Philosophische Fakultät

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15.11.2015

Tübinger Poetik-Dozentur 2015

Literatur im digitalen Zeitalter

Vom 23. bis 27. November sind Kathrin Passig und Clemens J. Setz zu Gast an der Universität Tübingen

Clemens J. Setz (Foto: Hans Hochstöger/Agentur Focus/Suhrkamp Verlag) und Kathrin Passig (Foto: Jan Bölsche)

Von Staatsquallen, Strahlenkatzen und Literatur: Zur Tübinger Poetik-Dozentur sind in diesem Jahr mit Kathrin Passig und Clemens J. Setz zwei Autoren eingeladen, die mit den Möglichkeiten des World Wide Web experimentieren. Beide verbindet das Nachdenken darüber, wie sich Schreiben und Literatur im digitalen Zeitalter wandeln.

„Wir wollen eine Brücke zu neuen Formen literarischer Produktion schlagen“, erklärt Professorin Dorothee Kimmich, Leiterin der Poetik-Dozentur. „Kathrin Passig und Clemens J. Setz fragen beide nach dem schöpferischen Potential von Texten im Internet, nach neuen Formen der Autorenschaft und anderen Möglichkeiten, Literatur zu rezipieren.“ Beide stünden stellvertretend für eine neue Generation von Autoren, die versuche, ein Publikum, das für sich für tradierte literarische Formen kaum oder gar nicht interessiere, über neue Kommunikationsformen zu erreichen. „Trotz neuer Ausdrucksformen geht bei Autoren wie Kathrin Passig oder Clemens J. Setz nichts an literarischer Substanz verloren, weil sie die digitalen Möglichkeiten mit einer hohen Kreativität verbinden“, sagt Kimmich.

Kurzbiografien:

Clemens J. Setz, geboren 1982, lebt und schreibt in Graz. 2007 erschien sein Debütroman Söhne und Planeten. Für Die Liebe zur Zeit des Mahlstädter Kindes erhielt er 2011 den Preis der Leipziger Buchmesse. Die Jury würdigte den Erzählband als „ein düsteres, mit Überraschungen aufwartendes Prosalabor“. Der darauffolgende Roman Indigo wurde 2012 – ebenso wie sein Buch Frequenzen – für den Deutschen Buchpreis nominiert. Voller vermeintlicher Quellenangaben und Bildbelege, entpuppt sich diese Geschichte als „eine große Erzählung über fingierte Wirklichkeit“ (FAZ). Neben Prosatexten veröffentlichte Setz auch den Gedichtband Die Vogelstraußtrompete (2014) und versuchte sich an „QuickType-Poesie“ (Suhrkamp Logbuch). Sein neuester Roman Die Stunde zwischen Frau und Gitarre erschien im September 2015. Dazu kann man auf einem „Blog für Betreutes Lesen“ bis Weihnachten rund 40 unterschiedliche Rezensionen und Erfahrungsberichte erkunden. Für Die Stunde zwischen Frau und Gitarre wurde der Autor mit dem diesjährigen Wilhelm Raabe-Literaturpreis ausgezeichnet.

Kathrin Passig, geboren 1970, ist Mitbegründerin der Zentralen Intelligenz Agentur und Redakteurin des Weblogs Riesenmaschine, der 2006 mit dem Grimme Online Award ausgezeichnet wurde. 2006 erhielt sie für ihre erste literarische Arbeit Sie befinden sich hier den Bachmannpreis. Ihre Sachbücher wie Lexikon des Unwissens (2007, mit Aleks Scholz) oder Internet – Segen oder Fluch (2012, mit Sascha Lobo) wurden Bestseller. Die Berlinerin experimentiert mit digitalen Möglichkeiten, so dokumentiert sie den technischen Alltag in einem Online-Tagebuch (www.techniktagebuch.de) oder gibt Literatur- und Filmempfehlungen mithilfe „automatischer Kulturkritik“ (www.riesenmaschine.de). Sie bezeichnet sich selbst als „Sachbuchautorin und Sachenausdenkerin“ (NZZ).

Die Termine im Überblick:

Montag, 23. November, um 20 Uhr in der Alten Aula (Münzgasse 22-30, 72070 Tübingen)

Vorlesung Clemens Setz: Strahlenkatzen und Literatur

Dienstag, 24. November, um 20 Uhr in der Alten Aula (Münzgasse 22-30, 72070 Tübingen)

Vorlesung Clemens Setz: „Der Tag begann in der Sub-Luft“. Über Schreibanlässe

Mittwoch, 25. November, um 20 Uhr in der Alten Aula (Münzgasse 22-30, 72070 Tübingen)

Vorlesung Kathrin Passig: Schreibende Staatsquallen

Donnerstag, 26. November, um 20 Uhr in der Alten Aula (Münzgasse 22-30, 72070 Tübingen)Vorlesung Kathrin Passig: Heute einmal mit Maschine

Freitag, 27. November, um 20 Uhr im Leibniz-Institut für Wissensmedien (IWM) (Schleichstraße 6, 72076 Tübingen)

Diskussionsrunde mit Kathrin Passig und Aleks Scholz: Schrittgeschwindigkeit im gesamten Objekt

Sonntag, 22. November, um 11 Uhr in der Kunsthalle Würth, Schwäbisch Hall

Lesung Clemens Setz, Anmeldung unter Kunsthalle[at]wuerth.com.


Die Tübinger Poetik-Dozentur ist ein Projekt der Stiftung Würth. Sie wird seit 1996 am Deutschen Seminar der Universität Tübingen ausgerichtet. Einmal im Jahr werden Autoren eingeladen, die öffentliche Vorlesungen halten sowie Seminare und Workshops für Studierende der Universität anbieten. Zu Gast waren unter anderem bereits Hans Magnus Enzensberger, Christoph Ransmayr, Raoul Schrott, Jonathan Franzen, Daniel Kehlmann, Juli Zeh, Feridun Zaimoğlu, Ilija Trojanow, Péter Esterházy, Terézia Mora, Brigitte Kronauer, Lars Gustafsson, Ruth Klüger, Amos Oz und Herta Müller.

Die Veranstaltung steht allen Interessierten offen, der Eintritt ist frei. Informationen unter www.poetik-dozentur.de

Kontakt:

Caroline Merkel
Universität Tübingen
Philosophische Fakultät
Deutsches Seminar, Poetik-Dozentur
Tel.: +49-7071-29-74261
Fax: +49-7071-29-5962
caroline.merkel[at]uni-tuebingen.de

Prof. Dr. Dorothee Kimmich
Universität Tübingen
Philosophische Fakultät
Deutsches Seminar, Poetik-Dozentur
Telefon +49 7071 29-75323
dorothee.kimmich[at]uni-tuebingen.de

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