Institut für Soziologie

Aktuelles

Vortrag zur kategorialen Ordnung der Impfpriorisierung auf der Konferenz Studying Diversity after the Reflexive Turn, 7. – 9.7.2021, Universität Tübingen

Die ungleichen sozialen Folgen der Covid-Pandemie wurden von internationalen Organisationen häufig entlang etablierter kategorialer Linien beobachtet – etwa Geschlecht, sexuelle Orientierung, race, Behindertenstatus oder Migrationsstatus. Auch bei der Frage nach der Verteilung von zunächst knappen Impfstoffen gegen Covid-19 spielten Personenkategorien eine entscheidende Rolle. So verabschiedeten sowohl die WHO als auch nationale Kommissionen Vorschläge zur Priorisierung bei der Impfstoffverteilung, die entlang verschiedener kategorialer Unterscheidungen organisiert sind. Welche kategoriale Ordnung ist in diese Listen eingeschrieben und wie kommt diese zustande? Kommen neue Personenkategorien hinzu oder werden bislang weniger thematisierte Kategorien wichtiger? Verlieren etablierte Kategorien zugleich an Bedeutung? Diesen Fragen gehen wir aktuell in unserem Projekt nach und fokussieren dabei Priorisierungsrichtlinien der WHO, Deutschland und den USA. Erste Ergebnisse haben Hannah Bennani und Marion Müller am 9. Juli 2021 auf der Konferenz Studying Diversity after the Reflexive Turn präsentiert. Organisiert wurde diese Konferenz von der interdisziplinären Forschungsplattform Global Encounters der Universität Tübingen.

Neuer Aufsatz erschienen: „Who are we and how many?“ – Zur statistischen Konstruktion globaler Personenkategorien

Open Access

Zusammenfassung: Ausgehend von der Annahme, dass Personenkategorien in internationalen Statistiken nicht nur sichtbar gemacht, sondern auch (mit-)erzeugt, reproduziert und objektiviert werden, fragt der Beitrag danach, wie genau Zahlen über personale Differenzierungen mit einem globalen Geltungsanspruch zustande kommen. Datengrundlage sind Dokumente aus internationalen Organisationen zu den entsprechenden politischen Entscheidungen sowie technische Anweisungen und Methodenhandbücher mit Erhebungsempfehlungen. Mithilfe einer wissenssoziologisch inspirierten Detailanalyse werden die üblicherweise nicht mehr sichtbaren Schritte der Quantifizierung anhand ausgewählter Beispiele (u. a. „Alter“, „Geschlecht“, „Ethnizität“, „Behinderung“) rekonstruiert: angefangen bei der begrifflichen Standardisierung personaler Merkmale, über ihre Operationalisierung und Festlegung von Indikatoren bis hin zur Aggregation der Einzelfälle zu Zahlen auf Weltebene. Dabei werden sowohl die Spannungen sichtbar, die zwischen der möglichst differenzierten Erfassung verschiedener Personen und der enormen Komplexitätsreduktion von Zahlen bestehen, als auch die Herausforderungen der Etablierung eines globalen Äquivalenzraumes. Der Beitrag verbindet damit vor allem Fragen der Kategorisierungs- und Quantifizierungsforschung und liefert innovative Einsichten darüber, wie genau kategoriale Differenzierungen zwischen Menschen in Zahlen transformiert und mit Objektivität versehen werden.

Ad-Hoc-Gruppe "Von alten und neuen ‘Risikogruppen‘: (globale) Personenkategorien und die Corona-Pandemie" zum Soziologiekongress der DGS/ÖGS in Wien (23.-25.8.2021)

Unser Projekt wird beim gemeinsamen Kongress der Deutschen Gesellschaft für Soziologie (DGS) und der Österreichischen Gesellschaft für Soziologie (ÖGS) zum Thema Die Post-Corona-Gesellschaft? Pandemie, Krise und ihre Folgen mit einer Ad-Hoc-Gruppe vertreten sein. Unter dem Titel Von alten und neuen ‘Risikogruppen‘: (globale) Personenkategorien und die Corona-Pandemie interessieren wir uns für die Frage, wie die Pandemie die kategoriale Ordnung der Welt beeinflusst und zur Formation „pandemischer Humandifferenzierungen“ (Hirschauer) beigetragen hat. Neben theoretischen Überlegungen geht es u.a. um die Personenkategorien „Alter“, „race“ und „Behinderung“. Vortragen werden Stefan Hirschauer (Mainz), Gesa Lindemann (Oldenburg), Larissa Pfaller (Erlangen) und Annelen Fitz (Tübingen). Wir freuen uns auf spannende Diskussionen!

Ausführliche Beschreibung

Aus unserer Forschungspraxis: Teilnehmende Beobachtungen während der Sitzung der UN-Frauenrechtskommission

Vom 15.-26.3.2021 fand die 65. Sitzung der UN-Frauenrechtskommission in New York und virtuell statt (Link). Schwerpunktthemen waren die Beteiligung von Frauen im öffentlichen Leben und Gewalt gegen Frauen. Zwei Wochen lang gab es öffentliche Debatten, Parallelveranstaltungen zu Themen wie digitale Gewalt, Männlichkeitsnormen oder die Quantifizierung wirtschaftlichen Empowernments. Regierungsdelegationen verhandelten parallel den Text einer politischen Erklärung – ein hoch kontroverser Prozess, der zum offiziellen Ende der Konferenz noch nicht zu einem Konsens geführt hatte.
Mitarbeiterinnen des Projektes haben die Veranstaltung im virtuellen Raum teilnehmend beobachtet. Im Fokus standen dabei die Fragen nach der Reproduktion der globalen Kategorie der „Frauen“ und den Besonderheiten medial vermittelter globaler Interaktionen unter Pandemiebedingungen.