Institut für Erziehungswissenschaft

Häcker, Thomas (2007): Portfolio: ein Entwicklungsinstrument für selbstbestimmtes Lernen. 2. Auflage

Dem schulischen Portfolio liegt eine alte, zutiefst pädagogische Idee des Umgangs mit Lernleistungen zugrunde: die Integration der Bewertungs- und der Unterrichtsfunktion zum Zwecke der individuellen Lernförderung. Die Arbeit mit Portfolio verbindet Ler-nen, Lehren und Beurteilen und erweitert die konventionelle Leistungsfeststellung um die Möglichkeit der Leistungsdarstellung. Portfolioarbeit basiert auf den Prinzipien: Kommunikation, Partizi-pation und Transparenz und setzt auf die Reflexion des eigenen Lernens mit dem Ziel seiner zunehmend selbstbestimmten Steue-rung. Damit knüpft der Portfolioansatz an einer Tradition der (Schul-)Pädagogik an, deren Motive bereits in der Reformpädago-gik auftauchen und der daran gelegen ist, dass Lehrende und Ler-nende gleichermaßen und mittels authentischer Dokumente und Arbeiten ein möglichst umfassendes Bild von den Kompetenzen, Fortschritten und der Entwicklung der Lernenden gewinnen können, einer (Schul-)Pädagogik, die "Spurensicherung" betreibt, um Lernwege und Lernergebnisse der Reflexion verfügbar zu machen und zwar im Dienste weiteren, zunehmend selbständigeren Ler-nens. Das Portfolio wird weithin berechtigter Weise als ein Re-forminstrument zur Weiterentwicklung der Lern-Lehr-Kultur be-trachtet. Erfahrungen in der Arbeit mit Portfolios zeigen allerdings, dass Portfolios die grundständigen Funktionswidersprüche des Systems Schule nicht auflösen kann, sondern mitunter eher noch deutlicher sichtbar macht.