Katholisch-Theologische Fakultät

Athene Mentoring

für Studentinnen und Wissenschaftlerinnen der Katholisch-Theologischen Fakultät

Ein Blick in das Geschlechterverhältnis der akademischen Landschaft offenbart, dass Frauen* und weiblich sozialisierte Personen trotz bestehender Unterstützungsangebote im wissenschaftlichen Raum weiterhin unterrepräsentiert sind. Dieser Befund verschärft sich mit steigendem akademischen Grad – und das gerade im Fach der Katholischen Theologie: Sind die Zahlen der Studienabschlüsse (ohne Lehramt) unter den Geschlechtern noch relativ ausgewogen, so sind Frauen* unter den erfolgreich abgeschlossenen Promotionen mit nur einem Viertel schon deutlich unterrepräsentiert. Und nur knapp jeder fünfte Lehrstuhl der Katholischen Theologie ist von Frauen* besetzt. (Emunds, Retka 2022) Das institutionelle Missverhältnis spiegelt sich auch in der medialen Repräsentation, in der Theologinnen gegenüber ihren männlichen Kollegen deutlich benachteiligt sind, dies kann wissenschaftlich belegt werden. (AGENDA 2021)

Zur ideellen Förderung von Nachwuchswissenschaftlerinnen* in der Studienabschluss-/ und Promotionsphase hat die Universität Tübingen daher das Athene Mentoring Programm ins Leben gerufen, welches seit dem Wintersemester 2021/22 auch an der Katholisch-Theologischen Fakultät fest etabliert ist. (Daganato, Zimmermann 2023) Das Programm richtet sich an Frauen, trans*, inter* sowie nicht-binäre Personen. Die Teilnehmer*innen erwartet ein One-to-One-Mentoring und interessante Workshops zur Vernetzung und Fortbildung. Näheres zu Umfang, Dauer und Bewerbung finden Sie weiter unten im Überblick. 

 

Koordinator*innen des Athene-Mentoring

Überblick über das Programm

Zielgruppe

Alle Student*innen im letzten Drittel ihres Master- bzw. Magistrastudiums und Promovend*innen der Katholisch-Theologischen Fakultät (Frauen, trans*, inter* sowie nicht-binäre Personen). Promovend*innen sind zudem eingeladen, sich auch als Mentor*innen zu engagieren.

Umfang

One-to-One-Mentoring

Als Herzstück des Programms wird ein One-to-One-Mentoring im Kaskadenmodell angeboten. Über drei Ebenen hinweg werden in einem individuellen Matching Mitglieder einer Studien- bzw. Wissenschaftsphasevon der jeweils darüber liegenden Stufe gecoached. Das Mentoring wird individuell nach den Bedürfnissen der Mentees gestaltet – sowohl der zeitliche Umfang als auch die inhaltliche Ausgestaltung sind den Tandems selbst überlassen. Mögliche Inhalte könnten sein: Work-Life-Balance, Karrierestrategien, Drittmittelakquise, usw.

Die Mentor*innen erhalten ein professionelles Training, das vom Gleichstellungsbüro der Universität Tübingen organisiert und durchgeführt wird.

Gruppenmentoring

Innerhalb der Gruppe der Mentees wird es zudem in regelmäßigen Abständen die Möglichkeit geben, sich auszutauschen. Dies kann entweder in einer großen Gruppe oder in kleineren, gewählten Konstellationen erfolgen. In diesen Begegnungen sollen spezifische Fragestellungen der jeweiligen Gruppen behandelt werden, während gleichzeitig Plattformen für Networking und gegenseitige Unterstützung geschaffen werden.

Stufenübergreifende Veranstaltungen

In gemeinsamen Veranstaltungen werden in Form von Workshops, Vorträgen oder Gruppencoachings übergreifende Fragen von Gleichstellung diskutiert: Aus wissenschaftlicher und kirchlich-theologischer Perspektive sollen Themen wie Kommunikationskompetenz, Wissenschaftsmanagement oder Genderkompetenz gemeinsam behandelt werden und so neben der fachlichen Qualifizierung auch Foren des gegenseitigen Kennenlernens und Netzwerkens initiiert werden.

Dauer

Das Programm findet jährlich statt und startet jeweils mit Beginn eines neuen Wintersemesters. Die Dauer des Engagements ist auf ein Jahr / zwei Semester angelegt.

Anmeldung

Haben wir Ihr Interesse geweckt? Dann freuen wir uns über Ihre digitale Anmeldung mit einem kurzen tabellarischen Lebenslauf sowie einem kurzen Motivationsschreiben (max. 1 Seite, PDF-Datei), weshalb Sie sich für das Programm interessieren. Einsendeschluss für den neuen Jahrgang ist jeweils Mitte Juni, Genaueres entnehmen Sie bitte immer der aktuellen Ausschreibung. athene-mentoringspam prevention@kath-theologie.uni-tuebingen.de

Informationen für Mentor*innen

Für dieses Förderprojekt werden engagierte Personen im Bereich der Wissenschaft oder in kirchlichen Leitungspositionen mit abgeschlossener Promotion oder Habilitation und Promovend*innen gesucht, die sich als Mentorin oder Mentor einbringen möchten. Das Engagement soll auch für Sie persönlich eine Möglichkeit darstellen, sich mit anderen Wissenschaftler*innen zu vernetzen und Promovend*innen und Student*innen an Ihrem Erfahrungsschatz teilhaben zu lassen. Haben wir Ihr Interesse geweckt? Dann freuen wir uns über eine Nachricht von Ihnen.

Zu den Ursprüngen des Athene-Mentoring-Programms an der Kath.-Theol. Fakultät

Das Fanny-Werfer-Programm

Im Studienjahr 2021/22 entstand aus den Reihen des akademischen Mittelbaus unserer Fakultät die Idee und der Wunsch, ein Förderprogramm für Frauen* in der Studienabschluss- und Promotionsphase zu etablieren. Mit großem Engagement gründeten Laura Mößle und Katharina Zimmermann das Fanny Werfer Programm, kurze Zeit später komplettierte Eva Maria Daganato das Team. Wir dokumentieren hier diese Anfänge des Athene Mentoring-Programms.

Frauen* verändern Wissenschaft

Als erste Frau in Deutschland legte Franziska „Fanny“ Werfer im Jahr 1929 ein theologisches Vollexamen an der Katholisch-Theologischen Fakultät in Tübingen ab.[1] Die 1906 in Ellwangen an der Jagst geborene junge Frau hatte eine Sondergenehmigung zur Teilnahme an der theologischen Abschlussprüfung erhalten, die bisher nur Männern vorbehalten war. Als engagierte Theologin wirkte sie auch nach ihrem universitären Abschluss wegweisend an der Einbeziehung von Frauen ins Arbeitsfeld Kirche der Diözese Rottenburg-Stuttgart mit. Hauptberuflich arbeitete sie als Religionslehrerin an katholischen Mädchenschulen in Stuttgart. Daneben konzipierte und organisierte sie in enger Kooperation mit dem Katholischen Deutschen Frauenbund Schulungen von Frauen zu Katechetinnen – ein Novum in der Diözese.

Im Rahmen eines universitätsweiten TEA-Mentoring-Programms, das vom Gleichstellungsbüro der Universität Tübingen entwickelt wird, möchte das Fanny-Werfer-Programm an der Katholisch-Theologischen Fakultät die Förderung von Frauen* in Lehre und Wissenschaft unterstützen.

Ein Blick in das Verhältnis der Geschlechter im akademischen Spektrum zeigt, dass Frauen trotz bereits bestehender Ansätze zur Unterstützung im wissenschaftlichen Raum weiterhin unterrepräsentiert sind. Dieser Befund verschärft sich, je höher Frauen in der akademischen Rangfolge steigen.[2] Auch die Disziplin der Katholischen Theologie im deutschsprachigen Raum stellt hierbei keine Ausnahme dar: Theologinnen sind nicht nur wissenschaftlich, sondern auch medial gegenüber ihren männlichen Kollegen deutlich benachteiligt, wie erst kürzlich wissenschaftlich bestätigt wurde.[3]

Ausrichtung des Programms

Den allgemeinen Forderungen nach Förderung von Frauen* in der Wissenschaft möchte das Fanny-Werfer-Programm an der Katholisch-Theologischen Fakultät eine konkrete Gestalt geben: Neben einer breitenwirksamen Sichtbarmachung struktureller und systemischer Diskriminierung von Frauen* setzt das Programm konkret dabei an, Studentinnen* und Wissenschaftlerinnen* zu einer akademischen Weiterqualifizierung zu ermuntern. Das Programm wird hierbei entlang des sogenannten Kaskadenmodells gestaltet, wonach Frauen* einer Qualifikationsstufe von Wissenschaftlerinnen* aus der jeweils höher liegenden Ebene fachlich und persönlich begleitet werden. Zu diesem individuellen Austausch zwischen Mentorin* und Mentee* findet in Form eines peer-Mentoring die gegenseitige Unterstützung und Vernetzung der Teilnehmerinnen* einer Ebene untereinander statt. Ergänzt wird das Programm mit gemeinsamen Veranstaltungen und Workshops zu Themen wie Wissenschaftsmanagement, Kommunikationstraining oder Genderkompetenz in wissenschaftlicher und kirchlich-theologischer Perspektive.

Zielgruppe

Das Programm richtet sich zunächst an Studentinnen in ihrer letzten Studienphase (Vertiefungsphase im Magistra Theologiae Studiengang bzw. Master of Education) und Doktorandinnen an der Katholisch-Theologischen Fakultät Tübingen. Da den Initiatorinnen des Programms bewusst ist, das strukturelle Diskriminierungen nicht nur Frauen betrifft, bietet das Programm auch Anknüpfungspunkte für Menschen*, die* sich weiteren Gruppen zugehörig fühlen, welche sich verschiedener Formen von Diskriminierung im wissenschaftlichen Kontext ausgesetzt fühlen.

Wenn auch in ihrem theologischen und kirchenpolitischen Denken klar in ihrer Zeit verhaftet, stellt der Vorstoß Fanny Werfers in das bis dahin ausschließlich männlich dominierte theologisch-akademische Feld einen Türöffner für viele Generationen begabter Theologinnen* an der Katholisch-Theologischen Fakultät Tübingen dar.

[1] Vgl. hierzu und zum Folgenden: Köhler, Joachim, Franziska Werfer (1906-1985). Eine „Fackel des neuen Aufbruchs in der Kirche“, in: Bendel-Maidl, Lydia (Hrsg.), Katholikinnen des 20. Jahrhunderts. Bilder, Rollen, Aufgaben, Berlin u.a. 2007, S. 201-222, hier S. 201.

[2] Vgl. eine entsprechende Untersuchung des Statistischen Bundesamtes zum Frauenanteil auf verschiedenen akademischen Ebenen in den Jahren 2017 bis 2019: https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Bildung-Forschung-Kultur/Hochschulen/Tabellen/frauenanteile-akademischelaufbahn.html [zuletzt geprüft 11.02.2021].

[3] Vgl. die entsprechende Studie: https://www.katholisch.de/artikel/28396-studie-theologinnen-wissenschaftlich-und-medial-benachteiligt?fbclid=IwAR1sQHsEQo9Ha0epe-63oD40QWy0K1e9miTYqd0WmC40jUYN7Hw0Z5i4z3o [zuletzt geprüft 11.02.2021].