1877
Die nächste Ausgabe erscheint „in den Jubiläumstagen 1877“ und ist eine Festgabe für Stadt und Universität des Tübinger Verlegers Fues zum 400. Universitätsjubiläum. Im Vorwort ist die Rede von einem „ersten Versuche, das Zickzack von Straßen“ ordnen zu wollen. Mittlerweile werden Häuser je Straße nummeriert. Im Adreßbuch ist nun auch eine Liste sämtlicher Wohnhäuser und deren Bewohnern enthalten, alphabetisch nach Straßen und Hausnummern sortiert. Nur in diesem einen Band werden zusätzlich die Namen aller 1103 Studierenden verzeichnet, getrennt nach Studienfach und nach Württembergern und Nicht-Württembergern. Man erfährt auch, bei welcher Tübinger Familie sie ihre „Bude“ haben. Zum Beispiel Paul Reitmaier aus Hall und Gustav Torelius aus Skara in Schweden wohnen zur Untermiete bei Frida Beytenmüller in der Collegiumsgasse 4. Fräulein Beytenmüller ist ledig und von Beruf Französischlehrerin.
Ein Streiflicht auf das soziale Leben wirft die Liste der Vereine. Außer der Museumsgesellschaft und verschiedenen Musik- und Gesangsvereinen werden u.a. auch ein Gewerbeverein und ein Verschönerungsverein genannt, sowie der Verein für Unterstützung armer Reisender und der Leichenkassenverein der Feuerwehr.
1886
Dem „Adreß- und Geschäfts-Handbuch der Oberamts- und Universitäts-Stadt Tübingen“ ist ein Übersichtsplan beigegeben, und der Verlag hat gewechselt, was im Erscheinungsverlauf häufiger passiert. Neu ist ein mehrseitiger „Inseraten-Anhang“ auf farbigem Papier mit der Werbung Tübinger Betriebe.
1889
Seit der Ausgabe 1889 wird die Lage der Straßen, ihr Beginn und ihre Mündung, angegeben. Beispielsweise die Kepplerstraße, so ist zu lesen, „beginnt bei Gebäude Nr. 17 der Wilhelmstraße, kreuzt die Nauklerstraße und endigt in der projektierten Hölderlinstraße“.
1889 endete die Hölderlinstraße an der Gmelinstraße, der Teil zwischen Gmelinstraße und Keplerstraße war noch nicht gebaut. Die Hauseigentümer sind mit einem Sternchen (*) kenntlich gemacht und bei jedem Bewohner ist die Etage bzw. P für Parterre oder Hhs. für Hinterhaus angegeben.
Frida Beytenmüller wohnt mittlerweile in der Kronenstraße 11 im 3. Stock. Das Haus gehört dem Konditor Karl Brintzinger, der im Parterre und 1. Stock seine Wohnung hat. Im 2. Stock wohnt der Handlungsreisende Anton Ehing.
Im Verzeichnis der Gewerbetreibenden geben die Ärzte ihre Sprechstunden an. Professor Liebermeister hat Sprechstunde von 2-3 Uhr in seiner Privatwohnung in der Hölderlinstr. 12, aber donnerstags und sonntags nicht.
1891
Die Ausgabe 1891 ist erweitert um den Teil „Fremdenführer“, der auf sehenswürdige Gebäude und Denkmäler aufmerksam macht und lohnenswerte Spaziergänge in Tübingen und Ausflüge in die nähere Umgebung vorschlägt.
1894
Die „Kurze Stadt-Chronik“ erscheint erstmals im Tübinger Adreßbuch. Stichwortartig werden Ereignisse aus der Stadtgeschichte genannt, hier eine Auswahl:
- 1280: 9. Juli. Großer Brand in der unteren Stadt, 150 Gebäude
- 1388: Erstes erhaltenes Stadtrecht. Original auf dem Rathaus
- 1435: Erbauung des Rathauses auf dem jetzigen Marktplatz statt des alten in der unteren Stadt
- 1578: Erste Jubiläumsfeier der Universität nachgeholt
- 1635: Großes Sterben
- …
- 1892: Telephon
1898
Tübingen hat 14.000 Einwohner und 139 Telefonanschlüsse. Im Adressbuch wird daher ein „Verzeichnis der Teilnehmer an der hiesigen Telephon-Anstalt“ veröffentlicht.
Im Namensteil des Adressbuchs wird vor der Telefonnummer ein Telefonhörer abgebildet.