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13.08.2026
Langzeitstudie zu Prokrastination: Wie sich Aufschiebeverhalten über 18 Jahre verändert
Das freiwillige Aufschieben beabsichtigter Aufgaben trotz des Wissens um mögliche negative Konsequenzen – kurz: Prokrastination – ist ein weit verbreitetes Phänomen. Während sich die bisherige Forschung vor allem auf Prokrastination in spezifischen Situationen konzentrierte, blieb die Stabilität und Veränderung dieses Verhaltens über längere Lebenszeiträume bislang weitgehend unerforscht. Eine neue 18-jährige Längsschnittstudie liefert nun wichtige Erkenntnisse zu dieser Frage.
Die Forschenden untersuchten in einer großen Stichprobe junger Erwachsener in Deutschland, die seit dem Abitur begleitet wurden, die Stabilität und Veränderung von Prokrastination, ihre Zusammenhänge mit den Persönlichkeitsmerkmalen Gewissenhaftigkeit und Neurotizismus sowie ihre langfristigen Folgen. Die Ergebnisse zeigen, dass Prokrastination über die Zeit etwas weniger stabil ist als die grundlegenden Persönlichkeitsmerkmale Gewissenhaftigkeit und Neurotizismus. Zugleich nimmt das Aufschiebeverhalten im Durchschnitt mit zunehmendem Alter ab. Darüber hinaus zeigte sich, dass Prokrastination zwar eng mit niedriger Gewissenhaftigkeit und hohem Neurotizismus zusammenhängt, sich jedoch als eigenständiges Konstrukt von beiden Persönlichkeitsmerkmalen abgrenzen lässt. Veränderungen in der Gewissenhaftigkeit und im Neurotizismus gingen zudem eng mit Veränderungen im Prokrastinationsverhalten einher.
Eine zentrale Erkenntnis der Studie betrifft die langfristige Bedeutung von Prokrastination für verschiedene Lebensbereiche. Sowohl das Ausmaß der Prokrastination zum Zeitpunkt des Schulabschlusses als auch ihre Entwicklung über die folgenden Jahre sagten zahlreiche spätere Lebensergebnisse bis zu 18 Jahre nach der ersten Erhebung vorher. So war eine stärkere Neigung zum Aufschieben mit einem späteren Eintritt in den Arbeitsmarkt verbunden. Darüber hinaus sagte Prokrastination spätere Ergebnisse in den Bereichen Bildung, Beruf, Partnerschaft, Gesundheit sowie im Umgang mit pandemiebedingten Herausforderungen voraus.
Die Studie zeigt, dass Prokrastination kein unveränderliches Merkmal ist, sondern sowohl Stabilität als auch Veränderung über die Zeit aufweist. Gleichzeitig unterstreichen die Befunde die Bedeutung dieses Verhaltens für wichtige Lebensbereiche im jungen Erwachsenenalter. Mit ihrem außergewöhnlich langen Beobachtungszeitraum leistet die Studie einen wertvollen Beitrag zum Verständnis der langfristigen Entwicklung von Prokrastination und ihrer Bedeutung für den Lebensverlauf.
Publikation
Bäulke, L., Roberts, B. W., Nagengast, B., & Trautwein, U. (2026). Once a procrastinator, always a procrastinator? Examining stability, change, and long-term correlates of procrastination during young adulthood. Journal of Personality and Social Psychology, 130(3), 550–568. https://doi.org/10.1037/pspp0000591
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Kristina Laube
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