Institut für Erziehungswissenschaft

Zwei Fallbeispiele für Praxisfelder

Öffentlicher Kontext der Erwachsenenbildung

Herr Wolf ist Fachbereichsleiter bei einem Weiterbildungsanbieter (z. B. Volkshochschule, Bildungsakademie oder privatem Weiterbildungsinstitut). Er koordiniert das Sprachkursangebot, das von rund 30 Lehrkräften durchgeführt wird. Aufgrund der hohen Heterogenität der Teilnehmenden berichten die Lehrenden zunehmend von Herausforderungen in ihren Kursen – sowohl auf fachlicher als auch auf sozialer Ebene.
Herr Wolf möchte seine Lehrenden unterstützen und gleichzeitig zur Qualitätssicherung des Kursangebots beitragen. Um fundierte Entscheidungen treffen zu können, plant er zunächst eine Befragung der Lehrenden, um kursübergreifende Problemlagen zu identifizieren. Ergänzend erwägt er Hospitationen in einzelnen Kursen, um bei Bedarf individuelles Coaching anzubieten.
Auf Grundlage dieser Bestandsaufnahme möchte er prüfen, ob ein passendes Train-the-Trainer-Angebot des Volkshochschulverbands für seine Lehrenden geeignet ist oder ob ein eigenes Fortbildungsangebot entwickelt werden sollte. Dabei ist ihm wichtig, dass sich die Investition durch einen spürbaren praktischen Nutzen für die Lehrenden auszahlt und so die Qualität des Sprachkursangebots verbessert. Daher soll die Fortbildung begleitend hinsichtlich ihrer Akzeptanz und Wirkung evaluiert werden.

Privatwirtschaftlicher Kontext der Weiterbildung

Angesichts der steigenden Anforderungen durch Digitalisierung und organisatorische Transformation stehen Unternehmen aktuell vor der Herausforderung, Führungskräfte und Teams schnell an neue Arbeitsweisen und digitale Tools anzupassen. 
Frau Müller, Personalreferentin bei einem mittelständigen Unternehmen in der Automobilbranche, verantwortet mit Blick auf den zunehmenden (digitalen) Transformationsbedarf die Planung und Umsetzung von Personalentwicklungs- und Coachingmaßnahmen zur Potenzialentfaltung der Mitarbeitenden. 
Sie erhebt den Entwicklungsbedarf durch Mitarbeiterbefragungen, strukturierte Interviews mit Führungskräften und die Auswertung von Kennzahlen. Auf Basis der Ergebnisse entwickelt sie zielgruppenspezifische Konzepte, die neben fachlichen und digitalen Kompetenzen auch kultur- und strukturbezogene Aspekte adressieren, wie abteilungsübergreifende Zusammenarbeit, agile Arbeitsmethoden und Führung in Veränderungsprozessen. Sie begleitet die Umsetzung, steuert externe Coaches und stellt sicher, dass die Maßnahmen die Unternehmenskultur stärken und strukturelle Veränderungen unterstützen. Die Wirksamkeit überprüft Frau Müller kontinuierlich durch Evaluationen, deren Ergebnisse in die Weiterentwicklung der Programme einfließen, um nachhaltige Lernprozesse und die strategischen Transformationsziele des Unternehmens zu sichern.

Relevanz der Fallbeispiele für den Masterstudiengang

Bei diesen fiktiven Beispielen werden vielfältige Aspekte der Förderung von Kompetenzen und Qualitätssicherung des Angebots deutlich, die Bedarfserhebungen, Diagnostik, Hospitationen, Beratung und Entwicklungsaufgaben sowie die Evaluation und Qualitätssicherung von Kursen und Lernräumen betreffen und tagtäglich in der Praxis der Erwachsenenbildung/Weiterbildung Thema sind. Mit all diesen Aufgaben, die mit der Erhebung von Ist- und Sollzuständen sowie der Konzeption, Durchführung und Erfolgskontrolle von Maßnahmen der Entwicklung von einzelnen Personen, Teams, Bereichen und Organisationen in Verbindung stehen, beschäftigt sich der Masterstudiengang Erwachsenenbildung/Weiterbildung. 

Im Rahmen Ihres Studienprojekts können Sie sich eigenständig solchen Aspekten widmen und eine selbst gewählte Fragestellung zur Evaluation oder Konzeption für einen konkreten Weiterbildungsanbieter als Projekt bearbeiten. Dabei können Sie auf unsere vielfältigen Kooperationen mit Unternehmen, Dienstleistunganbietern und Non-Profit-Organisationen zurückgreifen.