Institut für Soziologie

Forschung in Kürze

The just gender pay gap in Germany revisited: The male breadwinner model and regional differences in gender-specific role ascriptions

Es ist weithin bekannt, und Gegenstand zahlreicher Untersuchungen, dass Frauen unter gleichen Arbeitsbedingungen durchschnittlich weniger verdienen als Männer. Weniger bekannt ist allerdings, dass dieser „Gender Pay Gap“ (GPG) weithin als gerecht betrachtet wird – auch von Frauen. In einer kürzlich veröffentlichten Studie in Resarch on Social Stratification and Mobility untersuchen Volker Lang und Martin Groß, wie diese Lücke im „gerechten Einkommen“ zu erklären ist. Sie verwenden dabei eine Vignetten-Studie, die im Rahmen des bevölkerungsrepräsentativen SOEP – Pretestes von 2008 durchgeführt wurde. Ausgangspunkt ist die Hypothese, dass vor allem das „männliche Ernährermodell“ für diese Gerechtigkeitslücke verantwortlich ist. Unter dieser Annahme ist davon auszugehen, dass insbesondere die Frage, ob Kinder im Haushalt vorhanden sind, einen erheblichen Einfluss auf das „gerechte Gender Pay Gap“ (gGPG) hat. Auf der Basis von 26.650 Gerechtigkeitseinschätzungen, abgegeben von 1066 Personen, können Lang und Groß nachweisen, dass in der Tat das männliche Ernährermodell die treibende Kraft hinter der Gerechtigkeitslücke darstellt. Die Befragten denken durchaus, dass kinderlose Männer und Frauen gleich bezahlt werden sollen – für Männer mit Kindern halten sie aber einen „Einkommensaufschlag“ von ca. 8% für gerecht. Darüber hinaus lässt sich zeigen, dass das männliche Ernährermodell in den neuen Bundesländern weniger relevant ist als in den alten. Letzteres zeigt sich aber erst unter Verwendung eines neu entwickelten „Craggit“-Models zur Analyse der Daten.