Prof. Dr. Jörg Robert

Vorhaben

In Vorbereitung: Buchprojekt: Phantasmagorie – Faust als Medientheater

Das Buchprojekt widmet sich Goethes summum opus in einer mediengeschichtlichen Perspektive, die im Kontext meiner Forschungen zu Intermedialität und „Pre-cinema“ steht. Faust transzendiert nicht nur das Drama zum Universaltheater, das Elemente von Singspiel, Oper, Kantate und Oratorium integriert, sondern zum Medientheater, das an protokinematischen Medien wie der Laterna magica die Reflexion auf das Prinzip der Illusion und der Immersion in Gang setzt. Ausgehend von einer Analyse des Eröffnungsgedichts Zueignung, das die phantasmagorische Poetik des gesamten Faust-Projektes in nuce vorwegnimmt, wird Goethe Medienpoetik im Hinblick auf seine frühen Farcen und Faust I, schließlich im Hinblick auf Faust II (Rittersaal-Szene, Helena-Akt) verhandelt. Die Laterna magica ist im Faust als Strukturmotiv und ästhetisch-mediale Reflexionsfigur allgegenwärtig. An ihr und mit ihr entwickelt Goethe eine Analytik des ästhetischen Scheins, die sich einerseits auf frühneuzeitliche Diskurse (Illusion als diabolischer Spuk), andererseits auf medienhistorische Entwicklungen des 19. Jahrhunderts beziehen lässt. Faust erweist sich als medienarchäologischer Schwellentext, der für eine Literaturgeschichte am Leitfaden der Intermedialität fruchtbar gemacht werden soll.

Buchprojekt im Wallstein-Verlag (Reihe: „Kleine Schriftenzur literarischen Ästhetik und Hermeneutik“, hrsg. von Joachim Jacob/Wolfgang Braungart; in Vorbereitung 2019/2020).


Cottas Morgenblatt – Journalpoetik und Globalisierung an der Schwelle zur Moderne

Das im Cotta-Verlag erschienene Morgenblatt für gebildete Stände (1807-1865) ist die erfolgreichste und langlebigste Kultur- und Literaturzeitschrift im deutschsprachigen Raum in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. In den beinahe sechzig Jahren seines Erscheinens bot das Morgenblatt seinen Lesern unter der Maxime „allen etwas“ (so Johann Friedrich Cotta) eine attraktive Mischung aus zeitgenössischer Literatur, Kultur, Wissen und Korrespondenz – zunehmend in einer globalen, auch außereuropäische Räume (Nordamerika, Orient usw.) einbeziehenden Perspektive.

Ziel des Projektes ist es, auf der Grundlage des Gesamtbestandes des Morgenblattes eine neue, mediengeschichtlich fundierte Perspektive auf die Ausbildung des literarischen Feldes des 19. Jahrhunderts zu werfen, in der das Journal eine entscheidende, bislang kaum beachtete Rolle gespielt hat. Im Zentrum des Projektes steht das in zahlreichen Publikationen bereits erprobte Konzept der „Journalpoetik“, das als heuristischer Zugang geeignet ist, die dynamischen Wechselwirkungen zwischen Literatur und Journal zu konzeptualisieren: ‚Journalpoetik’ in diesem Sinne fragt einerseits nach der Poetik des Journals (Selektion, Konstellationen, Kookkurrenzen von fiktionalen und faktualen Texten), andererseits nach der Poetik für das Journal, d.h. nach der Art und Weise, wie das Journal als Zielmedium das Schreiben der Autoren bestimmt (z.B. Konjunktur bestimmter Gattungen, bestimmter Struktur- und Gliederungsmerkmal, bestimmter Themen usw.). Das Projekt wird dabei ausgewählte Fallstudien zu zentralen Autoren und Texten (z.B. Kleist, Heine, Droste-Hülshoff u.a.) mit thematischen Fragestellungen verbinden, die vor allem die globale Perspektive des Morgenblatts (z.B. Nord- und Südamerikaberichte, Exotismus und Orientalismus) beleuchten werden.