In diesem Projekt werden individuelle Unterschiede und die Plastizität im Kommunikationsverhalten freilebender sowie in Zoos gehaltener Bonobos (Pan paniscus) untersucht. Aufbauend auf dem mehrstufigen und multimodalen Ansatz des übergeordneten Freigeist-Projekts verfolgt die Studie drei zentrale Ziele: Erstens soll untersucht werden, inwiefern sich Individuen in ihrem Gebrauch von Signalen unterscheiden. Mithilfe eines Reaktionsnormansatzes wird dabei konsistente individuelle Variation im Kommunikationsverhalten von umweltbedingter Variation getrennt. Zweitens werden die kommunikativen Repertoires von freilebenden und in Zoos gehaltenen Bonobos miteinander verglichen, um den Einfluss der sozioökologischen Umgebung auf die Verwendung von Signalen zu bestimmen. Drittens werden die Bonobo-Daten mit entsprechenden Daten anderer Menschenaffenarten (Schimpansen, Gorillas und Orang-Utans) verglichen, um artspezifische Kommunikationsstile zu identifizieren.
Um Daten von einer ausreichenden Anzahl von Individuen zu erheben, kooperieren wir mit dem Kokolopori Bonobo Research Project in der Demokratischen Republik Kongo und der Wilhelma Stuttgart. Zusätzlich wird das Projekt durch bereits erhobene Daten aus dem Vallée des Singes (Frankreich) ergänzt. Zusammengenommen tragen die gewonnenen Erkenntnisse zu einem besseren Verständnis der Evolution der Primatenkommunikation sowie der kognitiven Grundlagen der menschlichen Sprache bei.
Diese Studie wird von Dr. Mawa Dafreville, in Zusammenarbeit mit Dr. Martin Surbeck (Harvard University), Dr. Raphaela Heesen (Universität Konstanz), und Kerstin Ludmann (Wilhelma Stuttgart) durchgeführt. Das Projekt ist Teil des Forschungsvorhabens Pathways to Language, das durch ein Freigeist-Fellowship der VolkswagenStiftung an Dr. Marlen Fröhlich gefördert wird.