Philosophische Fakultät

Nachrichtenarchiv

14.04.2015

DEUTUNGSspielRÄUME³ – Mehrdeutigkeit als kulturelles Phänomen

Ringvorlesung Sommersemester 2015, im Rahmen der Reihe STUDIUM GENERALE; organisiert durch das Graduiertenkolleg Ambiguität - Produktion und Rezeption (GRK 1808); jeweils Donnerstags, 18 Uhr c.t., Hörsaal 22, Kuperbau

 

Mehrdeutigkeit (oder auch Ambiguität, Amphibolie, Polysemie) wird im Allgemeinen als ein Phänomen verstanden, dass es zu vermeiden gilt. Mehrdeutiges Sprechen, so scheint es, beinhaltet das Risiko missverstanden zu werden und sollte daher nach Möglichkeit unterlassen werden, möchte der Sprechende ›richtig‹ verstanden werden. Es erscheint spontan unstrittig, dass mehrdeutige Antworten auf gezielte Nachfragen kein zufriedenstellendes Resultat sind. Liefern empirische Erhebungen, wie Experimente oder Umfragen, mehrdeutige Daten, so stellt dies eine besondere Herausforderung für die Auswertung dar oder macht diese im schlimmsten Fall sogar unmöglich. Nur in wenigen Bereichen scheint Mehrdeutigkeit erwünscht zu sein: Sie bietet den Sprechenden die Möglichkeit, gezielt ›doppeldeutig‹ oder ›doppelbödig‹ zu kommunizieren. Daher wird sowohl im Rahmen satirischer, anzüglicher oder witziger Aussagen als auch bei riskanten, moralisch grenzwertigen oder abfälligen Äußerungen vorsätzlich mehrdeutig formuliert.

Bei genauerer Betrachtung zeigt sich jedoch, dass es sich bei dieser Einteilung in zulässige und nicht-zulässige bzw. erwünschte und unerwünschte Mehrdeutigkeit um eine radikale Vereinfachung und in vielen Fällen falsche Darstellung handelt.


Als klassischer Gegenstand der Sprach- und Literaturwissenschaft findet fast die gesamte Auseinandersetzung mit den DEUTUNGSspielRÄUMEN, die sich durch Mehrdeutigkeiten eröffnen, im Bereich der Philologien statt. In dieser Vorlesungsreihe wagen wir nun den interdisziplinären Spagat: Einerseits stellen Sprach-, Kultur- und LiteraturwissenschaftlerInnen ausgewählte Untersuchungsgegenstände vor, die exemplarisch für das künstlerische Potential stehen, das ambige Kommunikation bietet. Andererseits kommen VertreterInnen gerade jener Disziplinen zu Wort, in denen die Auseinandersetzung mit Mehrdeutigkeit oftmals nur eine untergeordnete Rolle spielt (wie zum Beispiel in der Psychologie, der Biologie bzw. Bioinformatik, der Geographie, der Bildwissenschaft und der Rechtswissenschaft). Die Vorträge wenden sich dabei nachdrücklich an HörerInnen aller Fakultäten und an eine breite Öffentlichkeit – statt fachspezifischer Monologe wird der gesellschaftliche Dialog angestrebt. Aus diesem Grund ist die Möglichkeit zur kritischen Diskussion mit den Referenten ein fester Bestandteil der Veranstaltung.

Es ist möglich, die Vorlesung im Rahmen des Flexibilitätsfensters anzurechnen. Das vollständige Programm befindet sich hier.


Zu den Seiten des Graduiertenkolleges gelang Sie hier.

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