Institut für Medienwissenschaft

Drittmittelprojekte

Projekt: Mediale Reflexionen. Bedrohungskommunikation und die US-amerikanische Ordnung nach den Anschlägen vom 11. September 2001 (Teilprojekt G07)

Teilprojektleiter:

Prof. Dr. Klaus Sachs-Hombach, Prof. Dr. Georg Schild, Dr. Jan-Noël Thon

Mitarbeiter:

Vanessa Ossa, David Scheu, Dr. Anne Ulrich

Gefördert durch:

Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG), Sonderforschungsbereich 923 "Bedrohte Ordnungen"

Laufzeit:

01.07.2015 bis 30.06.2019

Die Anschläge auf das World Trade Center und das Pentagon am 11. September 2001 erschütterten amerikanische Ordnungsvorstellungen nachhaltig. Entsprechend lösten sie komplexe Formen von Bedrohungskommunikation aus, die einen Höhepunkt in Präsident George W. Bushs Ausrufung des „War on Terror“ erfuhren. So erhielten die Anschläge auch ihre enorme symbolische Aufladung, die „9/11“ als wirkmächtiges Label der kulturellen Selbstvergewisserung einer sich als bedroht empfindenden Supermacht etablierten. Den Gegenstand des Teilprojektes bildet, ausgehend von diesem exemplarischen Fall, die Rolle der Medien für die kommunikative Konstruktion von Bedrohung. In diesem Rahmen soll das Teilprojekt insbesondere die Frage beantworten, welche spezifischen Funktionen unterschiedliche Medien für die kollektive Wahrnehmung der Anschläge vom 11. September als Bedrohung der etablierten Ordnung und für die sich an diese Bedrohungsdiagnose anschließenden Reflexionen über das amerikanische Selbstverständnis und über die damit zusammenhängenden Möglichkeiten des Re-Ordering erfüllt haben.

Die moderne Bedrohungskommunikation ist dabei in besonderer Weise an den Einsatz von technischen Medien gebunden. Der Einfluss, den Medien für die Dynamik von Bedrohungskommunikationen besitzen, wird sich voraussichtlich noch vergrößern, weil technische Medien – auf Grund ihrer Tendenz zur Intensivierung der zeitlichen, räumlichen, funktionalen und modalen Bezugspunkte – die Diagnose- und Reflexionsprozesse in Bedrohungskommunikationen entscheidend prägen. Diesem besonderen Einfluss der Medien wird das Teilprojekt Rechnung tragen, indem es die wichtigsten medialen Formen und Funktionen vergleichend untersucht. Hierzu werden drei eng miteinander korrespondierende, medien- und geschichtswissenschaftlich ausgerichtete Teiluntersuchungen die medienspezifische Realisierung des Zusammenhangs von Diagnose und Reflexion im Kontext der durch die Anschläge vom 11. September ausgelösten Dynamik der Bedrohungskommunikation analysieren. Diese Analysen verstehen die konkreten politischen, rechtlichen, sozialen und kulturellen Folgen, die sich mit den Anschlägen auf das World Trade Center und das Pentagon eingestellt haben, zugleich exemplarisch als das Ergebnis einer zunehmend professionalisierten und strategisch ausgerichteten Bedrohungskommunikation, deren Multimodalität und Vernetzung nicht zuletzt auch neue Formen der politischen Instrumentalisierung ermöglicht.

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Projekt: Ethik der Werbung in Zeiten des medialen Wandels

Fördernehmer:

Prof. Dr. Guido Zurstiege und Dr. Uta Müller

Mitarbeiter:

Markus Feiks, Jutta Krautter

Gefördert durch:

Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)

Laufzeit:

01.04.2014 bis 31.03.2016

Werbung stellt aus Sicht vieler Beobachter eine problematische Kommunikationsform dar, die großen ethischen Reflexionsbedarf aufwirft. Dieses Forschungsprojekt liefert bezogen auf das Werbesystem Deutschlands Aufschlüsse in Bezug auf die Werteorientierungen von Praktikern und deren Selbstverständnis im Rahmen einer berufsbezogenen angewandten Ethik. Das Forschungsprojekt zielt darauf ab, mit Hilfe der Verzahnung von medienwissenschaftlicher und ethischer Expertise zu erforschen, wie Werbepraktiker ethische Probleme erschließen und mit ihnen umgehen. Es leistet damit einen wichtigen Beitrag zur Weiterentwicklung der Werbeforschung im Allgemeinen sowie der Werbeethik im Besonderen. Antworten auf diese Fragen besitzen hohe gesellschaftliche Relevanz und liefern darüber hinaus in sehr grundlegender Weise wichtige Einsichten zur Beurteilung der Funktionstauglichkeit des Mediensystems der Bundesrepublik Deutschland, auf deren Grundlage die Zielrichtung repräsentativer Nachfolge-Untersuchungen justiert werden kann.

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Projekt: Sowing bad seeds? The effects of a provocative public-service campaign against childhood obesity in a digital media world

Fördernehmer:

Prof. Dr. Guido Zurstiege und Dr. Tino Meitz

Mitarbeiter:

Alexander Ort

Gefördert durch:

Leibniz Gemeinschaft in Kooperation mit der Universität Tübingen, WissenschaftsCampus Tübingen – Bildung in Informationsumwelten

Laufzeit:

01.01.2013 bis 31.12.2014

Das Projekt ist Teil des Forschungsclusters "Overcoming barriers to prevention and treatment of obesity in childhood and adolescence – a digital media approach" am WissenschaftsCampus Tübingen, das sich mit Adipositas in Kindheit und Jugendalter beschäftigt. Als Teil dieses Clusters untersuchen wir im Speziellen Effekte provokativer Präventionskampagnen in digitalen Medien. Hierbei liegt der Forschungsschwerpunkt auf Medienwirkungen und der Medienaneignung dieser Kampagnen.


Adipositas stellt derzeit eine der größten Herausforderungen für das Gesundheitssystem der industrialisierten Länder dar. Die Weltgesundheitsorganisation bezeichnete sie unlängst als „globale Epidemie“. Dieses Forschungscluster beschäftigt sich mit Adipositas in Kindheit und Jugendalter, da dieses Alter einen kritischen Zeitpunkt für deren Entwicklung darstellt. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf den Barrieren wie Ernährungsgewohnheiten, körperliche Aktivität und psychosoziale Faktoren, welche eine Schlüsselrolle in der Entwicklung und Aufrechterhaltung der kindlichen Adipositas spielen. Um Veränderungen im Lebensstil zu unterstützen und sog. „21st century skills“ (Fähigkeiten zum Umgang mit neuen Medien) zu fördern werden digitale Medien genutzt und untersucht. Diese haben im Alltag von Kindern einen wichtigen Stellenwert.

In der ersten Förderperiode wurde die Dekonstruktion des Adipositas-Stigmas untersucht. Es zeigte sich, dass gebräuchliche Messmethoden für stigmatisierende Einstellung nur einen Teil dieser Barriere beschreiben. Mit Hilfe des emotionsbasierten Ansatzes werden sensitivere und spezifischere Maße entwickelt und geprüft, ob diese einen prädiktiven Wert zur Vorhersage des Behandlungsergebnisses aufweisen. Der Effekt provokativer Präventionskampagnen wird in einem zweiten Teilprojekt untersucht. Durch die Weiterentwicklung der App für mobile Geräte mit Tutor/Hilfefunktionen wird kritisches Denken im Rahmen problemzentrierten Lernens gefördert. Um bei normalgewichtigen und adipösen Kindern Wissen über Barrieren zu fördern und die Behandlung zu unterstützen wird ein Lernspiel entwickelt und evaluiert.

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Projekt: Verantwortungszuschreibung und Informationsrezeption: Erfolgsbedingungen einer provokanten Präventionskampagne gegen Adipositas bei Kindern und Jugendlichen

Fördernehmer:

Prof. Dr. Guido Zurstiege

Mitarbeiter:

Alexander Ort

Gefördert durch:

Leibniz-WissenschaftsCampus Tübingen "Bildung in Informationsumwelten"

Laufzeit:

2014-2015

Übergewicht und Adipositas im Kindes- und Jugendalter sind in eine Vielzahl sozialer und institutioneller Kontexte eingebettet. In allen diesen Kontexten interagieren Kinder und Jugendliche in verschiedenen Formen mit relevanten Bezugspersonen z. B. bei der Einnahme von Mahlzeiten, im Rahmen der Freizeitgestaltung, beim Sport oder beim Austausch von Nachrichten auf Facebook und anderen sozialen Medien. In diesem Projekt nehmen wir eine der besonders wichtigen Bezugsgruppen, die Eltern von Kindern und Jugendlichen, in den Fokus. Aufbauend auf den bisherigen Ergebnissen unserer Forschungsarbeit soll die Frage beantwortet werden, wie sich verschiedene Verantwortungsszenarios in Verbindung mit verschiedenen medialen Bewertungen von Gesundheitskampagnen auf die themenbezogene Informationsrezeption von Eltern auswirken.

Projekt: Verantwortungszuschreibung und Informationsrezeption: Erfolgsbedingungen einer provokanten Präventionskampagne gegen Adipositas bei Kindern und Jugendlichen, Teil 2

Fördernehmer:

Prof. Dr. Guido Zurstiege

Mitarbeiter:

n.n.

Gefördert durch:

Leibniz-WissenschaftsCampus Tübingen "Bildung in Informationsumwelten"

Laufzeit:

01.01. - 31.12.2016

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Projekt: Die soziale Ordnung des Anschauungsraumes - Handlungsformen als Grundlage menschlicher Wahrnehmung

Fördernehmer:

Prof. Dr. Klaus Sachs-Hombach
Institut für Medienwissenschaft, Arbeitsbereich Medieninnovation / Medienwandel

Mitarbeiter:

Dr. Claudia Henning

Gefördert durch:

DFG Deutsche Forschungsgemeinschaft

Laufzeit:

01.10.2012 bis 30.09.2015


Die grundlegende Annahme in diesem Projekt besteht darin, dass der Mensch als Kooperationswesen charakterisiert werden kann und sollte. Es wäre hierbei ein Missverständnis, dies lediglich als These über die Einbindung von Individuen der Art homo sapiens in soziokulturelle Bezüge aufzufassen, letztlich also als These über die „Außenverhältnisse“ von mit Blick auf ihre elementaren Fähigkeiten, etwa Wahrnehmung und Intentionalität, grundsätzlich biologisch bestimmten Individuen. Vielmehr betrifft dies den ganzen Menschen. Denn um in menschlichen Gemeinschaften mit anderen koordiniert oder gar kooperativ handeln zu können, muss das die Handlungen leitende Wahrnehmen sowohl zum besonderen kollektiven Modus als auch zu den besonderen normativen Erfordernissen dieses Handelns passen, also zu dem, was man die Erfüllungsbedingungen von Handlungen nennt. Wir schlagen daher eine radikale Blickwendung in der Wahrnehmungstheorie vor und wollen den Begriff der (menschlichen) Wahrnehmung wesentlich kooperationstheoretisch konzipieren. Zentrales Ziel ist zu zeigen, dass und wie Handeln konstitutive Bedingung menschlicher Wahrnehmung sein kann und sein muss. Dabei geht es insbesondere darum, die kooperative und damit normative Formbestimmtheit der Phänomenologie menschlicher Wahrnehmungen und des besonderen Modus menschlichen Wahrnehmens, der Fähigkeit zur gemeinsamen Aufmerksamkeit, zu untersuchen, um auf dieser Grundlage u.a. Aussagen darüber treffen zu können, was es heißt, Wahrnehmungsperspektiven einnehmen, wechseln, abgleichen und konfrontieren zu können, was überhaupt verschiedene Wahrnehmungen zu Wahrnehmungen aus verschiedenen Perspektiven macht, und was alles eine Wahrnehmungsperspektive ausmacht bzw. bestimmt, mithin, was die Individuationsbedingungen bzw. -kriterien von Wahrnehmungsperspektiven sind.