Institut für Erziehungswissenschaft

Sozialpädagogiktag 2020

Der diesjährige Sozialpädagogiktag bleibt von den Einschränkungen zur Viruseindämmung nicht unberührt. Nach über 40 Jahren wird der Sozialpädagogiktag in diesem Jahr erstmals nicht als Präsenztagung durchgeführt. Die Kontaktbeschränkungen und die Hygieneregeln, die in allen universitären Einrichtungen gelten, sind in ihrer Umsetzung sehr aufwendig und eine Lockerung dieser Regeln ist nicht absehbar. Da die Organisation des Sozialpädagogiktags immer einen mehrmonatigen Vorlauf erfordert und die weitere Entwicklung für uns nicht abschätzbar ist, haben wir uns als Mitglieder der Abteilung Sozialpädagogik und des Vorstands des Vereins ProSozPäd entschlossen, statt der Präsenztagung ein digitales Format zu entwickeln und allen Interessierten zugänglich zu machen.

Soziale Arbeit in der (Corona-)Krise – Impulse und Verortungen

Interviews mit Wissenschaftler*innen, Fachkräften und Vertreter*innen von Selbstorganisationen
Die Pandemie hat für die Praxis Sozialer Arbeit zu massiven Einschränkungen geführt, deren Konsequenzen bisher erst in Ansätzen sichtbar sind. Soziale Arbeit lebt von Begegnungen in sozialen Interaktionen und ist auf den unmittelbaren persönlichen Kontakt gerade auch in den Bereichen angewiesen, in denen Alltagsnähe die Basis der Arbeit bilden. Die Forderung nach „Sozialer Distanz“ erschwerte und erschwert den Zugang zu vielen Adressat*innengruppen, es mussten Alternativen zu bisherigen Formen der Kontaktaufnahme und Kontaktgestaltung gefunden werden, gleichzeitig war zumindest eine Zunahme an Gefährdungslagen z.B. innerhalb von Familien zu verzeichnen.
Sowohl die Infektionsgefahr als auch die dadurch verordneten massiven Einschränkungen, betreffen Adressat*innen der Sozialen Arbeit in besonderer Weise. Für Adressat*innen in herausfordernden Situationen, die bereits vor Corona sozialarbeiterisch betreut und begleitet wurden und auch für Familien, in denen es im Zusammenhang mit den Einschränkungen zu einer Zunahme von Gefährdungen der Kinder und von Gewalthandlungen kam, müssen alternative Zugänge gesucht und verstärkte Unterstützungsmöglichkeiten geschaffen werden. Hier entwickelten sich aber auch viele kreative Lösungen. Die schnelle und breitflächige Verschiebung des gesellschaftlichen Lebens in digitale Räume ermöglichte eine Beteiligung von Menschen, die zuvor von einer Teilnahme ausgeschlossen waren, so dass sich die Fragen nach dem Potential der Digitalisierung für inklusivere soziale Praxen in einer post-Covid-Welt durchaus stellen lässt!
Neben den Veränderungen, die die Lebensbedingungen von Adressat*innen und den Zugang zu ihnen prägen, rückt die Pandemie auch stärker die Gefährdungen in den Blickpunkt, unter denen die Praxis der Sozialen Arbeit erfolgte und nach wir vor steht. Jenseits der unmittelbaren Einschränkungen in der persönlichen Arbeit waren soziale Einrichtungen durch die Schließungen massiv betroffen, Angebote konnten und können derzeit nicht mehr in der vorher bestehenden Weise weitergeführt werden. Ebenso werden die ausgeprägten gesundheitlichen Gefährdungen sichtbar, denen sich auch Fachkräfte in unterschiedlichen Settings in unterschiedlichem Maße ausgesetzt sehen. Dies sind nur einige Beispiele, die illustrieren sollen, welche Verwerfungen in sozialen Diensten und Einrichtungen derzeit hervorgerufen werden.

Format

Wir wollen diese Entwicklungen zum Ausgangspunkt nehmen, um mit Wissenschaftler*innnen, Praktiker*innen und Vertreter*innen von Selbstorganisationsverbänden daran anschließend weiterführende Fragen und Überlegungen zu diskutieren. In unterschiedlichen Video- und Audioformaten (Aufzeichnung von Interviews mit ausgewählten Personen, Vorträge etc.) möchten wir zu einer Auseinandersetzung mit der aktuellen Situation und ihren Auswirkungen auf die Soziale Arbeit beitragen. Videos, Podcasts und Vortragsaufzeichnungen werden in aufbereiteter Form und in loser Folge in der Zeit von September – Dezember 2020 auf der Website des Sozialpädagogiktags eingestellt. Wenn Sie Interesse daran haben, über die jeweiligen Neueinstellungen informiert zu werden, können Sie sich gerne hier in den Verteiler des Sozialpädagogiktags aufnehmen lassen.