: Das Ringen um internationale Ordnung. Zur Einbindung betroffener Bevölkerungsgruppen in das System der Vereinten Nationen

Fachgebiet: Öffentliches Recht, Politikwissenschaft

Das Teilprojekt setzt bei der Bedrohung der internationalen Staatenordnung durch Prozesse schnellen globalen Wandels an und untersucht diplomatische und völkerrechtliche Strategien zur Stabilisierung nationaler Souveränitätsansprüche im System der Vereinten Nationen. Konkret geht es bei der Bedrohung um die Herausforderung staatlicher Prärogative durch die Institutionalisierung internationaler Beziehungen und die zunehmende Politikfähigkeit zivilgesellschaftlicher Akteure. Dabei begreifen vor allem Regierungen aus dem Globalen Süden, aber auch China, Russland und die aktuelle US-Administration die Transformation von Global Governance bzw. International Public Authority und die damit verbundene Relativierung von Souveränität als fundamentale Herausforderung des westfälischen Staatensystems und seiner eingespielten Routinen. Vor diesem Hintergrund konzentiert sich das Projekt auf die deutlich verstärkte Einbeziehung unmittelbar betroffener Bevölkerungsgruppen – „Most Affected People“ (MAP) – in den Politikfeldern ‚internationale Gesundheit‘, ‚internationale Ernährung‘, ‚internationale Entwicklung‘ und ‚internationale Sicherheit‘. Dabei gehen wir davon aus, dass die Fokussierung von MAPs auf paradigmatische Weise die Dynamik globaler Ordnungskonflikte sichtbar werden lässt. Denn die zentrale Frage ist, ob sich aus der Spezifik der völkerrechtlichen Integration von MAPs in die Aushandlungs- und Entscheidungsprozesse der WHO, der FAO, der Weltbank oder der Peacebuilding Commission Rückschlüsse darauf ziehen lassen, ob die institutionelle Ermächtigung von MAPs eher dazu dient, die Dynamik globaler Institutionalisierungsprozesse und gesellschaftlicheer Partizipationsforderungen zu bremsen, oder ob sie Teil einer Erweiterung und Vertiefung von Global Governance und damit der Re-hierarchisierung politischer Räume sind. Damit begreift das Teilprojekt die internationale Ordnung als Bedrohte Ordnung und untersucht, wie in ausgewählten Politikfeldern innerhalb der Vereinten Nationen um Kontinuität und Wandel von Souveränitätspraktiken gerungen wird. Mit seinem Blick auf die Mobilisierung von Unterstützung oder Widerstand gegen die Ermächtigung von MAPs fällt es in den Projektbereich F. Gleichzeitig leistet es durch die Analyse der Wechselwirkungen zwischen verschiedenen Teilordnungen im System der Vereinten Nationen einen Beitrag zum besseren Verständnis von synchroner Interdependenz in Bedrohten Ordnungen.