Kunsthistorisches Institut

Dr. Marcel Finke

Die komplexe Organisiertheit des Bildes. Zur Materialität der Malerei und des Körpers im Werk Francis Bacons

Am Beispiel der Malerei Francis Bacons (1909-1992) gehe ich der Frage nach, wie die Materialität von Bildern und die Materialität von Körpern als gemeinsame Problemstellung behandelt werden können. Mein Ausgangspunkt ist die Feststellung, dass in Bacons Arbeiten das Nachdenken über den Körper und dessen Verfassung unlösbar mit einer Reflektion von Medienfragen und Bildkonzepten verbunden ist. Aus diesem Grund bietet sich dessen Oeuvre an, um aktuelle Diskussionen aufzugreifen, die sich mit der medialen Erzeugung von Körperbildern sowie mit der Funktionsweise von materiellen Bildern befassen. Im Zentrum meiner Auseinandersetzung stehen die Begriffe Materialität, Körperlichkeit und Bildlichkeit, die hinsichtlich ihrer Wechselwirkungen ausgelotet werden sollen.

Auf der Basis einer Rekonstruktion der künstlerischen Strategien Bacons werde ich dessen Handeln als eine materielle Praxis beschreiben. Der in der Dubliner Hugh Lane Gallery aufbewahrte Atelierinhalt des Künstlers dient dabei als Analyseobjekt. Anhand detaillierter Untersuchungen möchte ich darlegen, inwiefern die Physikalität von Bildern z.B. Faltungen oder Risse im Papier für den Maler immer wieder zum Auslöser für neue Bildfindungen wurde. Davon ausgehend frage ich nach den Konsequenzen für die Darstellung des menschlichen Körpers. Am Beispiel von drei Werkgruppen werde ich unterschiedliche Körperkonzepte diskutieren, um zu verdeutlichen, dass es Bacon nie pauschal um den Körper ging. Es ist vielmehr ein Ziel meiner Arbeit, die verschiedenen Formulierungen von Körperlichkeit im Werk des Künstlers darzulegen.

Publikationsfassung:
Marcel Finke: Prekäre Oberflächen. Zur Materialität des Bildes und des Körpers am Beispiel der künstlerischen Praxis Francis Bacons. Berlin und München 2015.