Institut für Medienwissenschaft

Prof. Dr. Martina Thiele

Stellv. Geschäftsführende Direktorin

Prof. Dr. Martina Thiele ist Professorin für Medienwissenschaft mit dem Schwerpunkt Digitalisierung und gesellschaftliche Verantwortung

Universität Tübingen
Medienwissenschaft
Wilhelmstraße 50
72074 Tübingen
Raum 130a

 +49 (0) 7071 29-75302
martina.thielespam prevention@uni-tuebingen.de

 

© Patrick Daxenbichler

Aktuelles

  • Neu erschienen ist der Band geschlecht_transkulturell. Aktuelle Forschungs­perspektiven. https://www.springer.com/de/book/9783658302627 
    Das Buch versammelt aktuelle Forschung aus der Doctorate School geschlecht_transkulturell an der Paris Lodron Universität Salzburg, deren Leiterin Martina Thiele von 2016 bis 2020 war.
  • Die neue Ausgabe der zwei­sprachigen Fach­zeit­schrift Journalistik, die Martina Thiele mitherausgibt, ist erschienen. Darin finden Sie den Debattenbeitrag: Political Correctness und Cancel Culture. Eine Frage der Macht! Plädoyer für einen Perspektivwechsel.
  • Der Theoriepreis der Deutschen Gesellschaft für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft (DGPuK) geht 2021 an Dr. Matthias Händler. Ausgezeichnet wird seine Dissertation Zeichen – Erkenntnis – Kommunikation. Entwurf eines semiotischen Konstruktivismus exemplifiziert anhand der Frage „Was ist ein Bild?“
    Matthias Händler war Doktorand und wissenschaftlicher Mitarbeiter im Tübinger Graduiertenkolleg „Ambiguität – Produktion und Rezeption“. Martina Thiele, die als Vorsitzende der DGPuK-Theoriepreis-Jury, den Preis übergab, unterstrich in ihrer Laudatio die Relevanz der Studie für die Visuelle Kommunikationsforschung: „Zugleich ist Händlers Ansatz eines Semiotischen Konstruktivismus auf Texte im weitesten Sinne anwendbar und bietet - mit Blick auf digitale Kommunikation und Multimodalität – überaus nützliches und bestens aufbereitetes Theoriewissen.“

Sprechstunde im Sommersemester 2021

Bitte wenden Sie sich zur Terminvereinbarung telefonisch oder per Mail unter Nennung Ihres Anliegens an Frau Ute Eberhardt ( 07071/2972346 / ute.eberhardtspam prevention@uni-tuebingen.de)

Das Profil

Die Professur vertritt das Fach Medienwissenschaft in seiner Breite bei gleichzeitiger Profilierung im Bereich Digitalisierung und gesellschaftliche Verantwortung. Die Digitalisierung durchzieht sämtliche Bereiche des Lebens und verändert dabei auch Medienproduktion, -inhalte und -gebrauch grundlegend. Daher ist Medien- und Kommunikationswissenschaft zugleich „Digitalisierungswissenschaft“. Das jedoch nicht erst, seitdem die Digitalisierung ganz weit oben auf der Agenda von Politik und Wirtschaft steht, sondern bereits seit mehr als drei Jahrzehnten. Entscheidend ist aus Sicht einer sozial- und kulturwissenschaftlich fundierten, interdisziplinär verankerten Medienwissenschaft, die Digitalisierung in ihrer technischen und ökonomischen, rechtlichen, ethischen und sozialen Dimension zu fassen, um individuelle wie gesellschaftliche Ursachen und Folgen eines veränderten Medienhandelns zu analysieren und sich am gesellschaftlichen Diskurs zu beteiligen.

Mit diesem Fachverständnis und in dem Wissen, dass Entgrenzungsprozesse beschleunigt stattfinden – sei es zwischen Kommunikator*in und Rezipient*in, Öffentlichkeit und Privatheit, Journalismus und Public Relations, nationalen und transnationalen Medienkulturen oder Information und Unterhaltung – werden am Lehrstuhl zwei Themenbereiche verstärkt bearbeitet: der eine umfasst das Verhältnis von Öffentlichkeiten, Medien, Demokratie und ist stärker auf der Makroebene angesiedelt, der andere fokussiert auf soziale Ungleichheit, auf Inklusion und Exklusion in und durch Medien und nimmt Mikro- und Mesoebene in den Blick. Im Mittelpunkt stehen Wandlungsprozesse durch digital vernetzte Medien, die Formierung von Protestbewegungen und alternativen Öffentlichkeiten, Ein- und Ausschlüsse sozialer Gruppen, Möglichkeiten der Teilhabe, Medienhandeln und Medienaneignung. Die Forschung zu Medien und Stereotypen aus intersektionaler Perspektive ermöglicht, diese Themenbereiche zu verbinden, sie theoretisch zu fundieren und empirisch zu bearbeiten und dabei beispielsweise die Reproduktion von Geschlechterstereotypen und Rassismen durch Algorithmen und Künstliche Intelligenz in den Blick zu nehmen.

Ein wichtiges Anliegen der am Lehrstuhl tätigen Wissenschaftler*innen ist, eine öffentlichkeitstheoretisch fundierte, auf Partizipation zielende, (ideologie-)kritische Haltung innerhalb und außerhalb der Universität zu vertreten und Digitalisierung als vielschichtiges und folgenreiches, dennoch aktiv gestaltbares Phänomen zu kommunizieren. Wissenstransfer soll in mehrere Richtungen erfolgen. Mit der neuen Profillinie „Öffentlichkeit und Verantwortung“ des Tübinger Masterstudiengangs Medienwissenschaft bieten sich vielfältige Chancen, Studierenden und allen interessierten Bürger*innen Kenntnisse über Öffentlichkeiten, Medienkulturen sowie verantwortliches Medienhandeln zu vermitteln mit dem Ziel den gesellschaftlichen Diskurs zu beleben.

Curriculum Vitae

Martina Thiele studierte an der Georg-August-Universität Göttingen Slavische Philologie, Publizistik- und Kommunikationswissenschaft sowie Politikwissenschaft und Germanistik. Am Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft war sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin tätig und promovierte mit einer Arbeit zu „Publizistischen Kontroversen über den Holocaust im Film“. 2001 wechselte sie ans Dortmunder Institut für Journalistik und arbeitete als wissenschaftliche Mitarbeiterin im DFG-Schwerpunktprogramm „Lesesozialisation bei Informationsmedien“. Nebenbei war sie journalistisch und beratend tätig, u.a. für das Mediaconsulting Team.

Von 2003 bis 2020 forschte und lehrte Dr. Martina Thiele am Fachbereich Kommunikationswissenschaft der Paris Lodron Universität Salzburg. Zu ihren Schwerpunkten in Forschung und Lehre zählten Kommunikationstheorien, Mediensysteme im internationalen Vergleich, Kommunikations- und Mediengeschichte, Öffentlichkeiten sowie soziale Ungleichheit in und durch Medien. Ihre Habilitationsschrift „Medien und Stereotype. Konturen eines Forschungsfeldes“ erschien 2015 in der Reihe Critical Media Studies des transcript-Verlages.

Prof. Dr. Martina Thiele war seit 2010 Mitglied und später Vorsitzende des Interdisziplinären Expert*innenrates Gender Studies an der Universität Salzburg. Sie beantragte und leitete von 2016 bis 2020 die vom Land Salzburg geförderte Doctorate School geschlecht_transkulturell. Das Angebot einer Professur für Gender Studies an der PLUS erreichte sie zur selben Zeit wie der Ruf aus Tübingen. Seit Mai 2020 lehrt und forscht Martina Thiele als Professorin mit dem Schwerpunkt Digitalisierung und gesellschaftliche Verantwortung am Tübinger Institut für Medienwissenschaft.

Sonstige (medien-)wissenschaftliche Aktivitäten

Prof. Dr. Martina Thiele ist Mitglied verschiedener Fachgesellschaften (DGPuK, ÖGK, ECREA, IAMCR) und Forschungsnetzwerke. Sie ist Mitherausgeberin der Zeitschrift Journalistik, im Beirat von Medien & Zeit, Global Media Journal, SCM und als Gutachterin weiterer Fachpublikationen tätig. Martina Thiele war von 2007 bis 2011 Sprecherin der DGPuK-Fachgruppe Medien, Öffentlichkeit, Geschlecht, von 2016 bis 2020 Mitglied der Andessner-Jury zur Vergabe von Master- und Dissertationsstipendien, von 2015 bis 2020 im Beirat der Uni 55 PLUS und Mitglied des Geronto-Forschungsnetzwerkes, 2019 Vorsitzende der DGPuK-Theorie-Preis-Jury. 

Abgeschlossene drittmittelgeförderte Forschungsprojekte

Seit 2016 führen Prof. Dr. Martina Thiele und ihr Team jährlich im Auftrag der ORF-Medienforschung und der ORF-Gleichstellungskommission Forschungsprojekte zu Geschlechterkonstruktionen im ORF-Programm durch. Untersucht wurden bislang diverse Magazin-Sendungen, Sportberichterstattung und Nachrichten. 2019 wurde das Gesamtprogramm von ORF1 und ORF2 an einem Stichttag erhoben. Dieses Gender Monitoring zielt auf ein Projekt ähnlich dem 50:50 - Projekt der BBC: die Redaktionen entwickeln gemeinsam mit den Forscher*innen Ansätze für mehr Geschlechtergerechtigkeit in den Redaktionen – und auf dem Bildschirm. 

Zu den mit Drittmitteln geförderten Projekten zählt auch die Doctorate School geschlecht_transkulturell. Das Land Salzburg finanzierte zwei Doktorandinnenstellen über vier Jahre. 

Im Auftrag der Landtagsfraktion der Partei Die Grünen hat Thiele 2019 eine Studie zu Politik und Sprache, Framing und Diskursverschiebungen erstellt. Im Mittelpunkt standen die parlamentarischen Initiativen, Anträge und Anfragen der FPÖ.

Die wichtigsten Publikationen

Vollständige Publikationsliste (Stand  Februar 2021) hier zum Downlaod