Ludwig-Uhland-Institut für Empirische Kulturwissenschaft

„Wir sind Brückenbauer“. Reutlingen - Schweidnitz - Franzfeld - Neu-Pasua

26.06.-27.09.2026 im Heimatmuseum Reutlingen

Reutlingen hat mit seinen Städtepartnerschaften in Afrika, Amerika, Asien und Europa ein attraktives Netz von weltweiten Kontakt- und Austauschmöglichkeiten gespannt. Man kann heutzutage mit guten Gründen die Patenschaften, die Reutlingen mit Schweidnitz 1953 und mit Franzfeld und Neu Pasua 1976 – also mittlerweile vor 50 Jahren – geschlossen hat, in diesem Kontext verstehen, aber ihr Ursprung ist deutlich ein anderer und führt in die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg zurück.

Als Folge der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft mussten in Ost- und Südosteuropa ca. 12,5 Millionen Deutsche flüchten, wurden vertrieben oder ausgesiedelt. Diese kamen oft nach Jahren in Lagern in ein weitgehend zerstörtes Deutschland und trugen dann mit ihrer Arbeitskraft wesentlich zum Wiederaufbau bei. Eines der Zentren der Zuwanderung war das 1952 entstandene Bundesland Baden-Württemberg. Dieses nahm dank seiner rasant wachsenden Industrie über eine Million Heimatvertriebene vorwiegend aus Südosteuropa auf und übernahm 1953 auch die Patenschaft über die „Volksgruppe der Donauschwaben“. Man versprach damit, deren mitgebrachtes kulturelle Erbe zu pflegen.

Die Stadt Reutlingen war dafür ein Vorreiter. 1952 hatte der Deutsche Städtetag eine entsprechende Empfehlung ausgesprochen, die Oberbürgermeister Oskar Kalbfell 1953 und Oberbürgermeister Manfred Oechsle 1976 entschlossen in die Tat umsetzten. Für die Heimatvertriebenen – zuerst aus Schweidnitz, dann aus Franzfeld Neu-Pasua – bedeuteten diese Patenschaften einen wesentlichen Schritt für ihre Integration in die Stadtgesellschaft. Sie sind deswegen bis heute im Gedächtnis der Betroffenen verankert geblieben und sind auch der Ausgangspunkt dieser Ausstellung.

Diese hat zum Ziel, die Flucht aus der alten Heimat, das Einleben sowie die Erinnerungskultur der Heimatvertriebenen in Reutlingen zu zeigen. Die Ausstellung ist von Studierenden der Tübinger Empirischen Kulturwissenschaft erarbeitet worden. Sie haben Interviews mit Zeitzeugen geführt und nach Objekten in Museen dieser Geschichte gesucht. Es ist daher der Blick von jungen Menschen der die Ausstellung bestimmt hat, die im Erdgeschoss, im Treppenhaus und in Teilen der Dauerausstellung zu sehen ist.

Studierende:

Irina Buzykina | Xenia Hammley | Nazli Kaya | Mara Kramer | Emelia Mayer | Lasse Reinecke | Jana Seyfert | Lilo Schäfer | Paris Siaperas | Vanessa Stockleth | Annika Werker