Juristische Fakultät

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Berichte über den Moot Court in vergangenen Jahren

11. Moot Court 2018

May it please the Court!

Beim XI. International Roman Law Moot Court hatten wir die Ehre, die Universität Tübingen vertreten zu dürfen. Wir, das sind Konstantin Schönleber und Jessica Herrmann als Klägervertreter, Lisa Sägebarth und Jonathan Keinert als Beklagtenvertreter.

Bevor wir aber am Rednerpult in Liège standen, um uns endlich mit den anderen sieben namhaften Universitäten aus ganz Europa zu messen (Athen, Cambridge, Liège, Neapel, Oxford, Trier, Wien), lag ein langer Weg vor uns. Unsere Aufgabe war klar: Wir mussten für die Vertretung der Protagonisten unseres Sachverhalts (Tullianus, Gregorius und Hermogenianus) Plädoyers kreieren, die diesen zu ihrem Recht verhelfen sollten. Unser Fall trug sich 537 n. Chr. in Zentralitalien zu. Selbstverständlich hatten wir daher römisches Recht anzuwenden. Der erste Schritt unserer Arbeit bestand also darin, das Corpus Iuris Civilis  nach einschlägigen Regeln für die erhobenen actiones zu durchforsten - zum einen für die rei vindicatio, zum anderen für die (äußerst verwirrend titulierte) actio de incendio ruina naufragio rate nave expugnata. Hieraus bastelten wir dann nach und nach unsere Argumente, wobei wir uns unter anderem mit der Natur von Hausschwein-Wildschwein-Mischlingen (sogenannten Sanglochons), deren animus revertendi (haben Schweine überhaupt einen Willen?) und der Frage, ob ein Einbrecher Eigentum an Schweinen erwirbt, welche er vor dem sicheren Feuertod rettet, beschäftigten.

Nachdem wir den Bösewicht des Falls in einen Engel verwandelt und einen römischen Staatsbürger zum Feinde Roms erklärt hatten, waren unsere Plädoyers präsentationsreif. Nun folgten unsere neun Probeverhandlungen (mock trials), bei denen wir zwischen einzustudierenden Phrasen und der richtigen Krawattenwahl unsere rhetorischen Fähigkeiten auf ein Niveau brachten, das einem römischen Gerichtsprozess würdig ist. Dank der Hilfe Professor Finkenauers, unseres Coachs Sebastian Schneider und der zahlreichen anderen Proberichter erlangten unsere Plädoyers den Feinschliff, sodass wir uns schließlich bestens vorbereitet auf den Weg Richtung Belgien machten. Begleitet wurden wir von Sebastian Schneider und Andreas Herrmann, welcher den leider verhinderten Professor Finkenauer vertrat.

Der gastgebende Professor Gerkens hatte keine Mühen gescheut, um diesen Trip unvergesslich werden zu lassen. Untergebracht waren wir in einem ehemaligen Kloster, welches in ein Tagungszentrum umgewandelt worden war. Dementsprechend war die dort früher herrschende asketische Lebensweise Geschichte: üppige Mahlzeiten (ja, sogar Kässpätzle!) und vorzüglicher Wein versüßten uns die Tage. Beim Wettbewerb selbst wurden die acht Teams in zwei Gruppen eingeteilt: Wir mussten uns Liège, Trier und Cambridge entgegenstellen – leider ohne Erfolg. Denkbar knapp schieden wir als Gruppendritter aus. Im Finale, welches am nächsten Tag im salle académique an der Uni Liège ausgetragen wurde, setzte sich Oxford gegen die Gastgeber durch. Athen wurde Dritter, vor Cambridge.

Die Enttäuschung über unser frühes Ausscheiden hielt jedoch nicht lange an, uns wurde einfach zu viel geboten: So wurden wir nach dem Finale im Rathaus von Liège zum Mittagessen empfangen, bekamen eine Stadtführung und hatten das Privileg, das eigentlich für Touristen nicht zugängliche monument interallié besichtigen zu dürfen. Zurück in unserer Unterkunft hatten wir kaum Zeit, uns in Schale zu werfen – denn an diesem Abend stand das Gala-Dinner an. Nachdem wir mit einem 5-Gänge-Menü verwöhnt worden waren, war die Siegerehrung an der Reihe. Und, siehe da, doch ein Titel für Tübingen: Konstantin Schönleber wurde als zweitbester Redner ausgezeichnet! Der letzte Tag gipfelte nach Besuchen des Parlaments der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgien und eines Schokoladenmuseums im farewell dinner. Der Höhepunkt des Abends war die Talentshow, über deren Inhalt wir jedoch lieber schweigen.

Nach dreieinhalb Monaten Vorbereitung und vier ereignisreichen Tagen können wir folgendes Fazit ziehen: Der Einsatz war groß, doch der Gewinn war bei weitem größer. Zum einen ist da die Verbesserung persönlicher Fähigkeiten, wie des selbstbewussten Auftretens, der Rhetorik und der juristischen Schärfe. Zum anderen haben wir Erfahrungen gesammelt, die wir nie vergessen werden: Gespräche mit Juristen aus ganz Europa und der Welt, ein Belgien, das sich von seiner besten Seite präsentiert hat, und allem voran der Gewinn zahlreicher Freunde – die es jetzt zu besuchen gilt!

10. Moot Court 2017

Tübinger Team verteidigt Titel

10th  INTERNATIONAL ROMAN LAW MOOT COURT

Beim diesjährigen International Roman Law Moot Court, der vom 4. bis 7. April 2017 in Trier stattfand, gelang dem Tübinger Team eine kleine Sensation: Die erstmalige erfolgreiche Titelverteidigung in der zehnjährigen Geschichte des Wettbewerbs. Das Team, das aus Philipp Haußer, Doreen Emde, Armin Hesselschwerdt und Svenja Haussmann bestand, sah sich hohen Erwartungen ausgesetzt, hatte doch das Tübinger Team bereits beim letzten Moot Court 2016 in Wien den ersten Platz geholt.

Diesen Erwartungen wurden die Studierenden, die als Anwälte in einem fiktiven justinianischen Zivilprozess gegen die Teams der Universitäten Athen, Cambridge, Liège, Neapel, Oxford, Wien und der gastgebenden Universität Trier antraten und auf Englisch plädierten, gerecht: Sie konnten die Vorrunden gegen die Teams aus Athen, Neapel und Liège klar für sich entscheiden und zogen als Gruppenerste in das Halbfinale ein. Wichtig war dabei nicht nur souveränes Auftreten und rhetorisches Geschick, sondern auch detaillierte Kenntnis der rechtlichen Probleme des Falles: Es ging unter anderem um den deutschen Lehrbuchklassiker der Trierer Weinversteigerung, das aktuelle Problem des sogenannten „shill bidding“ bei Auktionen und den alten Konflikt zwischen dem erklärten letzten Willen einer Verstorbenen und der notwendigen Form eines Testaments. Die juristischen Aspekte des Falles wurden im Rahmen der Vorbereitung, die Mitte Januar begann, erarbeitet, das Auftreten vor Gericht wurde bei mehreren Probeverhandlungen mit den Betreuern des Teams, Prof. Dr. Thomas Finkenauer, M.A. und Sebastian Schneider, sowie mit ehemaligen Moot Court-Teilnehmern als Proberichterinnen und Proberichtern intensiv geübt.

Im Halbfinale trafen die Tübinger Klägervertreter Philipp Haußer und Doreen Emde dann auf die Beklagtenvertreter aus Oxford. Auch diese Verhandlung konnten die Tübinger für sich entscheiden, so dass sie am nächsten Tag im Finale wie im Jahr zuvor auf das Team aus Cambridge trafen. Das Finale, das im kurfürstlichen Palast stattfand, wurde dann noch einmal spannend: Zahlreich waren die kritischen Nachfragen der fünf Richter, denen sich vor allem Philipp Haußer als erster Klägervertreter ausgesetzt sah. Die beiden Beklagtenvertreter aus Cambridge konnten sich aber trotz ihres Vorteils als Muttersprachler gegen die profunde Argumentation von Doreen Emde als zweiter Klägervertreterin und gegen die rhetorischen Fähigkeiten, die Philipp Haußer im rebuttal, der Erwiderung der Kläger auf den Beklagtenvortrag, an den Tag legte, nicht durchsetzen.

Das Rahmenprogramm in der ältesten Stadt Deutschlands umfasste eine Führung durch die Altstadt, wobei gleichermaßen Sehenswürdigkeiten der antiken Augusta Treverorum wie auch der mittelalterlichen Stadt im Mittelpunkt standen. Beim abschließenden Dinner, bei dem ein Abendessen nach dem überlieferten römischen Kochbuch des Marcus Gavius Apicius serviert wurde, fand schließlich die Preisverleihung statt, bei der die Tübinger nicht nur den Siegerpreis erhielten, sondern außerdem Armin Hesselschwerdt als bester Redner des Wettbewerbes und Doreen Emde als drittbeste Rednerin ausgezeichnet wurden.

9. Moot Court 2016

Tübinger Team gewinnt Roman Law Moot Court

9th  INTERNATIONAL ROMAN LAW MOOT COURT

6th -9th April 2016, Vienna

Your Excellencies, esteemed colleagues,

may it please the court! Our names are Sima Samari and Susanne Renz for the plaintiffs and Karolin Dirscherl along with Adrian König for the defendants. We would like to explain how we managed to win the case.

In Wien erwarteten uns drei Tage, in denen zwei Fragen im Mittelpunkt standen: Wurden die Sklaven nun wirklich durch falschen Rechtsrat korrumpiert? Und durfte Jonas als krimineller Steuerhinterzieher von dubiosen Machenschaften im Rahmen einer Geschäftsführung ohne Auftrag profitieren?

Die Vorbereitungszeit hatte für die Mooter ihre Höhen und Tiefen – man traf sich schon morgens um 9:00 Uhr zwischen Büchertürmen und Laptops in der Bibliothek, um die Vorträge aufzusetzen, zu überarbeiten und sie einzustudieren. Auf Niederschläge folgten Phasen der Euphorie und auch der Nervosität vor den Probeverhandlungen, den insgesamt acht mock trials.

Am Tag unserer Ankunft in Wien machten wir uns auf, die Stadt zu erkunden und unsere Mitstreiter aus Oxford, Cambridge, Neapel, Athen, Trier, Wien und Liège kennen zu lernen. Die Vorrunden am nächsten Morgen im Juridicum in Wien konnten wir sämtlich für uns entscheiden! Als Punktesieger unserer Gruppe lag es nun an uns zu entscheiden, ob das Kläger- oder das Beklagtenteam im Halbfinale antreten sollte. Wir entschieden uns für unser Klägerteam: Susanne Renz und Sima Samari brachten uns mit zwei sicheren und überzeugenden Auftritten ins Finale.

Damit stand zugleich auch fest, dass unsere Beklagtenvertreter – Adrian König und Karolin Dirscherl – das Finale bestreiten würden. Die Aufregung stieg und ein letztes Briefing mit unseren Betreuern Herrn Prof. Dr. Finkenauer und Wiss. Ang. Sebastian Schneider sorgte für das nötige Selbstbewusstsein und eine gesunde Motivation für das Finale am kommenden Morgen.

Am nächsten Tag war es dann so weit: Alle Teilnehmer versammelten sich am Verfassungsgerichtshof in Wien, um dort zunächst den Kampf um den dritten Platz zwischen Liège und Oxford zu verfolgen, welchen Oxford auf Beklagtenseite für sich entscheiden konnte.

Nun waren wir an der Reihe, gegen die Kläger des Teams aus Cambridge anzutreten. Frau Dirscherl und Herr König schritten zur Tat, die Argumente der Kläger zu widerlegen und die Richter zu überzeugen. Letztere stellten knifflige Fragen: Frau Dirscherl wurde beinahe wegen Fälschung von Gesetzestexten zum Tode verurteilt und Herr König machte seinen Sekretär – den es nicht gab – für eine nicht vorgelegte Quelle verantwortlich.

Dennoch konnten wir uns im Finale gegen die Muttersprachler aus Cambridge klar durchsetzen und durften dies beim feierlichen Abschlussdinner am letzten Abend erfahren. Außerdem wurden Sima Samari und Karolin Dirscherl als beste bzw. drittbeste Rednerin des Moot Courts ausgezeichnet.

Mit vielen neuen Freunden, zahlreichen Erfahrungen, neugewonnener Selbstsicherheit und stolzer Brust kehrten wir dann am nächsten Morgen wieder nach Stuttgart zurück.

If we cannot be of any further assistance, we would like to close this years‘ case. We are looking forward to hearing the next team!

8. Moot Court 2015

8TH INTERNATIONAL ROMAN LAW MOOT COURT

15. April – 18. April 2015, Neapel

Nach jahrelanger mehr oder minder tyrannischer Herrschaft diverser Gotenkönige kehrt in Italien mit der Rückeroberung durch die Heerführer des oströmischen Kaisers Justinian im Jahr 554 n. Chr. wieder Ruhe und Ordnung ein. Zwei Jahre danach spielt der Fall des achten IRLM:

Als Eugenia, eine gut betuchte Römerin von senatorischem Stand, im Jahr 556 n. Chr. stirbt, hinterlässt sie zwei Dokumente, die die Verteilung ihrer Erbschaft regeln sollen. Zwar geht aus diesen Schriftstücken eindeutig ihr Wille hervor, von der Stadt Aequa und nicht von ihren gesetzlichen Erben beerbt zu werden. Jedoch wird die Erbeinsetzung der Stadt von Eugenias gesetzlichen Erben, ihren Cousins Ianuarius, Cyrus und Filumena, aufgrund mangelnder Beachtung von Formvorschriften bestritten – sie betrachten das Testament als unwirksam und erheben deshalb eine petitio hereditatis auf Herausgabe der Erbschaft gegen die Stadt Aequa.

Eugenias Erbe bleibt nicht das Einzige, über das nach ihrem Tod Streit entsteht: Der Gote Theobald, Eugenias Geliebter, bekam bereits knappe 20 Jahre zuvor von Vitiges, dem damals über Italien herrschenden Gotenkönig, ein Stück Land geschenkt und übereignet, welches zu jenem Zeitpunkt im Eigentum von Eugenia stand. Theobalds Bruder Wermund, der zu Lebzeiten Eugenias als deren Vermögensverwalter tätig war, sieht nun endlich die lang ersehnte Möglichkeit gekommen, seine Eifersucht zu rächen. Mit seiner rei vindicatio strebt Wermund die Feststellung an, dass Eugenia das Eigentum an dem Grundstück nie verloren hat und es deshalb von Theobald herauszugeben ist.

Im Hinblick auf den geschichtlichen Kontext drängten sich besonders die folgenden Fragen auf: Welches Recht ist anzuwenden? Finden die Wirren der Gotenkriege Berücksichtigung bei der Einhaltung der zahlreichen und strengen Formvorschriften, die beispielsweise für ein Testament von konstitutiver Bedeutung ist? Und: Welche Handlungen der gotischen Könige während ihrer Herrschaft in Italien werden später von den Römern anerkannt?

Dies alles beschäftigte im Rahmen des achten IRLM sowohl die Richter – darunter auch Professor Dr. Thomas Finkenauer und Sebastian Schneider von der Universität Tübingen – die nun über die hereditatis petitio und die rei vindicatio zu entscheiden hatten; als auch die beteiligten Parteien, vertreten von je vier Studenten aus Athen, Trier, Wien, Liège, Oxford, Cambridge, Neapel und Tübingen.

Das Tübinger Team – bestehend aus Tobias Bartek, Nina Haug, Andreas Herrmann und Pascal Panse – verfehlte nach Matches gegen Liège, Cambridge und Oxford leider knapp den Einzug ins Halbfinale. Die Verhandlungen wurden in einem Kastell in Vico Equense, einer Küstenstadt bei Neapel (ehem. Aequa), ausgetragen; das große und das kleine Finale fanden dann im angemessen antiken Ambiente der Ruinen von Pompeii statt – mit anschließender Führung. Aber auch außerhalb der Verhandlungen und der alten Kulturstätten hatte Neapel sehr viel zu bieten: strahlenden Sonnenschein, entspannte Atmosphäre, Museen und Kirchen voll von Kunst und Prunk vergangener Jahrhunderte, hilfsbereite, freundliche Leute, einen herrlichen Meerblick und die wohl leckerste Pizza, die wir je gegessen haben.

7. Moot Court 2014

7TH INTERNATIONAL ROMAN LAW MOOT COURT

5. April - 7. April 2014, Oxford

Plündernde Barbarenhorden fallen ins römische Reich ein, verwüsten weite Landstriche und erobern wichtige römische Städte. Kaiser Justinian versucht alles in seiner Macht Stehende, um die Feinde wieder aus Italien zu vertreiben, doch machen diese es ihm nicht leicht. Das ist der Hintergrund, vor dem der diesjährige Fall des 7th International Roman Law Moot Courts spielte, bei dem acht europäische Universitäten in Oxford gegeneinander antraten.

Man schreibt das Jahr 540 n. Chr. Ein kleines Dorf in Britannien, bewohnt von den Nachfahren römischer Soldaten und geschützt in einem großen undurchdringbaren Wald liegend, konnte sich vor der Invasion der Kelten retten. Als man in diesem Dorf erfährt, dass der römische Kaiser gerade erst Italien von den Goten zurückerobert hat, ist man darüber so erfreut, dass man sich sogleich von der Jurisdiktion der Kelten lossagt und sich zu einem Teil des römischen Reiches erklärt. Zur würdigen Feier dieses Ereignisses beauftragt Alfredus, ein hochgestellter Bürger des Dorfes, einen Freund in Rom, Bartolus, damit, vier Fässer guten Weins und die neueste Auflage des justinianischen Gesetzesbuches zu besorgen. Wegen zwielichtiger Geschäfte und der immer noch andauernden Kriegswirren in Italien erreichen letztlich nur dreieinhalb Fässer Wein das Britannische Dorf, wobei der Inhalt eines Fasses überdies sauer geworden ist. Von dem Gesetzbuch liefert Bartolus nur eine Ausgabe auf schäbigem Papyrus. Zu allem Überfluss behauptet Ferox, ein Bürger Roms, auch noch, dass der Silberbecher, den Alfredus Bartolus als Bezahlung geschickt hatte, in Wirklichkeit Eigentum seines verstorbenen Erbonkels sei, der im Krieg gegen die Goten gestorben sei.

Jede der acht Universitäten (Athen, Trier, Wien, Liege, Oxford, Cambridge, Neapel und Tübingen) entsandte jeweils vier Studenten, welche die Rollen der Anwälte der klagenden Römer übernahmen. Das Tübinger Team, bestehend aus Josefine Wolff, Felix Berner, Roberto Santoro und Fabio Pix, gewann im direkten Duell gegen die muttersprachlichen Teams aus Cambridge und Oxford und erzielte den 3. Platz. Nur den Gruppen aus Athen (2. Platz) und Wien (1. Platz) musste man sich knapp geschlagen geben. Dafür wurde aber die Tübinger Studentin Josefine Wolff aufgrund ihrer außergewöhnlichen rhetorischen Leistung mit dem Preis für die zweitbeste Einzelleistung als Rednerin ausgezeichnet.

Oxford erfreute mit allem, was es an Geschichte, Kunst und Architektur zu bieten hat. Die Gastfreundschaft der Veranstalter und die englische Küche, die in Oxford sehr viel besser ist als ihr Ruf, werden noch lange in Erinnerung bleiben. Besonders beeindruckend waren die Besichtigungen der alten Colleges, wo unter anderem Harry Potter verfilmt wurde und Alice im Wunderland entstand. Während der Veranstaltung ergab sich die Gelegenheit, viele neue internationale Kontakte zu knüpfen.

Ein herzlicher Dank geht an die Juristische Gesellschaft Tübingen e. V. für die gewährte finanzielle Unterstützung.

6. Moot Court 2013

6TH INTERNATIONAL ROMAN LAW MOOT COURT

7. April - 9. April 2013, Oxford

Nach seinen fünf Anfangsjahren in Griechenland fand der diesjährige Roman Law Moot Court erstmals in Oxford statt. Das Teilnehmerfeld setzte sich, wie in den Vorjahren, aus Teams der juristischen Fakultäten der Universitäten Athen, Cambridge, Liège, Neapel, Oxford, Trier, Tübingen und Wien zusammen. Auch dieses Jahr galt es für jedes der vierköpfigen Teams, das Gericht, welches sich aus Professoren und Mitarbeitern aller beteiligten Universitäten zusammensetzte, von der Richtigkeit der eigenen Rechtsposition zu überzeugen.

Verhandelt wurde eine Nachbarschaftsstreitigkeit: Um an das Grundstück seines Nachbarn zu kommen, hatte Ugolinus einen teuflischen Plan geschmiedet. Als die Gelegenheit günstig war, packte er sie beim Schopf und unterbrach heimlich die unterirdische Wasserzufuhr zu dem Nachbargrundstück. Der Nachbar Iohannes konnte die Ursache nicht erkennen. Als Landwirt war er aber auf das Wasser dringend angewiesen und versuchte verzweifelt, sich zu helfen. Zunächst mietete er von Ugolinus ein Maultier, um Wasser von dem weit entfernten Fluss heranzuschaffen. Leider brach das altersschwache Tier unter der großen Last zusammen und verendete. Danach nahm er bei Ugolinus ein Darlehen auf, um eine Zisterne auf seinem Grundstück zu bauen. Ugolinus, der wusste, dass auch eine Zisterne seinem Nachbarn nicht genügend Wasser liefern würde, verlangte als Sicherheit eine Hypothek an dem Grundstück. Er hoffte, sich letzten Endes des Grundstücks bemächtigen zu können. Erst als Iohannes kurz vor dem Ruin stand, kamen die Intrigen des bösen Nachbarn ans Tageslicht. Die Rechtsfragen, mit denen sich die Teilnehmer nun auseinander setzen mussten, lauteten:

  1. Kann Iohannes von Ugolinus mit einem interdictum de fonte verlangen, die Unterbrechung der Wasserzufuhr aufzuheben?
  2. Kann Iohannes Schadensersatz für sein ausgetrocknetes Grundstück und für seinen entgangen Gewinn mit einer actio damni iniuriae geltend machen?
  3. Kann Ugolinus mit einer actio quasi Serviana das Grundstück des Iohannes herausverlangen?
  4. Kann Ugolinus mit einer actio locati Wertersatz für das verstorbene Maultier fordern?

 

Die Aufgabe der Teilnehmer bestand darin, die Position ihrer jeweiligen Mandanten in englischer Sprache zu vertreten und deren Interessen geltend zu machen. Entscheidend waren dabei rhetorisches Geschick, ein vertieftes Wissen im römischen Recht, souveränes Auftreten vor Gericht, ausgezeichnete Englischkenntnisse und die Fähigkeit zum Zeitmanagement.

Das Tübinger Team, bestehend aus Manuel Bahmann, Alexander Koch, Dennis Rein und Guo Li Tang, sah sich gut vorbereiteten Teams aus Liège, Oxford und Wien gegenüber. Den Halbfinaleinzug verpasste man trotz durchwegs guter Einzelleistungen knapp. Schlussendlich konnte sich das Team aus Athen verdient gegen Oxford im Finale durchsetzen.

Oxford, the city of dreaming spires, hatte den Teilnehmern auch neben dem Wettkampf einiges zu bieten. Es boten sich faszinierende Einblicke in die altehrwürdigen Colleges sowie in die imposante Christ Church Cathedral. Nicht zuletzt rundeten die festlichen Abendessen in der Great Hall im Christ Church College und in All Souls den Aufenthalt in gelungener Weise ab.

Ein herzlicher Dank geht an die Juristische Gesellschaft Tübingen e. V. für die gewährte finanzielle Unterstützung.

5. Moot Court 2012

5TH INTERNATIONAL ROMAN LAW

MOOT COURT & CONFERENCE

29. März - 2. April 2012
Colonia Augusta Iulia Philippensis
(Kavala – Griechenland)

Tübinger Student drittbester Redner

Beim diesjährigen 5th International Roman Law Moot Court lieferten sich Teams aus acht europäischen Universitäten einen sicherlich einzigartigen Wettbewerb. Die je vier Teilnehmer der beteiligten Universitäten Oxford, Cambridge, Athen, Neapel, Liège, Wien, Trier und Tübingen traten jeweils zu zweit als Kläger- und Beklagtenvertreter auf. Dabei mussten sie vor einem Gericht, bestehend aus Professoren der beteiligten Universitäten –  darunter Professor Dr. Thomas Finkenauer als Tübinger Vertreter des römischen Rechts  –, in ihren Plädoyers nicht nur profundes Wissen im römischen Recht, sondern auch rhetorisches Geschick, souveränes Zeitmanagement, perfektes Auftreten vor Gericht und nicht zuletzt auch herausragende Englischkenntnisse unter Beweis stellen, da der gesamte Wettbewerb in englischer Sprache stattfand. Dass Englisch als Muttersprache dabei jedoch kein besonders großer Vorteil war, bewies die Verleihung der Preise für die drei besten Redner, die im würdigen Rahmen eines von Clifford Chance gesponsorten Galadinners im Luxushotel Imaret stattfand: Den dritten Platz aus 32 Rednern belegte der Tübinger Sebastian Schneider und musste sich dabei nur zwei Studenten aus Trier und Oxford geschlagen geben.

Den Gegenstand der Verhandlungen bildete der folgende Fall: Eine Gesellschaft von Waffenproduzenten geriet aufgrund von Luxusstreben, Fehlinvestitionen und der Flucht eines liebestollen Bankiers in finanzielle Schwierigkeiten und nahm auf Drängen eines nicht betroffenen Gesellschafters ein Darlehen zu horrenden Konditionen auf: 72 % Jahreszins und Verpfändung von Grundstücken dreier Gesellschafter, die zusammen doppelt so viel wert waren wie die Darlehensvaluta. Im Innenverhältnis verpflichteten sich die drei bedürftigen Gesellschafter, ihren Partnern deren Anteile an Zins und Tilgung jeweils im Voraus zu bezahlen. Was sie dabei freilich nicht wussten: Ihr socius hatte zuvor dem mit ihm befreundeten Darlehensgeber ein Darlehen über die gleiche Summe zu wesentlich besseren Konditionen gewährt und sich zudem ein Vorkaufsrecht bezüglich der Grundstücke einräumen lassen. Und so kam es, wie es kommen musste: Die Gesellschafter konnten den Kredit nicht mehr bedienen, und die Grundstücke wurden für die Hälfte ihres Wertes an den erwähnten findigen Partner verkauft, der prompt auch eines der Grundstücke, einen Olivenhain, von einem Nachbarn abernten ließ.
An den Teilnehmern des Moot Courts lag es nun, eine condictio ob turpem vel iniustam causam wegen der von den drei Gesellschaftern an ihren Partner gezahlten Anteile und eine rei vindicatio bezüglich der abgeernteten Oliven argumentativ zu begründen oder Gründe vorzutragen, die gegen diese Ansprüche sprechen.

Das Tübinger Team, bestehend aus Ibrahim Altun, Matthias Lüdeking, Sophia Schick und Sebastian Schneider, trat nach achtwöchiger Vorbereitung und einigen Probeverhandlungen in der Vorrunde gegen die Teams aus Athen, Neapel und Liège an. Der Halbfinaleinzug wurde trotz guter Einzelleistungen leider äußerst knapp verpasst; umso mehr fieberte man mit den Kollegen aus Trier mit, die sich dann im Halbfinale und im Finale im antiken Forum von Philippi durchsetzen konnten und damit nach drei Jahren erneut siegten.

Abseits des eigentlichen Turniergeschehens konnten die Teilnehmer viel Positives in Kavala erfahren: Viele neue europaweite Freundschaften, die große Gastfreundschaft der griechischen Gastgeber, einen Eindruck von der ungeheuren Leistung der antiken griechischen Kultur für die europäische Zivilisation und die Erkenntnis, dass das römische Recht als Wurzel der kontinentalen Rechtskultur europaweit gelehrt und studiert wird und für den europäischen Einigungsprozess zunehmend wichtiger wird. Es bleibt zu hoffen, dass im nächsten Jahr an die Erfolge dieses Jahres angeknüpft und der Halbfinaleinzug erkämpft werden kann.

Ein herzlicher Dank geht an die Sponsoren des Tübinger Teams: Juristische Gesellschaft Tübingen e.V. - Förderverein der Juristischen Fakultät der Universität Tübingen (Tübingen), Rechtsanwalt Dr. Werner Walk (Stuttgart), TRUMPF Werkzeugmaschinen GmbH + Co. KG (Ditzingen).

4. Moot Court 2011

4TH INTERNATIONAL ROMAN LAW

MOOT COURT & CONFERENCE

7.-11. April 2011
Colonia Augusta Iulia Philippensis
(Kavala – Griechenland)

Junges Tübinger Team scheitert knapp in der Vorrunde

Enttäuschte kulinarische und geschäftliche Erwartungen eines reichen Getreidehändlers aus Alexandria, der mit seinem Sklaven nach Konstantinopel reiste, um eine Gesellschaft zu gründen, den Rückweg aber ohne Gesellschaft und ohne Sklaven antreten musste; ein gefeierter Chefkoch, der aus Verzweiflung über fehlende Zutaten Selbstmord begeht; zwei britische Sklaven, die an Stelle des Chefkochs ein grauenerregendes britisches Dinner zubereiten und damit einem katastrophal verlaufenen Abend noch die Spitze geben und zudem einen Sklaven vergiften, der seinem Leid im Krankenhaus schließlich selbst ein Ende setzt; und im Mittelpunkt eine reiche Frau, deren Schönheit sogar den Kaiser verzauberte: Was geradezu wie der Inhalt eines Theaterstücks klingt, bildete den Stoff, mit dem sich die Teilnehmer des vierten International Roman Law Moot Court befassen mussten.

Die jeweils vierköpfigen Teams aus Athen, Cambridge, Liège, Neapel, Oxford, Trier, Tübingen und Wien traten zunächst in Vorrunden abwechselnd als Kläger- und als Beklagtenvertreter auf. Sie versuchten, in ihren auf Englisch gehaltenen Plädoyers das Gericht - dieses bestand bei jeder Verhandlung aus drei Professoren der beteiligten rechtswissenschaftlichen Fakultäten, die Tübinger Fakultät vertrat Professor Dr. Thomas Finkenauer - von ihrer Rechtsauffassung zu überzeugen.

Kläger wie Beklagte wurden jeweils von zwei Anwälten vertreten: Einem senior counsel für den Anspruch auf Rückgabe der Geschenke, die der Geschäftsmann der Frau gemacht hatte, die er aber nach dem desaströsen Verlauf des Abendessens zurückhaben wollte, und einem junior counsel für den Schadensersatzanspruch wegen der Behandlungskosten und des Todes des Sklaven, der beim Dinner tödliche Pilze gegessen hatte und später im Krankenhaus Selbstmord beging.

Dabei waren nicht nur fundierte Kenntnisse des römischen Rechts (der Fall spielte im Jahre des Herrn 546), sondern auch rhetorische Fähigkeiten, Schlagfertigkeit, souveränes Zeitmanagement und tadelloses Verhalten vor Gericht gefragt.

Da mit Ausnahme des römischen Rechts all diese Fähigkeiten nicht im gewöhnlichen Universitätsbetrieb vermittelt werden, begann das Tübinger Team bereits Anfang Februar mit der Vorbereitung. Dies war umso mehr erforderlich, als das diesjährige Team den jüngsten Altersdurchschnitt aller bisherigen Tübinger Teams aufwies.

Der guten Vorbereitung zum Trotz konnte das Team den Halbfinaleinzug nicht erkämpfen: Zwar hielten alle Teammitglieder gute Plädoyers; nur reichte die Gesamtpunktzahl, wenn auch sehr knapp, nicht aus. So durfte das Team bei kleinem und großem Finale in den großartigen Ruinen des antiken Phillipi und bei der Preisverleihung im Rahmen eines Galadinners im IMARET- Hotel nur zuschauen und musste sich letztlich mit einem fünften Platz begnügen.

Doch dessen ungeachtet haben die Tübinger Teilnehmer viel Positives aus Kavala mitgenommen: Viele Freundschaften wurden unter den Teilnehmern geschlossen; große Gastfreundschaft konnte trotz Finanzkrise erfahren werden; schließlich nahmen sie auch die Erkenntnis mit, dass das römische Recht europaweit gelehrt und studiert wird, lebendig und für den Austausch auf europäischer Ebene wichtig ist.

Es bleibt zu hoffen, dass dieser Roman Law Moot Court auch in Zukunft trotz der gegenwärtigen Probleme in Griechenland stattfinden kann und dass Tübingen im nächsten Jahr wieder um den Finaleinzug kämpfen wird.

Ein herzlicher Dank geht an die Sponsoren des Tübinger Teams: TRUMPF Werkzeugmaschinen GmbH + Co. KG (Ditzingen), Rechtsanwalt Dr. Werner Walk (Stuttgart), Dr. Kroll & Partner, Rechtsanwälte und Notar (Reutlingen).

3. Moot Court 2010

3RD INTERNATIONAL ROMAN LAW

MOOT COURT & CONFERENCE
Colonia Augusta Iulia Philippensis
(Kavala – Griechenland)

Tübinger Studentin zweitbeste Rednerin

Tübinger Team gelangt beim 3rd International Roman Law Moot Court bis ins kleine Finale

Fragwürdige Spekulationsgeschäfte zwischen zwei verfeindeten Brüdern, die sich gegenseitig in den Ruin treiben wollen, der eine tätig im Immobilienhandel, der andere im Sklavenhandel; Meinungsverschiedenheiten zwischen zwei Juraprofessoren über Rechtsfragen, die schließlich in - auch tätliche - Beleidigungen ausarten. Streikende Sklaven, die Kampflieder skandieren, so sie nicht Opfer der "Sklavengrippe" werden. Spielt die Geschichte auch in der lang vergangenen Antike, mutet einem mancher Aspekt doch merkwürdig vertraut an, und dies wird nicht nur mit dem Schauplatz Griechenland zusammenhängen, über den gerade häufiger als sonst etwas zu lesen ist. Dort, genauer im antiken Philippi, in der Nähe des heutigen Kavala, traten im März des Jahres acht europäische Teams von Jurastudenten an, um vor einem internationalen Richterkollegium, bestehend aus Rechtsprofessoren der beteiligten Universitäten, einen Fall aus dem Jahr 557 nach römischem Recht zu verhandeln.

Die vierköpfigen Teams aus Belgien, Deutschland, Griechenland, Großbritannien, Italien und Österreich hatten die Aufgabe, in wechselnden Zusammensetzungen jeweils Klage und Verteidigung in zwei Verfahrensteilen zu vertreten; einerseits klagte der Sklavenhändler gegen seinen Bruder auf Bezahlung von 500 Sklaven und foderte für diese einen Preis, der wegen der Spekulation weit über das Marktübliche gestiegen war; andererseits forderte einer der beiden Juraprofessor ein hohes Schmerzensgeld für die Verletzungen seiner Persönlichkeit, die er durch den Kollegen meinte erlitten zu haben.

Vor den Richtern, zu denen auch der Tübinger Vertreter des Römischen Rechts, Professor Dr. Thomas Finkenauer, gehörte, mußten die angehenden Juristen in ihren englischsprachigen Plädoyers nicht nur profunde Kenntnisse des römischen Rechts, sondern auch Schlagfertigkeit, rhetorischen Schliff, perfektes Auftreten vor Gericht und souveränes Zeitmanagement unter Beweis stellen. Eine kleine Sensation war es deshalb, daß die Tübinger Jurastudentin Theresa Kohlhäufl in der Einzelwertung im Kampf um den Preis für den besten Redner nicht nur alle Teilnehmer aus Liège, Neapel, Trier und Wien hinter sich ließ, sondern auch die Muttersprachler aus Oxford und Cambridge und am Ende nur ein Mitglied des Athener Teams an sich vorbeiziehen lassen musste. Das Tübinger Team, das daneben noch aus Julia Pfaffenrot, Sebastian Ritter und Cvetan Wetzler bestand, unterlag im Kleinen Finale äußerst knapp dem Team aus Oxford.

So würdig wie die Kulisse der beiden Finale – die Ruinen des antiken Philippi – war auch der Rahmen der Preisverleihung: ein Galadiner im Luxushotel IMARET, bei dem es sich der Bürgermeister von Kavala nicht nehmen ließ, die Sieger auszuzeichnen. Auf den Durchgang im nächsten Jahr darf man gespannt sein.

Ein herzlicher Dank gilt den Kanzleien Shearman & Sterling, Loh von Hülsen Michael (Berlin), Dr. Lohmann und Partner (Stuttgart), Dr. Kroll & Partner (Reutlingen) für das Sponsoring des Tübinger Teams.

2. Moot Court 2009

2ND INTERNATIONAL ROMAN LAW

MOOT COURT & CONFERENCE
Colonia Augusta Iulia Philippensis
(Kavala – Griechenland)

Tübinger Team schlägt britische Eliteuniversitäten

2nd International Roman Law Moot Court in Griechenland

Zwielichtige Immobiliengeschäfte korrupter Finanzbeamter; Klosteräbte, die unheilige Allianzen eingehen; einfache Bauern, deren Land sich Großinvestoren unter den Nagel reißen: Man hat schon davon gehört, zumal in Griechenland, wo sich ein solcher Fall kürzlich einiger öffentlicher Aufmerksamkeit erfreute. Dementsprechend groß war das Medieninteresse, als im April des Jahres im antiken Philippi (in der Nähe des heutigen Kavala) acht europäische Teams von Jurastudenten antraten, um vor einem internationalen Richterkollegium, bestehend aus Rechtsprofessoren der beteiligten Universitäten, einen vergleichbaren Fall aus dem Jahr 562 nach römischem Recht zu verhandeln.

Die vierköpfigen Teams aus Belgien, Deutschland, Griechenland, Großbritannien, Italien und Österreich hatten die Aufgabe, in wechselnden Zusammensetzungen jeweils Klage und Verteidigung in zwei Verfahrensteilen zu vertreten; einerseits klagte der Fiskus auf Rückgabe eines Grundstücks, das durch ein Strohmanngeschäft unter Beteiligung eines Klosters an eine private Gesellschaft gelangt war, die dort ein luxuriöses Spa für die oströmische Oberschicht errichtet hatte; andererseits wehrte sich ein Olivenbauer, der eben dieser Gesellschaft ein Wegerecht an seinem Grundstück eingeräumt hatte, gegen Gäste des Wellness-Hotels, die als schamlose Falschparker seine Olivenernte mit ihren Fuhrwerken behinderten.

Vor den Richtern, zu denen auch der Tübinger Vertreter des Römischen Rechts, Professor Dr. Thomas Finkenauer, gehörte, mußten die angehenden Juristen in ihren englischsprachigen Plädoyers nicht nur profunde Kenntnisse des Römischen Rechts, sondern auch Schlagfertigkeit, rhetorischen Schliff, perfektes Auftreten vor Gericht und souveränes Zeitmanagement unter Beweis stellen. Eine kleine Sensation war es deshalb, daß die Tübinger Jurastudenten Friederike Erxleben, Benedicta Knoblauch, Sonja Maichl und Gunther Preidel in der Vorrunde nicht nur die Teams aus Athen, Liège, Neapel, Trier und Wien, sondern auch die Muttersprachler Oxford und Cambridge hinter sich ließen und als Punktsieger ins Finale einzogen, das schließlich die Studenten aus Trier denkbar knapp für sich entscheiden konnten.

So würdig wie die Kulisse des Finales – die Ruinen des antiken Philippi – war auch der Rahmen der Preisverleihung: ein Galadiner im Luxushotel IMARET, bei dem es sich der Bürgermeister von Kavala nicht nehmen ließ, die Sieger auszuzeichnen. Auf den Durchgang im nächsten Jahr darf man gespannt sein.

Ein herzlicher Dank gilt den Kanzleien Shearman & Sterling, Loh von Hülsen Michael (Berlin), Dr. Lohmann und Partner (Stuttgart), Dr. Kroll & Partner (Reutlingen) für das Sponsoring des Tübinger Teams.