Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät

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01.08.2026

Nachruf auf Prof. Dr. Marcell Schweitzer

Zum Tode von Professor Dr. Marcell Schweitzer ein Nachruf von Prof. Dr. Werner Neus und Prof. Dr. Manfred Stadler

Am 17. Juli 2026 verstarb Prof. Dr. Marcell Schweitzer im Alter von 94 Jahren. An der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität Tübingen vertrat er von 1968 bis 1998 das Fach Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Industriebetriebslehre und Unternehmensforschung. Marcell Schweitzer war der erste Inhaber dieses Lehrstuhls und personifizierte somit geradezu den Ausbau der Betriebswirtschaftslehre in Tübingen, der gut zehn Jahre später in die Einführung eines Studiengangs zum Diplom-Kaufmann mündete.

Aus dem aktiven Kollegium am Fachbereich Wirtschaftswissenschaft durfte niemand mehr Marcell Schweitzer als Kollegen kennenlernen. Um seine wissenschaftlichen Verdienste nachvollziehbar zu machen, muss deshalb etwas weiter ausgeholt werden. Marcell Schweitzer gehörte der Generation von Hochschullehrern an, die das Fach Betriebswirtschaftslehre in der Phase eines raschen Aufbaus und einer ausgeprägten Verbreiterung vertraten. Die wissenschaftliche Kommunikation erfolgte maßgeblich über Monografien und Sammelwerke, zu deren Herausgebern zu gehören als besondere Ehre galt. Zeitschriftenaufsätze spielten damals eine weit geringere Rolle als heute.

Diese Umstände schlagen sich deutlich in der außerordentlichen langen Liste von Marcell Schweitzers Veröffentlichungen nieder, die hier nur grob angerissen werden können. Einige seiner Bücher spiegeln seine Tätigkeit in Tübingen unmittelbar wider, so die „Einführung in die Industriebetriebslehre“ (1973), „Produktions- und Kostentheorie“ (1974) und „Systeme der Kostenrechnung“ (1975). Das letztgenannte Buch erlebte, am jüngeren Ende fortgeführt von wissenschaftlichen Schülern und Enkeln 2016 die 11. Auflage. Aus Marcell Schweitzers Mitherausgeberschaften ist das Handwörterbuch des Rechnungswesens (2. Aufl. 1981; 3. Auflage 1993) als Teil der Enzyklopädie der Betriebswirtschaftslehre hervorzuheben, die bis zur Jahrhundertwende den betriebswirtschaftlichen Kanon umfassend widerspiegelte. Gemeinsam mit Kollegen fungierte Marcell Schweitzer als Mitherausgeber und Koautor des „Bea/Dichtl/Schweitzer“ (drei Bände, 1982), der gewiss viele Zehntausende von Studierenden durch ihr Studium begleitete, was sich auch hier in zehn bzw. neun Auflagen niederschlug.

Alle hier genannten Werke (und auch die meisten anderen Originalbeiträge von Marcell Schweitzer) sind – wie es seinerzeit üblich war – in deutscher Sprache verfasst. Das heißt nun aber keineswegs, dass das wissenschaftlichen Oeuvre Marcell Schweitzers im Ausland keine Rezeption erfuhr. Im Gegenteil wurden mehrere Bücher in andere Sprachen übersetzt, darunter ins Chinesische, Englische, Griechische, Indonesische, Japanische und Ungarische.

Marcell Schweitzer war nicht nur ein prägender Forscher und Lehrer, sondern auch in der akademischen Selbstverwaltung sehr aktiv. Jeweils mehrfach war er Dekan, Prodekan und Seminardirektor, zudem Prüfungsausschussvorsitzender. Außerhalb der eigenen Universität war er als Fachgutachter der DFG für das Fach Betriebswirtschaftslehre tätig. Außerordentliche Verdienste erwarb sich Marcell Schweitzer als Studienleiter der Württembergischen Verwaltungs- und Wirtschaftsakademie, dem Institut für Berufliche Aus- und Weiterbildung für Fach- und Führungskräfte in Verwaltung und Wirtschaft. 1998 wurde ihm das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland verliehen.

Der Name Marcell Schweitzer wird untrennbar mit der Tübinger Wirtschaftswissenschaft verbunden bleiben. Wir werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren.