Institut für die Kulturen des Alten Orients

Zum Dekorationsprogramm in der spätzeitlichen Grabanlage des Monthemhet (TT 34) in Theben-West/Ägypten

(Gefördert von der Fritz Thyssen Stiftung, Köln)

Der Thebaner Monthemhet kann ohne Zweifel als eine der bekanntesten und schillerndsten Persönlichkeiten aus dem alten Ägypten gelten. Er entstammt einer etablierten und mächtigen Familie und steigt selbst zum Bürgermeister von Theben, Vierten Gottesdiener des Amun und Vorsteher von Oberägypten auf. Während seiner mehr als 30jährigen Laufbahn erlebt er drei Umbruchzeiten mit und übersteht sie persönlich wie politisch, kann im Gegenteil seine Position beibehalten und weiter festigen. Monthemhet dient den beiden kuschitischen Herrschern Taharqa (690-664 v.u.Z.) und Tanutamun (664-656 v.u.Z.) der 25. Dynastie und ist während der Invasion der Assyrer, die 667/666 v.u.Z. bis nach Theben vordringen, Ansprechpartner auf der ägyptischen Seite und wird offensichtlich mit Bezug darauf in assyrischen Quellen als "Fürst der Thebais" bezeichnet. Monthemhet verbleibt schließlich auch in seinen Ämtern, als es dem saitischen Herrscher Psametich I. 664 v.u.Z. gelingt, seinen Herrschaftsbereich vom Delta bis nach Oberägypten auszudehnen. Er übt seine Ämter auch für diese Dynastie aus, bis er ca. 648 v.u.Z. stirbt.

Mit seiner Grabanlage setzte Monthemhet seine außergewöhnliche Machtstellung und seinen besonderen politischen und gesellschaftlichen Einfluß dauerhaft um, handelt es sich bei ihr doch einen Grabbau, der dem eines Königsgrabes ebenbürtig ist, und um eines der größten Gräber, die im alten Ägypten jemals für einen privaten Würdenträger erbaut wurden. Weithin sichtbar liegen heute noch die aus ungebrannten Lehmziegeln errichteten Oberbauten der Anlage auf dem Westufer von Theben, dem heutigen Luxor (Photo 1). Die Umfassungsmauer erstreckt sich über ca. 130 m (von Osten nach Westen) bzw. etwa 50 m (von Norden nach Süden) und umschließt oberirdisch den Bereich, der unter der Erde von einem umfangreichen Raumsystem eingenommen wird. Zwei Höfe und über 60 Räume, Treppenhäuser, Korridore und Schächte geben diesem Grabbau seine Gestalt. Die meisten dieser Räume sind detailliert und qualitätsvoll dekoriert (Photo 2-9).

Größe und Bedeutung der Grabanlage von Monthemhet stehen im deutlichen Widerspruch zu ihrer Erforschung, die bislang nur sehr unzulänglich betrieben worden ist. Dies muß umso mehr bedauert werden, als die Grabanlage in einer auch kulturgeschichtlich überaus interessanten Epoche entstanden ist. Es ist die Zeit, in der auf dem thebanischen Westufer ein neuer Nekropolenabschnitt vor dem Totentempel der Hatschepsut erschlossen und mit dem Bau des neuen Grabtyps der Monumental- oder Tempelgräber begonnen wird. Diese Grabform nutzt frühere thebanische Grabkonzepte, erweitert diese und führt die Grabarchitektur zu einem gewandelten Erscheinungsbild, er schöpft für die Dekoration aber auch aus alten, über die Jahrhunderte in Archiven verwahrten Texten und Kompositionen. Diese außergewöhnlich spannende Umsetzung alter und gleichzeitige Entwicklung neuer Traditionsströme kann bislang erst in kleinen Ausschnitten beurteilt werden, da die spätzeitlichen Grabanlagen Thebens zu einem großen Teil noch auf ihre Dokumentation und Bearbeitung warten.


2012-2015 Die textliche und bildliche Ausgestaltung des Weges zur Sargkammer: Zum Dekorationsprogramm in der spätzeitlichen Grabanlage des Monthemhet (TT 34) in Theben-West/Ägypten

(Gefördert von der Fritz Thyssen Stiftung, Köln, und unterstützt von Prof. Dr. Joachim Quack, Heidelberg, aus Mitteln des Leibnizpreis Projektes "Neuedition des Mundöffnungsrituals")

Für die Erforschung der Grabanlage des Monthemhet konnte in den letzten knapp zehn Jahren ein großer Schritt vorwärts gemacht werden. Von April 2012 bis Juli 2015 förderte die Fritz Thyssen Stiftung eine erste Unternehmung in TT 34, die den nördlichen Bestattungstrakt zum Gegenstand hat (Photo 2-5). Dieser umfaßt elf Räume, die auf mehreren Ebenen angelegt wurden, sowie drei Treppen oder Treppenhäuser, mit denen die Ebenen untereinander verbunden sind. Die Räume eigneten sich für eine Untersuchung besonders gut, da sie innerhalb der Grabanlage einen in sich abgeschlossenen Bereich darstellen und die umfangreiche Dekoration in den meisten Fällen so gut erhalten ist, daß sie sich zumindest benennen läßt. Zudem war bis dato unbekannt, mit welchem Dekorationsprogramm dieser Bereich der Grabanlage versehen war, die Dekoration ist nahezu unpubliziert. Somit konnten für den Trakt an sich, aber auch darüber hinaus Aussagen zu Funktion, realweltlichem Geschehen und Gedankenwelten erwartet werden, die in der Grabanlage umgesetzt wurden.

In einer ersten Kampagne 2012 und zwei weiteren 2014 konnte die Dokumentation vor Ort abgeschlossen werden (Photo 2-4). Vorbereitend dazu wurden einige Reliefs gereinigt und restauriert (Photo 5), für die Dokumentation selbst wurden die mitunter sehr fragilen Reliefs digital photographiert und sind auf einem digitalen Zeichenbrett umgezeichnet worden. Die Dekorationselemente sind identifiziert und die inhaltliche Bearbeitung der Texte und Darstellungen ist nun im Druck. Die Ergebnisse des Projektes werden als Band von Louise Gestermann/Carolina Teotino/Mareike Wagner, mit einem Beitrag von Farouk Gomaà(†) und unter Zeichnungen von Natalie Schmidt, Die Grabanlage des Monthemhet (TT 34) I. Der Weg zur Sargkammer (R 44.1 bis R 53), Studien zur spätägyptischen Religion 31, herausgegeben von Prof. Dr. Christian Leitz, Tübingen, vorgelegt werden.


2015-2017 Stätte der Transzendenz und rituelle Bühne: Zum Dekorationsprogramm in der spätzeitlichen Grabanlage des Monthemhet (TT 34) in Theben-West/Ägypten
(Gefördert von der Fritz Thyssen Stiftung, Köln)

In einem zweiten Projekt hat die Fritz Thyssen Stiftung die weitere Förderung von Arbeiten in der Grabanlage des Monthemhet übernommen. Sie haben die Dokumentation der Dekoration im zentralen Bereich der Grabanlage zum Gegenstand (Photo 6-9). Dieser umfaßt den Durchgang zum Zweiten Hof, der sich an den Lichthof und den dahinterliegenden Westportikus anschließt, sowie den Zweiten Hof selbst (Photo 8), des weiteren den folgenden quergelagerten Raum R 29 (Photo 6) und die Längshalle R 30 (Photo 7) mit den Kapellen, die von dort aus nach Süden und Norden zu betreten sind, sowie die Durchgänge, die diese Raumelemente miteinander verbinden (Photo 9). Während für den Zweiten Hof Hinweise zum Dekorationsprogramm bereits existieren und veröffentlicht sind, ist für den hinteren Teil mit R 29-30 und für die Seitenkapellen die Dekoration wissenschaftlich noch nicht erschlossen.

In mehreren Kampagnen sind sämtliche Wand- und Pfeilerflächen photographiert und Abschriften aller Texte angefertigt und mehrfach kollationiert worden. Auf dieser Grundlage konnten die Dekoration inzwischen identifiziert werden. Das umfangreiche Textprogramm umfaßt in diesem Bereich der Grabanlage Auszüge aus den Pyramiden- und Sargtexten, dem Totenbuch, ferner sind das Stundenritual, Hymnen, Opferformeln (etc.) vertreten. Hinzu kommen Darstellungen des verstorbenen Grabherrn und seiner Frau. Die Zeichnungen und ein Arbeitsprojekt liegen inzwischen vor. Auf dieser Grundlage zeichnen sich erste Gesichtspunkte für ein Verständnis auch dieses Bereiches der Grabanlage des Monthemhet ab.


2019-2021 Begegnung und Gedenken im Kult: Zum Dekorationsprogramm in der spätzeitlichen Grabanlage des Monthemhet (TT 34) in Theben-West/Ägypten
(Gefördert von der Fritz Thyssen Stiftung, Köln)

Gegenstand dieses dritten, gleichfalls von der Fritz Thyssen Stiftung geförderten Projektes ist die Erschließung des vorderen Bereichs der Grabanlage. In ihm befindet sich der Lichthof, das für die monumentalen Tempelgräber in der spätzeitlichen thebanischen Nekropole so charakteristische Bauelement (Photo 10). Vor dem Lichthof liegen das Vestibül und ein erster geschlossener Raum, vom Lichthof aus sind insgesamt fünf Kapellen zugänglich, von denen fünf in ihrem Inneren Dekorationen aufweisen (Photo 13). Zum vorderen Abschnitt der Grabanlage gehören zudem der Westportikus, der sich an den Lichthof anschließt (Photo 10), sowie der von dort aus zugängliche Bestattungstrakt, in dem sich Nesptah, der älteste Sohn und Erbe Monthemhets, beisetzen ließ (Photo 11). Die Dekoration in diesem Abschnitt der Grabanlage ist vielfältig und umfaßt neben funerären Texten, die Parallelen zu den spätzeitlichen Liturgien aufweisen, Auszüge aus Pyramidentexten und Totenbuch sowie aus der Sonnenlitanei, zudem unterschiedliche Typen von Opferlisten und zahlreiche Opferszenen (Photos 12-13). Deutlich tritt dabei die rituelle Komponente dieser Dekoration hervor, die sich mit einem Kultgeschehen in Lichthof und Kapellen verbinden läßt. Hinzu kommen umfangreiche biographische Texte wie auch Anrufe an die Lebenden, in denen Monthemhet über sich und sein Leben spricht und damit einen zweiten, großen inhaltlichen Schwerpunkt in diesem Abschnitt seines Grabbaus setzt. Die gesamte Dekoration ist inzwischen photogrammetrisch dokumentiert, Texte und Darstellungen zum weit überwiegenden Teil identifiziert und inhaltlich erschlossen, ein guter Teil der Dekoration zudem in Zeichnungen umgesetzt.

Förderung: Fritz Thyssen Stiftung, Köln
Inhaber der Konzession von TT 34: Prof. Dr. Louise Gestermann
Projektleiterin: Prof. Dr. Louise Gestermann
Photogrammetrie: Dr. Matthias Lang, Martin Offermann BA, Eva Barbara Suchan BA (eScience-Center, Universität Tübingen)
Wissenschaftliche Hilfskräfte: Flurina Bartelmus BA, Paula Bauer MA, Rebekka Haffner BA
Weitere MitarbeiterInnen: Paul Gestermann-Lieberknecht (EDV), Eva Kremer-Brinkmann BA (JSesh), cand. phil. Anne Wolff (Zeichnungen)
Assoziiert: cand. phil. Carolina Teotino
Photos: Louise Gestermann