Was verrät dieser kleine Text über Plinius und was über Plumier? Plinius der Ältere (ca. 23-79 n. Chr.) wird hier als Römer aus der norditalienischen Stadt Verona (Veronensis) und nicht als Einwohner der benachbarten Kleinstadt Como vorgestellt. In diesem Detail spiegelt sich eine frühneuzeitliche Diskussion um die Herkunft des römischen Naturforschers wider. Auch der Werktitel Historia Mundi, „Weltkunde“, ist ein Produkt der Frühen Neuzeit; Plinius selbst hatte sein Werk „Naturkunde“, Historia Naturalis getauft.
Am Ende seines Lebens war Plinius Oberkommandant der römischen Flotte. Derjenige Flottenteil, der in Misenum bei Neapel stationiert war, unterstand ihm direkt. Als der Vesuvausbruch im Sommer 79 n. Chr. begann, eilte Plinius quer durch die Bucht von Neapel per Schiff dorthin, um Hilfe zu leisten und das Naturphänomen aus nächster Nähe zu beobachten. Er kam bei diesem Unternehmen ums Leben (incendium Vesuvii misere periit). So berichtet es sein Neffe, Plinius der Jüngere, in einem einige Jahre später verfassten Brief an den Historiker Tacitus (Plin. Epistulae VI, 16). Plumiers Text vermittelt den Eindruck, dass er genau diese berühmte Beschreibung vor Augen hatte, denn er zitiert die Formulierung des jüngeren Plinius (Plumier: Miseni Classem imperio regens; Plinius: Erat Miseni, classemque imperio praesens regebat, „Er befand sich in Miseno und befehligte die Flotte persönlich“).
Plinius Naturkunde behandelt in insgesamt 37 Büchern viele Themen aus Astronomie, Geographie, Anthropologie, Zoologie, Medizin, und Mineralogie, vor allem aber auch aus der Botanik. Plumier beruft sich auf den bekannten Botaniker Conrad Gessner (1516-1565) und identifiziert mit ihm die Bücher 12-27 des Plinius als im engeren Sinne botanische Bücher. Plinius' Beitrag zur Botanik bestehe darin, dass er Informationen über verschiedene Pflanzenarten (de stirpibus) gesammelt und diese aus philosophischer, historischer, medizinischer, praktischer usw. Sicht behandelt habe (philosophice, historice, medice, rustice, etc.). Er macht damit deutlich, dass das Studium der Natur nicht nur die botanische Beschreibung der Pflanzen umfasse, sondern auch die Darstellung ihrer Verwendung und Bedeutung für den Menschen im Laufe der Geschichte. Interessant ist die Verwendung des Wortes stirps, der vier Hauptbedeutungen hat: Es kann sich auf Pflanzen, insbesondere Sträucher, beziehen, aber auch auf einen bestimmten Teil der Pflanze, nämlich den unteren Teil (Stamm und Wurzeln) oder die Sprosse; schließlich hat er auch die allgemeine Bedeutung von Stammbaum, Nachkommenschaft, Herkunft. Plinius hat sich also nicht nur mit Pflanzen beschäftigt, sondern auch deren einzelne Teile, insbesondere die Wurzeln und Sprosse, sowie die Herkunft der Pflanzen untersucht.
Der Name Plinia, den Plumier gewählt hatte, um seinen europäischen Lesern die neue amerikanische Pflanze vorzustellen und zugleich die Erinnerung an einen bedeutenden Naturforscher der Antike zu ehren, sollte dank einiger späterer Botaniker, die Plumiers Nomenklatur folgten, langfristig Erfolg haben.