Erfasst wurde die Grundmundart von 90 Ortschaften in Nord-Baden-Württemberg. Wir untersuchten ein Gebiet im Norden Baden-Württembergs, das sich von Ulm bis Wertheim und von Lauchheim nach Karlsruhe über Mannheim erstreckt.
Die jeweiligen Gemeindeverwaltungen wurden angeschrieben und um die Kontaktdaten von vier bis fünf geeigneten Personen gebeten. Da das Projekt die Grundmundart (die älteste vorkommende Schicht einer Mundart) erheben sollte, wurden größtenteils Menschen befragt, die über 60 Jahre alt waren, aus der Landwirtschaft oder dem Handwerk stammen und im jeweiligen Ort geboren wurden. Sie sollten möglichst lange Zeit am Ort gewohnt haben, damit die Mundart so wenig wie möglich beeinflusst wurde.
Fragebuch
Bei den Befragungen wurde ein Fragebuch mit ungefähr 1.500 Begriffen und kurzen Sätzen verwendet, das in allen Ortschaften abgefragt wurde. Das Fragebuch beruht auf Vorgängerprojekten (u.a. in Süd-Baden-Württemberg ab den 1970er Jahren) die bereits durchgeführt wurden. Zwar reduzierte sich die Anzahl der Fragen in unserem Projekt, sonst fanden jedoch nur geringfügige Änderungen statt.
Bei den Fragen geht es um phonologische (lautliche), lexikalische (den Wortschatz betreffende) und grammatikalische Besonderheiten der lokalen Mundart. Eine lautliche Besonderheit unseres Untersuchungsgebiets ist z.B. beim Wort „Buben“ zu erkennen: schwäbisch „Buba“, fränkisch „Buwa“. Oft sind unterschiedliche Wörter bei gleicher Bedeutung gebräuchlich: hochdeutsch „Flur“, schwäbisch „Gang“ und fränkisch „Ern“, was ein Beispiel für einen abweichenden Wortschatz ist. Auch gibt es regionale Unterschiede in der Grammatik, beispielsweise wird „ich gehe“ im Schwäbischen zu „i gang“ und im Fränkischen zu „i gee“.
Das Fragebuch umfasste 35 Themenbereiche, unter anderem Landwirtschaft (z.B. Tiere im Stall, Geräte und Ackerbau), menschliche Gemeinschaft (z.B. Feste, Bräuche und Kleidung) und das Haus (z.B. Haushalt, Wohnung, Essen und Trinken).
Die Auskünfte und Antworten der Befragten wurden in einer speziellen Lautschrift aufgeschrieben, die es erlaubt, Merkmale des Dialekts zu erfassen.
Mit den Erhebungen werden systematische Vergleiche zwischen den Dialekten in verschiedenen Regionen Baden-Württembergs ermöglicht. Auf dieser Basis können beispielsweise die Sprachgrenze und Übergangsgebiete zwischen dem Schwäbischen und dem Fränkischen genau lokalisiert werden.
Meinungen über den Dialekt
Außerdem interessierten uns auch die subjektiven Einschätzungen unserer Befragten zum Dialekt. Welche Vor- und welche Nachteile verbinden die Menschen mit dem Dialekt? Wurde bei der Arbeit Dialekt gesprochen? Wie sprechen die Kinder und wie die Enkel? Wie erklären sich die Befragten mögliche Unterschiede zwischen den Generationen im Dialektgebrauch?
Weitere Untersuchungen
Ein weiterer Aspekt war die Akzeptanz regionaler Varianten in den Schulen. Wie bewerten Deutschlehrer die Verwendung von umgangssprachlichen und regional gebräuchlichen Ausdrücken im Aufsatz? Werden beispielsweise "gelbe Rüben" oder "Brosamen" als Fehler gewertet? Und darf der Schüler einen "Teppich" mit ins Freibad nehmen?
Auch vom Dialektgebrauch in verschiedenen Situationen (z.B. Familiengespräch, Einkauf beim Bäcker, Anruf bei einer Behörde) möchten wir mit Hilfe eines Fragebogens einen Eindruck bekommen.