Institut für Erziehungswissenschaft

Aktuelle Forschungsprojekte

05/2018 Wertorientierungen und Werterziehung von Lehrerinnen und Lehrerin in Deutschland (WWL-Studie)

Sowohl in der Öffentlichkeit als auch im wissenschaftlichen Diskurs zur Forschung im Lehrerinnen- und Lehrerberuf werden die Bedeutung von Werten im beruflichen Handeln von Lehrpersonen sowie die Notwendigkeit der Vermittlung von Werten in der Schule betont. Wenngleich in der Literatur eine Vielzahl von Wertorientierungen für das berufliche Handeln von Lehrpersonen als wichtig erachtet werden, liegen bislang keine repräsentativen Daten zur Beschreibung der Wertorientierungen der Lehrerinnen und Lehrer in Deutschland vor. Auch Erkenntnisse über die praktizierte Werterziehung von Lehrpersonen sind rar. Mit der mehrperspektivischen WWL-Studie werden sowohl Eltern von Schülerinnen und Schülern an allgemeinbildenden Schulen als auch Lehrerinnen und Lehrer hinsichtlich lehramtsspezifischer Wertorientierungen und der Werterziehung befragt. Die Ergebnisse geben erstmalig einen repräsentativen Einblick in die von Eltern gewünschten Wertorientierungen von Lehrerinnen und Lehrern sowie korrespondierend die von Lehrpersonen eingeschätzte Realisierung von Wertorientierungen und Werterziehung in deren Handeln. Die Erkenntnisse tragen zu einer weiteren Klärung innerhalb des Wertediskurses zum Lehrerberuf sowie in der öffentlichen Diskussion zum Thema Wertevermittlung an Schulen bei. Gefördert wurde die Studie durch den Verband Bildung und Erziehung e.V. sowie durch dessen Landesverbände Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen. Geleitet wird das Projekt von Dr. Martin Drahmann und Prof. Dr. Colin Cramer in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Samuel Merk.

01/2018 Handbuch Lehrerbildung

Im Zuge der ›Qualitätsoffensive Lehrerbildung‹ in Deutschland oder in ähnlichen Reformanstrengungen in Österreich sowie in der Schweiz wird die große Relevanz eines breit zugänglichen Orientierungswissens im Bereich der Lehrerbildung einmal mehr deutlich. Bedarf besteht sowohl für die Forschenden, als auch mit Blick auf die in der Lehrerbildung tätigen Dozierenden, die für Lehrerbildung Entscheidungstragenden in Bildungspolitik und Bildungsadministration sowie für die Lehramtsstudierenden und Lehrerinnen und Lehrer selbst. Im internationalen Raum existiert für die Forschung zur Lehrerbildung (›research on teacher education‹) eine lange Tradition an einschlägigen Handbüchern. Im deutschsprachigen Raum liegt allerdings nur ein einschlägiges Überblickswerk in einer ersten, veralteten und eingestellten Auflage aus dem Jahr 2004 vor: Das ›Handbuch Lehrerbildung‹ (Blömeke et al., 2004) thematisiert die Lehrerbildung bezogen auf Forschung, Lehre und Entwicklung. Aktuelle strukturelle Entwicklungen, wie die verbreitete Einführung eines Praxissemesters in der ersten Phase der Lehrerbildung in Deutschland, die jüngeren Reformmaßnahmen in Österreich (›PädagogInnenbildung NEU‹) oder die voranschreitende Akademisierung der Lehrerbildung in der Schweiz und damit verbundene Forschungsaktivitäten, sind nicht repräsentiert. Die hier angedeuteten Entwicklungen, einhergehend mit kaum zu überschauenden Reformen der institutionalisierten Lehrerbildung, verweisen exemplarisch auf die Breite neuerer und neuester Forschungsbefunde und auf eine florierende empirische Lehrerbildungsforschung insgesamt. Daher haben die Arbeiten an einer Neuausgabe des ›Handbuch Lehrerbildung‹ begonnen, ein Erscheinen ist frühestens für das Jahr 2020 zu erwarten. Diese Neuausgabe steht bewusst in der Tradition der ersten Auflage, die skizzierten Entwicklungen können aber nur angemessen repräsentiert werden, wenn das Handbuch in vielen Bereichen konzeptionell vollständig neu ausgerichtet wird. Die Neuausgabe nimmt die Entwicklungen seit Erscheinen der Erstauflage mit auf, aktualisiert die vorhandenen Darstellungen der verschiedenen Diskurse und erweitert das forschungsbasierte Orientierungswissen zur Lehrerbildung mit Blick auf die Breite der fachdidaktischen, bildungswissenschaftlichen und schulpraktischen Diskussion. Im Duktus soll das Handbuch einem Forschungshandbuch entsprechen, das allerdings einer Gesamtdarstellung entspricht, die von einem breiten Rezipientenkreis als Orientierungswissen genutzt werden kann. Es soll auch von Kolleginnen und Kollegen rezipiert werden können, die im weiten Feld der Lehrerbildung arbeiten (z.B. an Studienseminaren, in der Lehrerfortbildung oder in der Bildungsadministration). Eine klare Forschungsorientierung bzw. Fundierung aus der Forschung heraus ist für alle Beiträge maßgebend. Der Band wird vom Klinkhardt-Verlag betreut und wurde in das utb-Programm aufgenommen. Die Herausgebenden: Prof. Dr. Colin Cramer, Dr. Martin Drahmann, Prof. Dr. Johannes König, Prof. Dr. Martin Rothland und Prof. Dr. Sigrid Blömeke.

12/2017 Tübinger Inventar zur Erfassung von Wertorientierungen im Lehrerberuf (TIVO)

In der Forschung zum Berufsethos von Lehrerinnen und Lehrern wird unter einer Vielzahl von Perspektiven (Tugend, Fürsorge, Verhaltenskodizes etc.) ein Fokus auf die Bedeutung von Werten und Wertorientierungen im beruflichen Handeln von Lehrpersonen gelegt. Sowohl in internationaler als auch deutschsprachiger Literatur finden sich zahlreiche – meist aus einer heuristischen Perspektive gewonnene – Wertorientierungen, die für das berufliche Handeln von Lehrpersonen als wichtig erachtet werden. Neben Instrumenten wie dem »Rokeach Value Survey« oder dem »Portrait Value Questionnaire«, die allgemeingültige Wertorientierungen in Gesellschaften erfassen, liegt bislang kein individuelles Instrument zur empirischen Erfassung von lehramtsspezifischen Wertorientierungen vor. Mit der Entwicklung des Tübinger Inventars zur Erfassung von Wertorientierungen im Lehrerberuf wird erstmals ein Instrument entwickelt, das lehramtsspezifische Wertorientierungen im Rahmen standardisierter Befragungen erfasst. Eine weitergehende Konstruktvalidierung wird darüber hinaus durch Studien in den USA, Indien und China angestrebt. Prospektiv kann das Instrument nach erfolgreicher Entwicklung und Erprobung im Feld neue Erkenntnisse innerhalb des Wertediskurses in der Forschung zum Berufsethos von Lehrerinnen und Lehrern generieren. Geleitet wird das Projekt von Dr. Martin Drahmann, Prof. Dr. Colin Cramer und Prof. Dr. Samuel Merk.

02/2017 Expertise zur 3. Phase der Lehrerbildung (Fort- und Weiterbildung) in Baden-Württemberg

Das Vorhaben schließt an den Bedarf an, detaillierte Informationen über die in der Forschung und öffentlich-bildungspolitischen Wahrnehmung bislang wenig beachtete ›Dritte Phase‹ der Lehrerinnen- und Lehrerbildung (Fort- und Weiterbildung) zu gewinnen. Für Baden-Württemberg wird erstmals eine Analyse des kompletten Angebots (z.B. mit Blick auf die Themen, regionalen Spezifika, Zielgruppen) durchgeführt. Weiterhin werden mit den Verantwortlichen in den Institutionen der Lehrerfort- und Weiterbildung Experteninterviews hinsichtlich dieses Angebots durchgeführt. Die teilnehmenden Lehrerinnen und Lehrer werden in ausgewähltem Umfang in einer direkt auf Einzelfortbildungen bezogenen Fragebogenerhebung auf die Erwartungen an und die Erfahrungen mit Fort- und Weiterbildungen befragt. So wird eine Einsicht in die wechselseitigen Intentionen und Einschätzungen bezogen auf das tatsächlich vorgehaltene Angebot zwischen Anbieter- und Abnehmerseite gegeben. Rückgebunden an den Forschungsstand lassen sich Potenziale und Entwicklungsperspektiven der Dritten Phase identifizieren. Gefördert wird das Projekt durch den Landesverband Baden-Württemberg der Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft. Geleitet wird das Projekt von Prof. Dr. Colin Cramer und Dr. Martin Drahmann. Projektmitarbeiterin ist Karen Johannmeyer.

8/2016 Berufsethos und Verantwortung im Lehrerinnen- und Lehrerberuf (Habilitationsprojekt)

Während die Diskussion um Werte in Öffentlichkeit und Schule eine Renaissance erfahren hat, wird die Fragen nach dem Berufsethos und der Verantwortung von Lehrerinnen und Lehrern in jüngerer Zeit kaum wissenschaftlich bearbeitet. Das Habilitationsvorhaben nimmt dieses Desiderat auf, indem Werthaltungen (›value commitments‹) im Lehrerinnen- und Lehrerberuf bearbeitet werden. Ausgehend vom aktuellen Forschungsstand werden die historisch-kontextuelle Entwicklung mit Bezug zum Lehrerinnen- und Lehrerberuf aufgearbeitet sowie eine professionsvergleichende Analyse des spezifischen Berufsethos unterschiedlicher Professionen (z.B. Lehrerberuf vs. Ärzteberuf) durchgeführt. Auf dieser Grundlage wird ein Instrument zur Erfassung des Berufsethos (angehender) Lehrpersonen sowie Schulleitungen entwickelt und damit eine schriftliche Befragung durchgeführt. Ziel der Analyse ist die konfirmatorische Bestätigung der im Instrument angenommenen Ethosgestalten und der Validierung des empirischen Konstrukts ›Berufsethos‹ (z.B. in Abgrenzung zu ›teacher beliefs‹). Im Ergebnis trägt das Forschungsvorhaben zu einer historischen, theoretischen und empirischen Schärfung von ›Berufsethos‹ bei, stellt ein valides Instrument zu dessen Erfassung bereit und etabliert value commitments als relevantes Konstrukt neben teacher beliefs in der Professionsforschung. Die Erkenntnisse können prospektiv Hinweise auf die Relevanz von Berufsethos und Verantwortung im Lehrerinnen- und Lehrerberuf geben.

Abgeschlossene Forschungsprojekte

12/2016 - 12/2017 Forschung zu den Berufswahlmotiven und dem Selbstkonzept von Lehramtsstudierenden in Begabtenförderungswerken

Gleichwohl Begabtenförderungswerke, die grundsätzlich auch Lehramtsstudierenden offenstehen, in Deutschland auf eine lange Tradition zurückblicken, betreten erst seit wenigen Jahren einzelne Stiftungen mit speziell für Lehramtsstudierende entwickelten Programmen Neuland. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, inwiefern sich die lehramtsspezifischen Berufswahlmotive und das Selbstkonzept von Lehramtsstudierenden von solchen ohne berufsspezifischer Förderung bzw. gänzlich ohne Förderung unterscheiden. Damit wird auch die Forderung innerhalb der Forschung zum Lehrerinnen- und Lehrerberuf eingelöst, nicht nur die gesamte Lehramtsstudierendenschaft in den Blick zu nehmen, sondern verschiedene Gruppen innerhalb dieser Studierendengruppe genauer zu untersuchen. Die Erkenntnisse der Studie tragen damit prospektiv zur Gestaltung der Professionalisierung im Lehrerinnen- und Lehrerberuf sowie zur Lehrerinnen- und Lehrerbildung bei und können darüber hinaus in die Auswahlarbeit und Förderprogramme der Begabtenförderungswerke einfließen. Geleitet wird das Projekt von Dr. Martin Drahmann und Jonas Scharfenberg (LMU München).

02/2016 - 02/2017 Entwicklungen und Trends in der Lehrerbildung in Deutschland, Österreich und der Schweiz

Bildung ist eine wichtige Ressource für Gegenwart und Zukunft. Bei der Gestaltung von institutionalisierten Bildungsprozessen an Schulen nehmen die Lehrerinnen und Lehrer eine bedeutsame Rolle ein. Allerdings stellt sich mit Blick auf neue gesellschaftliche, sozio-ökonomische, demografische, ökologische und technologische Herausforderungen die Frage, ob die Lehrerbildung (an Hochschulen, im Vorbereitungsdienst und im Rahmen der Fort- und Weiterbildung) die Lehrpersonen auf ihr berufliches Handeln auch in Zukunft optimal vorbereiten kann.

Ziel einer Forschungsstudie des Instituts für Bildungsmanagement und Bildungsökonomie IBB der Pädagogischen Hochschule Zug ist daher einerseits, den aktuellen Stand der Forschung zur und die Praxis der Lehrerbildung in Deutschland, Österreich und der Schweiz systematisch zu erfassen und abzubilden. Diese systematische Darstellung ermöglicht es, Desiderate in der Lehrerbildung zu identifizieren, die durch Expertenhearings ergänzt werden. Außerdem werden weitere Akteure im Bereich der Lehrerbildung und ihre Tätigkeitsfelder ermittelt. Ergänzend zu den staatlichen Lehrerbildungsinstitutionen sind dies Stiftungen und Unternehmen.

Die systematische Gesamtanalyse der Daten bildet andererseits das Fundament für das zweite grundlegende Ziel der Studie: die Skizzierung von Herausforderungen und Handlungsempfehlungen einer zukünftigen Lehrerbildung. Prospektiv können die Handlungsempfehlungen dabei auf Möglichkeiten hinweisen, wie die Desiderate in der Lehrerbildung in Zukunft geschlossen werden können. Damit leistet die Studie einen wesentlichen Beitrag für eine Lehrerbildung der Zukunft. Die Forschungsstudie wird von Prof. Dr. Stephan Gerhard Huber und Dr. Martin Drahmann durchgeführt.

04/2013 - 12/2016 Lehramtsstudierende in Begabtenförderungswerken. Motivation, Überzeugungen und Bewertung der Förderung (Dissertationsprojekt)

Die Lehrerbildung erfährt in der letzten Dekade nicht nur im wissenschaftlichen Diskurs und in bildungspolitischen Diskussionen (wieder) eine stärkere Beachtung, sondern rückt zunehmend auch in den Fokus von nicht staatlichen Akteuren. So zeigt sich in Deutschland ein wachsendes Engagement von Stiftungen im Bereich der Lehrerbildung, sowohl auf der institutionellen Ebene (z.B. die 2012 initiierte „Lehrer-Initiative“ des Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft und der Heinz Nixdorf Stiftung) oder auf individueller Ebene, also Programme, die eine personenbezogene Förderung von (angehenden) Lehrpersonen verfolgen. Häufig wird jedoch übersehen, dass die Begabtenförderungswerke in Deutschland und die damit assoziierten Stiftungen schon seit über 90 Jahren auf einer individuellen Ebene (Lehramts)Studierende fördern. Das leitende Erkenntnisinteresse des Forschungsprojektes ist zum einen die grundlegende Charakterisierung der Lehramtsstudierenden in Begabtenförderungswerken bezüglich ihrer personalen Ausgangsmerkmale und Eingangsbedingungen, die im Anschluss an die empirische Lehrerbildungsforschung Einfluss auf die professionelle Entwicklung nehmen. Zum anderen wird untersucht, welchen Nutzen die geförderten (Lehramts)Studierenden in den ideellen Förderangeboten der Begabtenförderungswerken sehen und diese bewerten. Das dritte Ziel des Projektes zielt auf eine Auseinandersetzung mit dem übergreifenden Förderziel ab, die Förderung einer (zukünftigen) Verantwortungselite. Prospektiv stellt die vorliegende Studie einen Beitrag zur Forschung zur Lehrerbildung dar und kann Impulse für die Weiterentwicklung förderwerksspezifischer Angebote und übergreifender Förderziele geben.

Gutachter: Prof. Dr. Martin Rothland (Universität Siegen) und Prof. Dr. Ewald Terhart (Universität Münster)

Weitere Informationen: Lehramtsstudierende in Begabtenförderungswerken