Paläoanthropologie

Laufende und in Kürze beginnende Forschungsprojekte unserer AG

Individuelle Variation und Plastizität im Kommunikationsverhalten von Schimpansen

Dieses Projekt untersucht das Ausmaß individueller Variation und Plastizität im kommunikativen Verhalten von Schimpansen (Pan troglodytes), die in drei verschiedenen Forschungsumgebungen leben, sowie die Auswirkungen sozio-ökologischer Faktoren auf dieses Verhalten. Ein multimodaler Ansatz (d.h. Konzentration auf Gesten, Vokalisationen und Gesichtsausdrücke als Ganzes) wird zusammen mit einem aus der Verhaltensökologie abgeleiteten Rahmen für Verhaltensreaktionsnormen (BRN) einen Einblick in das Ausmaß der kommunikativen Plastizität bei einem unserer nächsten lebenden Verwandten geben, indem Variationen auf der Ebene des Individuums, der Gruppe und der Forschungsumgebung voneinander getrennt werden. Die Daten werden von den wild-lebenden Schimpansen der Kanyawara Gemeinschaft (Kibale Nationalpark, Uganda), den halbwilden Schimpansen des Chimfunshi Wildlife Waisenhauses (Sambia) und den in Gefangenschaft lebenden Schimpansen des Leipziger Zoos und des Leintalzoos Schwaigern (Deutschland) gesammelt.

Diese Forschung ist Teil des Promotionsprojektes von Angele Lombrey, finanziert durch ein Freigeist-Stipendium (VW-Stiftung) an Dr. Marlen Fröhlich, und wird in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Katie Slocombe und Dr. Claudia Wilke von der University of York durchgeführt.

Individuelle Variation und Plastizität im Kommunikationsverhalten von Orang-Utans

Dieses Projekt untersucht den Einfluss sozio-ökologischer Faktoren auf die kommunikative Flexibilität von wild- und in Gefangenschaft lebenden Sumatra Orang-Utans (Pongo abelii) bei der Koordination sozialer Handlungen. Zu diesem Zweck werden wir einen integrierten multimodalen und einen Behavioral Response Norm (BRN) Ansatz verwenden, um Unterschiede innerhalb und zwischen Individuen zu untersuchen. Daten über soziale Interaktionen in freier Wildbahn werden in Suaq (Gunung Leuser Nationalpark, Nordwest Sumatra, Indonesien) gesammelt, während Interaktionen in Gefangenschaft in verschiedenen europäischen Zoos (z.B. München und Zürich) beobachtet werden.

Diese Untersuchungen sind Teil des Promotionsprojektes von Deborah Galeone, das durch ein Freigeist-Stipendium (VW-Stiftung) an Dr. Marlen Fröhlich finanziert wird. Sie werden in enger Zusammenarbeit mit Dr. Caroline Schuppli vom Max-Planck-Institut für Verhaltensforschung und Dr. Tatang Mitra Setia von der Universitas National Jakarta durchgeführt.

Entwicklung und Plastizität multimodaler Kommunikation während sozialer Handlungen bei menschlichen Kindern

Dieses Projekt untersucht individuelle Flexibilität und Unterschiede im frühen menschlichen Kommunikationsverhalten, wobei der Schwerpunkt auf der Rolle von gestischer und vokaler Kommunikation bei der Koordination sozialer Handlungen liegt. Wir werden einen integrierten multimodalen Ansatz verwenden, um Unterschiede zwischen Individuen, Altersgruppen und kulturellen Hintergründen zu untersuchen. Soziale Interaktionen werden in Kindertagesstätten in Deutschland und in BaYaka Mbendjele Dörfern in Kongo Brazzaville mit Kindern im Alter von 1,5 bis 2 Jahren und 3 bis 4 Jahren aufgezeichnet. Indem wir neue Einblicke in die kommunikative Plastizität menschlicher Kinder gewinnen, wollen wir den Einfluss sozio-ökologischer Faktoren auf die Entwicklung multimodaler Kommunikation bei menschlichen Kindern besser verstehen. In späteren Projektphasen sollen Vergleiche mit verschiedenen Menschenaffenarten zu einem besseren Verständnis der evolutionären Entwicklung von Verhalten und Kommunikation bei Homininen führen.

Diese Forschung ist Teil des Promotionsprojektes von Wytse Wilhelm, das durch ein Freigeist-Stipendium (VW-Stiftung) an Dr. Marlen Fröhlich finanziert wird.

 

Individuelle Unterschiede und Plastizität im Kommunikationsverhalten von Bonobos

In diesem Projekt werden individuelle Unterschiede und die Plastizität im Kommunikationsverhalten freilebender sowie in Zoos gehaltener Bonobos (Pan paniscus) untersucht. Aufbauend auf dem mehrstufigen und multimodalen Ansatz des übergeordneten Freigeist-Projekts verfolgt die Studie drei zentrale Ziele: Erstens soll untersucht werden, inwiefern sich Individuen in ihrem Gebrauch von Signalen unterscheiden. Mithilfe eines Reaktionsnormansatzes wird dabei konsistente individuelle Variation im Kommunikationsverhalten von umweltbedingter Variation getrennt. Zweitens werden die kommunikativen Repertoires von freilebenden und in Zoos gehaltenen Bonobos miteinander verglichen, um den Einfluss der sozioökologischen Umgebung auf die Verwendung von Signalen zu bestimmen. Drittens werden die Bonobo-Daten mit entsprechenden Daten anderer Menschenaffenarten (Schimpansen, Gorillas und Orang-Utans) verglichen, um artspezifische Kommunikationsstile zu identifizieren.

Um Daten von einer ausreichenden Anzahl von Individuen zu erheben, kooperieren wir mit dem Kokolopori Bonobo Research Project in der Demokratischen Republik Kongo und der Wilhelma Stuttgart. Zusätzlich wird das Projekt durch bereits erhobene Daten aus dem Vallée des Singes (Frankreich) ergänzt. Zusammengenommen tragen die gewonnenen Erkenntnisse zu einem besseren Verständnis der Evolution der Primatenkommunikation sowie der kognitiven Grundlagen der menschlichen Sprache bei.


Diese Studie wird von Dr. Mawa Dafrevillein Zusammenarbeit mit Dr. Martin Surbeck (Harvard University), Dr. Raphaela Heesen (Universität Konstanz), und Kerstin Ludmann (Wilhelma Stuttgart) durchgeführt. Das Projekt ist Teil des Forschungsvorhabens Pathways to Language, das durch ein Freigeist-Fellowship der VolkswagenStiftung an Dr. Marlen Fröhlich gefördert wird.