Hector-Institut für Empirische Bildungsforschung

Tag der Zeitzeug:innen 2025

1. und 2. Oktober 2025

„Erinnern und Demokratie – Tag der Zeitzeug:innen in Tübingen“  

Projektbericht über den Tag der Zeitzeug:innen – Förderung durch den Unibund Tübingen

Der „Tag der Zeitzeug:innen“ widmete sich 35 Jahre nach der deutschen Einheit unter der Überschrift „Erinnern und Demokratie“ der deutsch-deutschen Geschichte. Lebhaft, auch kontrovers und zuweilen emotional wurde an den beiden Tagen von den 100 bis 130 Teilnehmenden aus der Wissenschaft und der historisch-politischen Bildung über die in den Vorträgen und Podien aufgeworfenen Thesen diskutiert. In Tandem-Vorträgen kamen sowohl historische und soziologische Perspektiven (Prof. Dr. Detlef Pollack und Prof. Dr. Christina Morina), als auch emotionale und kommunikative Sichtweisen auf die Zeit der Teilung und die Transformationszeit (Prof. Dr. Dirk Oschmann und Dr. Anna Lux) zu Wort sowie – am zweiten Tag – die Perspektiven der Geschichtsdidaktik und der Erinnerungskultur (PD Dr. Heinrich Ammerer und Prof. Dr. Aleida Assmann). Die Podien und Tandem-Vorträge wurden von den Sponsoren und Kooperationspartnern (Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, Stiftung Berliner Mauer, Archiv „Deutsches Gedächtnis“) der „Generationen“-Projekte moderiert. Nine-Christine Müller, die in ihren Podcasts zur ostdeutschen Identität berichtet, moderierte überaus professionell die Gesamtveranstaltung, deren Programm hier abrufbar ist.

Einen zentralen Bezugspunkt der Veranstaltung stellten die Interviewstudien mit der „Generation 1975“ und der „Generation Mauerbau“ dar, in denen Menschen aus Ost- und Westdeutschland befragt worden sind. In den „Generationen“-Projekten – unter der Leitung von Dr. Christiane Bertram, Universität Tübingen – werden die Interviews vielfältig für Forschung, Bildung und Transfer genutzt. So wird am Hector-Institut für Empirische Bildungsforschung untersucht, welche Wirkung Zeitzeug:innen bei den Rezipient:innen entfalten. Zentrale Ergebnisse hierzu stellten Prof. Dr. Ulrich Trautwein, Dr. Lisa Zachrich und Katharina Totter vor. Das Zentrum für Schulqualität und Lehrerbildung (ZSL) in Baden-Württemberg hingegen präsentierte, wie mit den Videos, die auf dem Generationenportal bereitgestellt werden, im Geschichtsunterricht gearbeitet wird. Am Abend fand die Premiere der Videoinstallation „Eine Sache der Deutschen“ statt, Teil der Wanderausstellung „Generationen verbinden“, die 2025 bis 2027 durch Ost-und Westdeutschland tourt. Eingeleitet wurde die sehr gut besuchte öffentliche Abendveranstaltung von Prof. Dr. Monique Scheer, Empirischen Kulturwissenschaft an der Universität Tübingen, mit einem sehr erhellenden Vortrag über den schwierigen Begriff des „Volks“ als Demos und Ethnos.

„Demokratie braucht Erinnerung – nicht als Last, sondern als Ressource“. Dieser Wunsch von Aleida Assmann konnte an diesen beiden Tagen durch die Förderung durch den Universitätsbund Tübingen und weiterer Sponsoren zur Realität werden. Die Tagung bot den Platz für einen wertschätzenden Austausch zwischen Menschen unterschiedlicher Herkünfte, Disziplinen und Professionen über die „geteilten“ Erinnerungen an die gemeinsame deutsch-deutsche Geschichte.

Kontakt

Dr. Christiane Bertram
07071/29-74135
christiane.bertram@uni-tuebingen.de 

Organisation

Ort
Alte Aula, Universität Tübingen

Zielgruppen

  • Teil 1: Lehrkräfte, Forschende, Multiplikator:innen der historisch-politischen Bildung
  • Teil 2: Interessierte Öffentlichkeit
  • Teil 3: Lehrkräfte, Forschende, Multiplikator:innen der historisch-politischen Bildung
     

Programm

Die Erinnerungen an die Teilung und Wiedervereinigung Deutschlands sind für Menschen, die Ost- bzw. Westdeutschland aufgewachsen sind, sehr unterschiedlich. Geschichts-, Sozial- und Kulturwissenschaften erforschen die Zeit der Teilung, den Verlauf der Transformationszeit und die Auswirkungen auf die Gesellschaft. Die Geschichtsdidaktik und die Bildungsforschung untersuchen hingegen, wie Zeitzeug:innenberichte sinnvoll in Bildungskontexte eingebettet werden können. Die Tagung ermöglicht und fördert den Austausch und die Vernetzung zwischen verschiedenen Akteur:innen in der historisch-politischen Bildung und Forschung.

Namhafte Expert:innen zum deutsch-deutschen Diskurs, z.B. Prof. Dr. Detlef Pollack (Religionssoziologe), Prof. Dr. Monika Oberle (Politikdidaktik), Prof. Dr. Christina Morina (Zeitgeschichte), Prof. Dr. Dirk Oschmann (Literaturwissenschaft) und Dr. Anna Lux (Geschichte und Soziologie) werden mit Lehrkräften und Mulitplikator:innen der historisch-politischen Bildung diskutieren. 

 

Übersicht:

Zum Programm

Teil 1: Erinnern an die deutsch-deutsche Geschichte als Demokratiebildung
Fachtagung
1. Oktober, 9:00–17:00 Uhr
Fachtagung
1. Oktober, 9:00–17:00 Uhr

Programm:  1. Oktober 2025

Teil 1: 1. Oktober, 9:00–17:00 Uhr
Erinnern an die deutsch-deutsche Geschichte als Demokratiebildung

Fachtagung | Anmeldung notwendig | Zielgruppe: Forschende, Multiplikator:innen der historisch-politischen Bildung, Lehrkräfte | Moderation: Nine-Christine Müller

9:00–09:45 | Begrüßung und Einstieg in das Thema

  • Rektorat Universität Tübingen (Prof. Dr. Samuel Wagner, Prorektor)
  • Hector-Institut für Empirische Bildungsforschung (Prof. Dr. Ulrich Trautwein, Direktor)
  • Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur (Dr. Robert Grünbaum)
  • Stiftung Berliner Mauer für die Kooperationspartner (Dr. Sarah Bornhorst)

09:45–10:30 | Erzählweisen in der “Genera5on 1975”: Von der Forschung in die Praxis
Moderation: Dr. Almut Leh, FernUniversität in Hagen 

  • Dr. Christiane Bertram, Universität Tübingen: Stereotype und Erzählweisen in der „Generation 1975“. Wie über die deutsch-deutsche Geschichte erzählt wird.
  • Thomas Schmid, Zentrum für Schulqualität und Lehrerbildung: Wie mit den Erzählweisen der “Genera:on 1975” historisch denken gelernt wird.

10:30–11:00 | Kaffeepause & Poster & Büchertische

11:00–12:00 | Transformationszeit im Osten und Westen Deutschlands
Moderation: Dr. Markus Bultmann, Zentrum für Schulqualität und Lehrerbildung Baden-Württemberg

  • Prof. Dr. Detlef Pollack, Universität Münster: Das „Volk“ in Ostdeutschland: Opfer oder Akteur der deutschen Einheit? 
  • Prof. Dr. Christina Morina (Universität Bielefeld): „Tausend Aufbrüche“: Deutsch-deutsche Demokratieerfahrungen seit den 1980ern.
     

12:00–12:30 | Angebote der historisch-politischen Bildung zu „Erinnern und Demokratie“
Moderation: Nine-Christine Müller

  • Pitch der Kooperationspartner:innen und Multiplikator:innen (jeweils 2 Minuten) 
  • Posterpräsentation im Veranstaltungsraum während der ganzen Veranstaltung

12:30–13:30 | Mittagessen & Poster & Büchertische

13:30–14:30 | Emotionen im Osten und Westen zur deutsch-deutschen Geschichte
Moderation: Katharina Hochmuth, Bundesstiftung zur Aufarbeitung SED-Diktatur

  • Prof. Dr. Dirk Oschmann, Universität Leipzig: „Der Osten – eine westdeutsche Erfindung“
  • Dr. Anna Lux, Universität Freiburg: „Ost trifft West. Umbrüche und Populärkultur"

14:30–15:30 | Perspektiven der Empirischen Bildungsforschung
Moderation: Dr. Christiane Bertram

  • Prof. Dr. Ulrich Trautwein (Universität Tübingen): Bildung und Demokratie – Welchen Beitrag kann die Empirische Bildungsforschung leisten – welchen kann sie nicht leisten? 
  • Katharina Totter & Dr. Lisa Zachrich (Universität Tübingen). Historisches Lernen mit Zeitzeug:innen und die Rolle der wahrgenommenen „Aura“. Eine randomisierte und kontrollierte Feldstudie (gefördert durch die DFG).  

15:30–16:00 | Kaffeepause & Poster & Büchertische

16:00–17:00 | Podiumsdiskussion: Zeitzeug:innenschaft heute. Warum werden im 21. Jahrhundert Lebensgeschichten erzählt und warum wird zugehört? 
Moderation: Dr. Sarah Bornhorst, Stiftung Berliner Mauer

  • Markus Achtélik, „Generation 1975“, Ost-Berlin
  • Nimet Leone, „Generation Mauerbau“, Baden-Württemberg
  • Nora Oehmichen, Teachers For Future Germany e.V.
  • Katharina Hochmuth, Bundesstiftung Aufarbeitung der SED-Diktatur

17:00–18.30 | Ende des Fachtags
Zur freien Verfügung, z.B. Markt der Möglichkeiten oder „Walk to talk“ (Stadtspaziergang)
 

Teil 2: Öffentliche Abendveranstaltung
Vernissage der Videoinstallation
1. Oktober, 18.30–20.30 Uhr

Vernissage der Videoinstallation „’Eine Sache der Deutschen’ - Wen betrifft die Geschichte der Wiedervereinigung?“

Zielgruppe: Interessierte Öffentlichkeit, Anmeldung notwendig
Moderation: Nine-Christine Müller

18:30–19:00 | Einführung 
Prof. Dr. Monique Scheer, Universität Tübingen: „Das Volk – ein schwieriger Begriff. Verschiedene Herkünfte – geteilte Erinnerungen?“

19:00–20:00 | Vernissage der Videoinstallation „’Eine Sache der Deutschen’ - Wen betrifft die Geschichte der Wiedervereinigung?“ 
Mit den Videokünstler:innen Ina Rommee und Stefan Krauss

20:00–20:30 | Podiumsdiskussion zu der Videoinstallation

  • Ibraimo Alberto, Ost-Berlin/Mosambik, „Generation Mauerbau“
  • Katharina Franke, Baden-Württemberg/Brandenburg, „Generation 1975“
  • Stefan Krauss (KRRO Film)

Ab 20:30 | Empfang und Buffet
 

Teil 3: Erinnern und Demokratiebildung – Wie kann es gelingen?
2. Oktober, 9:00–17:00 Uhr

Programm: 2. Oktober

Vernetzungstag für Multiplikator:innen, Forschende, Lehrkräfte und Zeitzeug:innen

Gesamtmoderation: Dr. Christiane Bertram & Dr. Lisa Zachrich

9:00 | Ankommen und ins Gespräch kommen
Moderation: Dr. Christiane Bertram & Dr. Lisa Zachrich
Chancen von Zeitzeug:innen, Risiken von Zeitzeug:innen, Erfahrung mit Zeitzeug:innen

09:30: Erinnern als Chance für das historisch-politisches Lernen
Moderation: Dr. Gerhard Sälter, Bundesarchiv-Stasi-Unterlagen-Archiv

  • Prof. Dr. Aleida Assmann, Universität Konstanz: „Die Macht der Erinnerung“
  • PD Dr. Heinrich Ammerer, Universität Salzburg: „Die Macht des Geschichtsbewusstseins“

10:30–11:00 Uhr: Kaffeepause & Poster & Büchertische

11:00–12:00 „Generationenportal“ – Angebote auf dem Landesbildungsserver
Moderation: Dr. Stefan Schipperges, ZSL Baden-Württemberg

  • Florian Hellberg, ZSL Baden-Württemberg: Einführung in das „Generationenportal“  
  • Nora Mussler, ZSL Baden-Würlemberg: Einblick in die Unterrichtseinheiten und –materialien  

12:00–13:00 Uhr: Podiumsdiskussion (Thesen für das World-Café)
Leerstellen und Herausforderungen in der Thematisierung der deutsch-deutschen Geschichte 
Moderation: Prof.*in Dr.*in Heike Radvan, Universität Tübingen

  • Silvana Hilliger, Referentin für Bildung bei der Beauftragten des Landes Brandenburg zur Aufarbeitung der Folgen der kommunistischen Diktatur
  • Dr. Konstantin Broese, Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg
  • Dr. Juliette Brungs, AMCHA Deutschland e.V.

13:00–14:00 Uhr: Mittagessen & Poster & Büchertische

14:00–15:30 Uhr: World Café (Aufgreifen der Podiumsdiskussion)
Leerstellen und Herausforderungen in der Thematisierung der deutsch-deutschen Geschichte
Moderation: Dr. Rolf Frankenberger, Universität Tübingen

  • Antsemitismus gestern und heute im Osten und Westen Deutschlands (mit Dr. Juliele Brungs)
  • Arbeit mit Zeitzeug:innen bei der Aufarbeitung der SED-Diktatur (mit Silvana Hilliger)
  • Politische Bildung und Rechtsextremismus in Baden -Württemberg (mit Konstantin Broese)

15:30–16:00: Kaffeepause, Poster und Büchertische

16:00–17:00 Uhr: Abschlussplenum 
Moderation: Dr. Christiane Bertram & Dr. Stefan Schipperges
Was nehmen Sie mit? Was hat Ihnen gefehlt? Wie können wir weitermachen?

 


Die Lebensgeschichten von Zeitzeug:innen berühren emotional, sie irritieren, sie schaffen Verbindungen oder können Orientierung stiften. Vor allem aber fördert der Austausch über verschiedenen Erinnerungen an eine gemeinsam erlebte Zeit das Verständnis für andere Perspektiven – eine zentrale Fähigkeit für das Zusammenleben in einer Demokratie.“

Christiane Bertram


Projektbeteiligte

Initiiert und organisiert durch das Hector-Institut für Empirische Bildungsforschung, Universität Tübingen, von Christiane Bertram und Lisa Zachrich.

Kooperationspartner:

  • Zentrum für Schulqualität und Lehrerbildung (ZSL) Baden-Württemberg
  • Stiftung Berliner Mauer
  • IRex
  • Archiv Deutsches Gedächtnis

 

 

 

 

 

Dieses Projekt ist gefördert durch die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur

Weitere finanzielle Unterstützung:

  • Universitätsbund Tübingen
  • Stiftung Berliner Mauer
  • Institut für Rechtsextremismus (IRex), Universität Tübingen
  • Zentrum für Schulqualität und Lehrerbildung (ZSL) Baden-Württemberg
  • Gegen Vergessen für Demokratie e.V.