Institut für Erziehungswissenschaft

Vortragsreihe Kitas an der Uni 2026

Eine Kooperation des Instituts für Erziehungswissenschaft (IfE) mit dem Fortbildungsverbund und der Mathilde-Weber-Schule Tübingen

Kontakt IfE: Dr. Gabriele Müller

Die Vortragsreihe Kitas an der Uni ist eine Kooperation des Instituts für Erziehungswissenschaft (IfE) der Universität Tübingen mit dem Fortbildungsverbund Tübingen (Fachabteilungen Kita der Stadt, des Landkreises und des evangelischen Kirchenbezirks Tübingen sowie der Mathilde-Weberschule Tübingen). Mit der Idee, ein Forum der Begegnung und des Dialogs zwischen Fachpraxis und wissenschaftlicher Theoriebildung zu etablieren, werden in diesem Rahmen seit 2013 Vorträge zu zentralen Fragestellungen der Pädagogik der Kindheit angeboten. Wissenschaftler*innen geben interessante Einblicke in aktuelle Forschungsprojekte, der gemeinsame Dialog orientiert sich an Fragen zur Bedeutung der Erkenntnisse für die Handlungspraxis. 

Die Veranstaltungsreihe wendet sich an frühpädagogische Fachkräfte aller Träger sowie an Vertretungen auf Trägerebene, an Akteure der Qualifizierungen im Feld der Pädagogik der Kindheit, an Tagespflegepersonen, an Studierende der erziehungswissenschaftlichen Bachelor- und Masterstudiengänge und des Lehramts an beruflichen Schulen/Sozialpädagogik sowie an die interessierte Öffentlichkeit.

Die Reihe 2026 steht unter dem Leitthema „Welterfahrungen von Kindern in der KiTa“.
Die Beiträge beleuchten eine Auswahl an möglichen Welterfahrungen von Kindern im institutionellen Kontext frühkindlicher Bildung. Im Fokus stehen Forschungsarbeiten und Fragen, die sich damit befassen, wie Kinder ihre Um-welt wahrnehmen, interpretieren und aktiv gestalten bzw. wie die professionellen Erwachsenen die Erfahrungen von Kindern aufnehmen und deuten. Ziel ist es, ein vertieftes Verständnis für und auf kindliche Perspektiven zu erlangen und die Bedeutung dessen für den pädagogischen Alltag zu diskutieren.

Termine: Immer montags jeweils 16-18 Uhr (Achtung neue Uhrzeit!)
Ort: Institut für Erziehungswissenschaft, Saal Alte Aula, Münzgasse 30

Achtung: Der Vortrag von Claudine Kirsch am 11.05.2026 findet ausnahmsweise im Raum 113 am Institut für Erziehungswissenschaft statt! (Wird am Tag ausgeschildert)
Alle Vorträge im Sommersemester 2026 zum Download.

Vorträge im Sommersemester 2026

Welterfahrungen von Kindern in der KiTa

04. Mai 2026

Prof. i.R. Dr. Susanne Viernickel, Universität Leipzig

Wie Kinder ihre Kita erleben – und was sie sich wünschen
Ort: Alte Aula, Münzgasse 30, Veranstaltungssaal EG

Nehmen Eltern ein familienergänzendes Betreuungsangebot in Anspruch, so wird die Kita zu einem selbstverständlichen, gleichwohl bedeutsamen Bestandteil des Alltags ihres Kindes. Um besser zu verstehen, welche Erfahrungen Kinder in der Lebenswelt Kita machen, wie sie Abläufe, Räume, Interaktionen und Beziehungen erleben, wird in der Forschung zunehmend nach Wegen gesucht, die Perspektive der Kinder selbst einzubeziehen. Im Kontext partizipativer Qualitätsentwicklung wird zusätzlich die Frage virulent, wie sich Kinder ihre Kita wünschen, welche Bedarfe und Bedürfnisse sie äußern und welche Ansprüche sie an eine „gute Kita“ stellen.
Im Vortrag werden Befunde aus dieser noch recht jungen „Kinderperspektivenforschung“ vorgestellt, ihr Erkenntnispotenzial reflektiert und methodische als auch forschungs-ethische Herausforderungen aufgezeigt.

Zur Person
Prof. i.R. Dr. Susanne Viernickel ist Diplom-Pädagogin. Sie forschte und lehrte Pädagogik der frühen Kindheit in Gießen, Koblenz, Berlin und zuletzt an der Universität Leipzig. Ihre wissenschaftlichen Schwerpunkte sind frühe Bildungsprozesse, Qualitätsentwicklung und integrierte Bildungs- und Gesundheitsförderung in Institutionen der Kindheits-pädagogik sowie Professionalisierung kindheitspädagogischer Fachkräfte. Aktuell forscht sie zu Einflüssen auf das Wohlbefinden von Krippenkindern und entwickelt mit ihren Teams einschlägige Praxismaterialien.

Hier können Sie sich die Vortragsfolien von Susanne Viernickel herunterladen.

11. Mai 2026

Prof. Dr. Claudine Kirsch, Universität Luxemburg

Kindliche Erfahrungswelten als Ressource pädagogischen Handelns: Literacy Praktiken einer Kita aus Luxemburg
Ort: Institut für Erziehungswissenschaft, Münzgasse 22-30 Raum 113!

Lernen ist ein aktiver Prozess der Wissenskonstruktion, bei dem Kinder neue Informationen nicht isoliert aufnehmen, sondern sie in bereits vorhandene Wissensbestände integrieren und kognitive Strukturen erweitern und umorganisieren. Die bisherigen Erfahrungen der Kinder sind daher von zentraler Bedeutung für Erzieher*innen in Kitas. In diesem Vortag gehen wir den Fragen nach, wie Erzieher*innen diese Ressourcen von dreijährigen Kindern erfahren und wie sie diese im pädagogischen Alltag aufgreifen können. Als Grundlage dienen Beispiele aus der Kita Earth (Pseudonym) in Luxemburg, in der unser Forschungsteam ein Jahr lang Erzieher*innen, Kinder und deren Eltern beobachtet und interviewt hat.
Etwa ein Fünftel der Kinder in Luxemburg werden im Ausland geboren und zwei Drittel wachsen mehrsprachig auf. Viele Kinder begegnen der luxemburgischen Sprache erstmals in einer Kita. Eine enge Zusammenarbeit mit den Eltern, ein flexibler Sprachgebrauch sowie eine inklusive Haltung der Erzieher*innen sind entscheidend, damit sich Kindern wohl fühlen und ihre Potenziale entfalten können. Die Analyse von Literacy Aktivitäten in der Kita Earth verdeutlicht, wie die Erzieher*innen einerseits Eltern einbin-den, um die kindlichen Erfahrungen außerhalb der Kita in die Institution einfließen zu lassen und andererseits, wie sie Lieder und Bücher nutzen, die eng mit alltäglichen pädagogischen Routinen und Waldaktivitäten zusammenhängen, um Kindern zum Erzählen anzuspornen und ihr Verständnis zu erweitern. Die Beispiele dieser vorbildlichen und wahrscheinlich nicht repräsentativen Kita regen zum Reflektieren an.

Zur Person
Claudine Kirsch ist Professorin für Didaktik der Sprachen und Lese- und Schreibkompetenzen an der Fakultät für Geistes-, Bildungs- und Sozialwissenschaften der Universität Luxemburg und Mitglied des Instituts für Mehrsprachigkeit (MLing). Sie ist spezialisiert auf Sprachenlernen und -unterricht, Mehrsprachigkeit und frühkindliche Bildung. Ihre Forschungsinteressen umfassen das Erlernen und Lehren von Fremd-/Zweitsprachen, mehrsprachige Pädagogik, Translanguaging, Mehrsprachigkeit, familiäre Sprachpolitiken, frühe Kindheit und Sprachlernstrategien.

Hier können Sie sich die Vortragsfolien von Claudine Kirsch herunterladen.

15. Juni 2026

Prof. Dr. phil. Alexander Scheidt, Hochschule Bielefeld

Nachdenkdialoge mit Kindern: Vom Warum-Fragen zum gemeinsamen Philosophieren
Ort: Alte Aula, Münzgasse 30, Veranstaltungssaal EG

In der frühen Kindheit ist das „Warum?“-Fragen besonders ausgeprägt. Es gibt eine regelrechte „Aha!“-Phase, in der Kinder ihre Bezugspersonen immer wieder zum Erklären auffordern. Oft ist die Antwort Ausgangspunkt für die nächste Warum-Frage, und dieses Hin und Her geht so lange weiter, bis die Befragten mit ihrem Wissen nicht mehr weiterkommen und schließlich sagen: „Das ist einfach so!“
Doch die Warum-Fragen und die frühkindliche Neugier sind nicht nur ein Spiel oder eine Einladung zum Dialog. An ihnen lässt sich auch sehr gut erkennen, wie menschliche Vernunft überhaupt funktioniert. Schon in der frühesten Kindheit suchen wir aktiv nach logischen Strukturen und kausalen Zusammenhängen. Die kindliche Neugier spiegelt so den Grundimpuls aller Erkenntnis wider: die Verwunderung über die Welt und den Wunsch, sie zu verstehen. Nachdenkdialoge in Kita und Familie sind deshalb von beson-derer Bedeutung für die kognitive und sprachliche Entwicklung.
Der Vortrag zeigt anhand praktischer Beispiele, wie Kinder mit ihren Warum-Fragen Gespräche initiieren und wie Erwachsene diese Impulse aufgreifen und gemeinsam mit den Kindern weiterführen können. Dabei wird deutlich: Wenn Erwachsene sich bewusst Zeit für Nachdenkgespräche mit Kindern nehmen, profitieren beide Seiten. Gemein-sames Nachdenken, Forschen und Philosophieren erweitert nicht nur den eigenen Horizont, sondern schafft auch ein tieferes Verständnis zwischen Kindern und Erwachsenen.

Zur Person
Alexander Scheidt ist Professor für Erziehungswissenschaft mit dem Schwerpunkt Beratung, Qualitätsentwicklung und Organisation an der Hochschule Bielefeld (HSBI) und Autor des Buches „Warum? Kinder erklären sich die Welt. Philosophische Nachdenkgespräche im Kindergarten“ (Bananenblau Verlag: Berlin, 2011). Alexander Scheidt verfügt über eine langjährige Erfahrung in der pädagogischen Praxis und arbeitet seit 2008 als Fortbildungsdozent für pädagogische Fachkräfte zu den Themen „Philosophieren mit Kindern“, „Naturwissenschaftliche Bildung“ und „Sprachliche Bildung“.
Scheidt, A. (2011). Warum? Kinder erklären sich die Welt. Philosophische Nachdenkgespräche im Kindergarten. Berlin: Bananenblau-Verlag.
Scheidt, A. & Stollreiter, E. (2015). Philosophieren mit Kindern. KiTa-Fachtexte. Verfügbar unter http://www.kita-fachtexte.de/uploads/media/KiTaFT_ScheidtStollreiter_PHI-LOSOPHIEREN-2015.pdf
Scheidt, A. (2024). Warum-Frage und Typentheorie der Erklärung. Wie Neugier das wissenschaftliche Denken formt. Transcript: https://chooser.crossref.org/?doi=10.1515%2F9783839465127

13. Juli 2026

Prof. Dr. Oktay Bilgi, Alanus Hochschule Alfter (Bonn)

Trauer, Hoffnung und Verbundenheit in Zeiten der Klimakrise. Frühkindliche Wege des Lernens und Lebens in einer verletzlichen Welt.
Ort: Alte Aula, Münzgasse 30, Veranstaltungssaal EG

In einer Zeit, in der wir zunehmend begreifen, dass wir auf einem beschädigten Planeten leben, stehen wir vor tiefgreifenden Herausforderungen. Auf der UN-Weltklimakon-ferenz 2025 in Belém, im unmittelbaren Einflussraum des Amazonas, ringt die Staatengemeinschaft um Zukunftsfragen gegenwärtiger und kommender Generationen. Der Verlust der Biodiversität, massive ökologische Zerstörungen, soziale Ungleichheiten und Fluchtmigration zeigen das Ausmaß der planetaren Krisen. Auch in Mitteleuropa werden ihre Folgen spürbar sein: Flutereignisse wie im Ahrtal, extremere Stürme und anhaltende Dürreperioden werden das Leben nachwachsender Generationen weit stärker prägen.
Oktay Bilgi befasst sich in seinem Vortrag mit den Herausforderungen und Aufgaben angesichts existenzieller Krisen im Kontext von Kitas. Wie können Bildung, Erziehung und Care (Für-Sorge) in Krisenzeiten neu gedacht werden? Am Beispiel empirischer Untersuchungen zu Mensch-Tier-Beziehungen in der frühen Kindheit eröffnet der Vortrag alternative Perspektiven auf Resilienz, Sinnfindung und Miteinanderleben auf einem verletzlichen Planeten. Eine Pädagogik in Krisenzeiten, so der zentrale Gedanke, setzt bei der Betrauerbarkeit des gefährdeten Lebens an. Dies eröffnet ein erweitertes Verständnis dafür, wie wir wahrnehmen, füreinander sorgen und uns mit dem Lebendigen verbunden fühlen. So können nachwachsende Generationen trotz realer Gefahren darin unterstützt werden, Sinn im Leben zu finden und Hoffnung für die Zukunft zu entwi-ckeln.
Zur Person
Oktay Bilgi ist Professor für Kindheitspädagogik an der Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft. Seine Fachgebiete sind Erziehungswissenschaft, Kindheitspädagogik, Kunst- und Waldorfpädagogik/ Fachbereich Bildungswissenschaft. Seine Forschungsschwerpunkte liegen in den Bereichen: Kindheitspädagogische Theoriebildung im Kon-text gesellschaftlichen Wandels, Pädagogische Anthropologie, Phänomenologie und Neumaterialismus, Kulturelle Bildung und Erziehung, Multispeziesforschung unter besonderer Berücksichtigung ethisch-ökologischer Fragen zu Care, Conviviality sowie Nachhaltigkeitsbildung in Kitas.