Zentrum für Islamische Theologie

ZITH Newsletter Ausgabe 1/2014 - 23.06.2014

Editorial

Liebe Leserinnen und Leser,

ich freue mich Ihnen unseren dritten Newsletter präsentieren zu dürfen – im ZITH ist auch im dritten Gründungsjahr eine Menge in Bewegung und wir möchten Sie natürlich auf dem Laufenden halten. So bin ich besonders froh darüber, eine nochmalige Erweiterung unseres Studienangebotes ankündigen zu können: Ab dem kommenden Wintersemester bietet das Tübinger Zentrum für Islamische Theologie erstmalig einen Master-Studiengang an! Das einjährige Programm mit der Bezeichnung „Islamische Theologie im europäischen Kontext“ beginnt im Oktober 2014 und bietet eine spannende Zusammenstellung verschiedener Themenfelder. Einer der inhaltlichen Schwerpunkte wird die historische und gegenwärtige Wechselbeziehung der islamischen Theologie mit dem europäischen Umfeld sein. Eine weitere kursübergreifende Bedeutung kommt dem interreligiösen Dialog zu. Wichtig erschien uns bei der Konzipierung des Studiengangs auch eine insgesamt interdisziplinäre Ausrichtung in Kombination mit problemorientierten Lernmethoden: Hier sollen theologische Themen stets mit Bezug auf gesellschaftliche Fragestellungen erörtert werden.

Aber auch der laufende Studienbetrieb mit den bereits etablierten Studiengängen „Islamische Theologie“ (Bachelor Hauptfach) und "Islamische Religionslehre" (Staatsexamen) erweisen sich als vielfältig und interdisziplinär. Auch ist der allererste Studierendenjahrgang des Zentrums von seinem Auslandsaufenthalt zurückgekehrt: Nun werden die Eindrücke, Erfahrungen und Lehrinhalte des jeweiligen Gastlandes im Rahmen der letzten Phase des Studiums mit eingebracht und weiter vertieft.

Das Studienangebot des ZITH wird semesterbegleitend zusätzlich um interessante Blockseminare, Konferenzen und Ringvorlesungen erweitert. Im Rahmen der Ringvorlesung "Islamic Theology between Continuity and Change" hatten unsere Studierenden im Wintersemester 2013/2014 beispielsweise die Gelegenheit, renommierte internationale Forscher zu hören, die aus unterschiedlichen Perspektiven und mit ihrem jeweiligen Hintergrund über das Verhältnis von Religion und modernen Herausforderungen sprachen. Des Weiteren fand gegen Ende des letzten Semesters der durch die Stiftung Mercator durchgeführte Workshop "Islamisches Recht und die Herausforderung moderner Gesellschaften" statt. Im laufenden Semester wird die Ringvorlesung mit dem Titel "Rationalität und Vernunft im Denken und Leben der Muslime im säkularen und pluralen Kontext - Konzeptionen islamischer Theologie" von unserer Nachwuchsforschergruppe organisiert und durchgeführt. Im Vordergrund steht hierbei die Auseinandersetzung mit neuen wegweisenden Ansätzen in den einzelnen Teildisziplinen der islamischen Theologie, wie beispielsweise der Einfluss des Sufismus auf den Islam in Europa oder auch die Funktion des Konzeptes des „öffentlichen Nutzens“ (arab. maṣlaḥa) im islamischen Recht. Hierzu hat unsere Postdoktoranden-Gruppe namhafte ReferentInnen aus In- und Ausland eingeladen. Als einen kleinen Ausblick möchte ich bereits an dieser Stelle die Internationale Konferenz "Early Modern Trends in Islamic Theology. ‘Abd al-Ghanī al-Nābulusī and his Network of Scholarship" während der ersten Septemberwoche 2014 ankündigen. Die Tagung wird von der Stiftung Mercator und dem BMBF getragen und ist an das Nābulusī-Forschungsprojekt am ZITH angelehnt. Hierzu sind Experten aus dem Nahen Osten, den USA, England, Frankreich, Italien, Japan und Australien eingeladen.

Der aktive interreligiöse Dialog nimmt auch für unsere Studierenden einen wichtigen Raum ein und auch hier zeichnen sich immer schärfere Konturen ab: In diesem Semester hat eine Studierendengruppe unter der Anleitung von Dr. Mahmoud Abdallah und Professor Bernd Jochen Hilberath (Katholisch-Theologische Fakultät) eine Tübinger Initiative begründet: Das Gesprächsforum christlicher und muslimischer TheologInnen. Ein weiteres Angebot der drei Theologien der Universität Tübingen wird im Seminar "Gottesbilder in interreligiöse Bildung - didaktisch-empirische Perspektiven" von Prof. Dr. Friedrich Schweitzer, Prof. Dr. Albert Biesinger und Jun.-Prof. Dr. Mouez Khalfaoui in Team-Teaching durchgeführt. Diese Veranstaltung wird von Studierenden der drei Theologien stark besucht und stellt eine Perspektive für weitere Kooperation und Zusammenarbeit dar. Auch lesen Sie in dieser Ausgabe einen Bericht über eine weitere studentische Initiative – nämlich den Studientag der Fachschaften der Evangelischen und Islamischen Theologie mit dem Titel: „Vom Ich zum Wir: Der Mensch im Christentum und Islam“.

Wir vom ZITH wünschen Ihnen für das laufende Semester weiterhin viel Erfolg bei Studium und Lehre und für den Monat Ramadan eine segenreiche Fastenzeit.


Bei der Lektüre des Newsletters wünsche ich Ihnen viel Freude!


Ihre Lejla Demiri
Professorin für Islamische Glaubenslehre
Stellvertretende Zentrumsdirektorin


Nachrichten

Im Januar 2014 nahm Frau Kerstin Strotmann ihre Tätigkeit in der Bibliothek des Zentrums für Islamische Theologie auf. Frau Strotmann hat an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster und der Cairo University Arabistik/Islamwissenschaft, Ethnologie und Soziologie studiert. Von 2011 bis 2013 war sie Referendarin an der UB Tübingen und der Bayerischen Staatsbibliothek München, bevor sie Fachreferentin im wissenschaftlichen Bibliotheksdienst der UB Tübingen wurde. Neben der Bibliothek des ZITH ist Frau Strotmann auch für die Bibliothek der Abteilung für Orient- und Islamwissenschaft sowie die Betreuung Fächer Altorientalistik und Ägyptologie verantwortlich. Frau Strotmann tritt am ZITH die Nachfolge von Herrn Dr. Walter Werkmeister an. Wir möchten uns auf diesem Wege noch einmal herzlich bei Herrn Werkmeister für seine Tätigkeit in unserer Fachbereichsbibliothek bedanken und wünschen ihm alles Gute für den Ruhestand.

Dr. Ruggero Vimercati Sanseverino hielt am 28. Januar 2014 im Tübinger Hölderlinturm ein Impulsreferat zum Thema „Goethe und der Islam“. Die Veranstaltung wurde von Prof. Jürgen Wertheimer im Rahmen seines „Zukunftsprojekts West-Östlicher Divan“ organisiert. Referenten aus Marokko, Ägypten, Mali und Deutschland trugen ihre Sichtweisen und Erfahrungen über das interkulturelle Potenzial von Goethes Literatur vor. In seinem Vortrag versuchte Dr. Vimercati Sanseverino die geistesgeschichtlichen und persönlichen Hintergründe der Beschäftigung Goethes mit dem Islam zu beleuchten und darüber zu reflektieren, inwieweit die Herangehensweise und Betrachtungsweise des Dichters heute noch relevant sein können. „Goethe ist der Beweis“, so Vimercati Sanseverino, „dass eine Anerkennung des Islams, und gar ein gewisses Sich-inspirieren-lassen von ihm, nicht der höchsten Form deutscher Geisteskultur widerspricht. Ganz im Gegenteil: Um diese Höhe wieder erreichen zu können, bedarf es Goethes Sensibilität, Offenheit, Kühnheit und spiritueller Intelligenz gegenüber einem so vermeintlich Anderen und doch so Vertrautem, wie es der Islam ist“.

Im Februar 2014 schloss das ZITH einen Kooperationsvertrag mit der 29 Mayis Universität Istanbul ab. Studierende haben von nun an die Möglichkeit, dort im Rahmen des ERASMUS-Programms ein Auslandssemester zu verbringen. Schon im WS 2014/15 werden 4 Studierende des ZITH das Auslandssemester an der 29 Mayis Universität absolvieren.

Im März hielt Professorin Lejla Demiri in Zürich einen Kurs mit dem Titel “The Bible through the Lens of a Medieval Muslim Scholar” ab. In diesem Kurs wurden Texte des islamischen Theologen Najm al Din al Tufi (1271, Tufa, Irak - 1316, Hebron/Al-Khalil) gelesen, kommentiert und diskutiert. Najm al Din al Tufi ist der erste Theologe, der sowohl den Koran als auch die Bibel kommentiert hat. An seiner exegetische Arbeit zu den vier Evangelien, dem Buch Genesis, Jesaja, Jeremia, Ezechiel, Daniel, Hosea, Jona, Habakuk und Malachi zeigt sich exemplarisch, wie sich ein muslimische Theologe im Mittelalter mit biblischen Texten auseinandersetzt. Was hat die Bibel einem muslimischen Leser zu sagen? Welche Rolle spielen die christlichen Schriften in der muslimischen Wahrnehmung des Christentums? Ziel des Kurses war es, mit Hilfe der alten Quellen Antworten auf Fragen zu finden, die in einem neuen kulturell-religiösen Kontext relevant sind, und sie als eigenständige theologische Produktion zu verstehen.

Am 17. März nahm Dr. Vimercati Sanseverino an einem internationalen Kolloquium über das Thema „Was ist arabische Philosophie?“ in Paris an der Sorbonne teil. Die Veranstaltung wurde von der französischen Zeitschrift "Cahiers de l’islam", den Arabischen und Hebräischen Studien der Universität Paris-Sorbonne, sowie dem Zentrum für Forschung des Mittleren Ostens und dem Mittelmeerraum des Inalco organisiert. Zentrales Thema war die Frage nach dem Begriff der „arabischen“, bzw. „islamischen“ Philosophie: Inwieweit handelt es sich bei der falsafa um eine islamische Philosophie und welche Rolle kommt dem philosophischen Denken in der islamischen Geisteskultur zu? Neben bekannten Größen des Fachs, wie dem emeritierten Tübinger Islamwissenschaftler J. Van Ess und dem amerikanischen Philosophen und Historiker C. Butterworth, kamen auch junge französische, englische und arabische Spezialisten der falsafa zusammen, um darüber in drei aufeinanderfolgenden Sitzungen zu diskutieren. R. Vimercati Sanseverino präsentierte einen Vortrag mit dem Thema „Die 'prophetische Philosophie' und die Ausbildung einer zeitgenössischen muslimischen Elite – Bedeutung und Aktualität der islamischen Philosophie im Denken von S. H. Nasr“.

Vom 5. bis zum 9. Mai 2014 fand in Ludwigsburg und Tübingen gefördert durch die BW-Stiftung eine Begegnungswoche zum Thema "Wie der christlich-islamische Dialog gelingen kann" statt. Die Tagung wurde von Prof. Dr. Siegfried Zimmer (PH) und Dr. Abdelmalek Hibaoui (ZITH) geleitet. Zu Gast war auch eine Delegation von Studierenden und Lehrenden der Marmara Universität Istanbul (MUI). (Tagungsflyer zum Runterladen)


Im Mai waren im Rahmen des ERASMUS-Programmes zwei Gastdozenten von der Universität Çanakkale zu Besuch in Tübingen und hielten auch jeweils einen Vortrag. Am 6. Mai 2014 sprach Professor Dr. Özcan Taşçı, Professor für Kalāmwissenschaften, zum Thema "Die Beziehung zwischen den Aufklärungsphilosophen und den Kalām-Gelehrten". Am 20. Mai 2014 erörterte Professor Assoc. Hasan Kaplan, Professor für Religionspsychologie, "The Psychology of Believing in Divine Justice."


Auf Einladung von Professor Dr. Omar Hamdan war am 15. Mai 2014 die Islamwissenschaftlerin und Hörfunkredakteurin Frau Dr. Lieselotte Abid aus Wien zu Gast am ZITH Tübingen. Sie hielt einen gut besuchten Vortrag zum Thema "Die muslimische Frau zwischen Projektion und Realität". Darin setzte sie sich mit den Klischees über muslimische Frauen auseinander, die einerseits aus Missverständnissen resultieren, andererseits auch medial verstärkt werden. In einer eindrucksvollen Gegenüberstellung verglich Professorin Abid die im Koran verankerte Idealvorstellung mit der oftmals stark abweichenden Lebensrealität der Frauen.

Vom 19. bis 24. Mai besuchte Frau Wiem Zahi Braham von der Universität Ez-Zitouna das ZITH und die Universität Tübingen. Neben Gesprächen mit Vertretern des Zentrums und der Universität, beantwortete Frau Zahi auch Fragen der Studierenden, die einen Auslandsaufenthalt in Tunesien planen.

Am 3. Juni 2014 hielt Herr Dr. Yazid Said von der Dublin City University im Rahmen der Lehrveranstaltung "Systematische Theologie und Philosophie" bei Frau Prof. Demiri einen Vortrag zum Thema "The State and Religion: Reflections from Imam al-Ghazzali (d. 1111)".


Forschung

Moderne Herausforderungen

Internationales Symposium „Religionspädagogik im Kontext der Globalisierung“

Die Veranstaltung wurde von der Fakultät für Islamische Theologie an der Universität Eskişehir und dem Privaten Studiengang für Islamische Religionspädagogik in Wien organisiert. Eingeladen waren über 50 hochrangige Wissenschaftler aus Österreich, Deutschland, dem Iran und der Türkei. Das Symposium wurde durch ein kulturelles Programm abgerundet, welches neben einer Stadtbesichtigung und einem Empfang beim Rektor auch eine Aufführung der Mevlevi Derwische und ein Konzert der Fakultätsmusiker beinhaltete. [mehr]

Der Beitrag der Religionen

Symposium "Islamische Studien in pluraler Gesellschaft"


Vom 29. bis zum 30. November 2013 fand an der Hochschule für Philosophie in München ein öffentliches Symposium zum Thema "Islamische Studien in pluraler Gesellschaft" statt. Bei diesem Symposium gaben Wissenschaftler/-innen der Zentren der Islamischen Theologie in Deutschland einen Einblick in die jeweiligen Forschungsansätze, um so die Breite und Pluralität Islamischer Studien sichtbar zu machen. [mehr]


Studierende und Fachschaft

Vom Ich zum Wir – Der Mensch im Christentum und Islam

Studientag der Fachschaften der Evangelischen und Islamischen Theologie

Durch eine Kooperation der Fachschaften der Evangelischen sowie der Islamischen Theologie fand am 5. Dezember 2013 im Theologicum der Evangelische Studientag zum Thema „Der Mensch im Christentum und Islam“ statt. Die Fachschaften hatten sich dabei zum Ziel gesetzt, einerseits allgemein den Dialogbedarf innerhalb der Gesellschaft zu thematisieren und durch ein Kennenlernen der Gemeinsamkeiten aber auch der Unterschiede auf akademischer Basis zum Dialog beizutragen. [mehr]


Termine und Veranstaltungen

Altes Recht in neuem Kontext

Der Workshop "Islamisches Recht und die Herausforderung moderner Gesellschaften"

Vom 9. bis 10. Januar diesen Jahres kamen im Großen Senat der Universität Tübingen zahlreiche Studierende, Wissenschaftler und Nachwuchswissenschaftler aus verschiedensten Fachdisziplinen aus ganz Deutschland zusammen. Anlass hierfür gab der Workshop „Islamisches Recht und die Herausforderungen moderner Gesellschaften“. [mehr]


Der Islam in der westlichen Gesellschaft

Die Ringvorlesung "Islamic Theology between Continuity and Change"

Die Ringvorlesung wurde im vergangenen Wintersemester von Professorin Lejla Demiri organisiert. Hier hatten Studierende, Forscher und sonstige Interessierte die Gelegenheit, sich über neue Sichtweisen zum Themenkomplex „Islam im Westen“ zu informieren. Der in diesem Rahmen herausgearbeitete multiperspektivische Blick auf ein Thema, das auch die islamische Theologie in Deutschland betrifft, ist nicht zuletzt der Tatsache geschuldet, dass die eingeladenen Sprecherinnen und Sprecher ihre Erfahrungen und Beobachtungen in anderen Regionen Europas bzw. auch in Übersee gemacht haben. [mehr]


Ankündigungen

Gesprächsforum christlicher und muslimischer TheologInnen


Dr. Vimercati Sanseverino (ZITH, in Vertretung für Dr. Mahmoud Abdallah) und Prof. Jochen Hilberath (Katholisch Theologische Fakultät) laden ein zum Gesprächsforum.


Das gemeinsame Seminar des vergangenen Wintersemesters „Der Glaube der/s Einzelnen und die Gemeinschaft“ hat uns gezeigt, dass der christlich-muslimische Dialog nicht früh genug begonnen und eingeübt werden kann. Dialog sollte nicht erst nach dem Studium und dem Arbeitseinstieg anfangen, sondern parallel zum Studium stattfinden. Hier sind zukünftige Religionslehrer und Geistliche besonders angesprochen. Aus diesem Grund hat Herr Dr. Abdallah zusammen mit Prof. Hilberath ein Gesprächsforum gegründet, welches einen geschützten Raum für gegenseitiges Kennenlernen und inoffiziellen Austausch gewährleisten soll. Die Premiere dieses Forums fand am Dienstag, den 15. April, um 18 Uhr im Weltethos-Institut statt. Das Gesprächsforum ist konzipiert für zukünftige Theologinnen und Theologen, um zu aktuellen und grundsätzlichen Fragen miteinander ins Gespräch zu kommen, und gilt somit als erstes seiner Art. Die Themen sind den Teilnehmenden selber überlassen.


Das nächste Treffen findet am Mittwoch, 25. Juni 2014, um 18 Uhr c.t. im Weltethos-Institut (Hintere Grabenstraße 26) statt. Dazu sind alle Interessierten herzlich eingeladen, vor allem Studierende. Auf ein dialogisches Miteinander freuen sich Dr. Vimercati Sanseverino, Zentrum für Islamische Theologie und Prof. Jochen Hilberath, Institut für Ökumenische und Interreligiöse Forschung.

Ringvorlesung SS 2014

Rationalität und Vernunft im Denken und Leben der Muslime im säkularen und pluralen Kontext
- Konzeptionen islamischer Theologie


Die Etablierung der islamischen Theologie in Deutschland wirft grundlegende Fragen auf über die Art und Weise wie der Islam in einem europäischen Kontext gedacht werden kann. Rationalität, Säkularität und Pluralität bilden die Rahmenbedingungen, in welchen die theologischen Inhalte des Islams sowohl wissenschaftlich nachvollziehbar als auch gesellschaftlich vertretbar darzustellen sind. Um die Fragestellungen, die sich in diesem Zusammenhang ergeben, zu erörtern und entsprechende Ansätze und Entwürfe zu analysieren, organisiert die Nachwuchsforschungsgruppe „Rationalität und Vernunft im Leben und Denken der Muslime im globalen und pluralen Kontext - Konzeptionen islamischer Theologie“ von 2014-2016 jedes Semester eine Ringvorlesung, in der Persönlichkeiten aus verschiedenen wissenschaftlichen und nationalen Horizonten eingeladen werden.
Die erste Ringvorlesung widmet sich einem breit gefächerten Themenfeld, um einen fundierten und informativen Eindruck über die Vielfältigkeit der Zugänge zur islamischen Theologie in Deutschland zu geben:
•hermeneutische Konzepte und Zugänge zu den islamischen Schriftquellen
•das Verhältnis von Vernunft und Offenbarung wie sie in der islamischen Philosophie zum Ausdruck kommt
•die heutige Relevanz des naturwissenschaftlichen Beitrags des Islams
•Bedeutung und Rolle des Sufismus im zeitgenössischen Islam
•die rationale Nachvollziehbarkeit der Sharia-Normen
•die Frage nach der staatlichen Anerkennung des Islams in Europa

Die nächste Veranstaltung findet am 24.06.2014 im Hörsaal des psychologischen Instituts statt. Referieren wird Dr. Franck Fregosi (CNRS) zum Thema "Islam and State in Western Europe: which interactions, policies and purposes?"

Fotoausstellung: Moscheen in Europa – Europäische Moscheen?!

Vom 17. Juni bis 31. Juli 2014 findet im Bonatzbau der Universitätsbibliothek eine Ausstellung des Fotografen Ahmed Krausen statt.

Europa ist ein neues Zuhause für die muslimische Bevölkerung, aber auch zugleich ein altes. Denn es gibt muslimische Minderheiten in Europa, die schon seit Jahrhunderten in Europa leben. Ihre Identität drückt sich z.B. in der Gestaltung von Moscheen, Kleidungen und Friedhöfen aus. In der Geschichte Europas prägten Moscheen das Stadtbild von Cordoba, Sarajevo und Budapest – um nur einige zu nennen.

Krausen dokumentiert mit seinen Fotografien Moscheen in verschiedenen europäischen Ländern und zeigt wie sich die Gotteshäuser an die örtliche Architek­tur anlehnen oder aber sich davon abheben. Die Fotos zeigen die vielfältigen Architekturformen der Muslime auf der ganzen Welt.

Ahmed Krausen wurde 1955 als Eckhard Krausen in Aachen geboren. Er ist freier Fotograf und lebt seit 1978 in Kopenhagen. Krausen hat die verschiedensten Länder in Asien und Afrika bereist und konvertierte 1992 zum Islam. Seit 1997 ist er mit seiner Fotografiedokumentation „Islam in Europa“ beschäftig.

Die Vernissage fand am 17. Juni 2014 statt. Die Ausstellung ist noch bis zum 31. Juli zu sehen.