Hector-Institut für Empirische Bildungsforschung

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13.08.2026

Wie Ziele, Leistung und Gefühle beim Lernen zusammenspielen

Schüler:innen bei den Hausaufgaben.

Selbstreguliertes Lernen umfasst das Setzen von Zielen, die Bearbeitung von Aufgaben und die anschließende Bewertung der eigenen Leistung. Obwohl diese Prozesse gut beschrieben sind, blieb bislang offen, wie sie über die Zeit hinweg konkret zusammenwirken. Lin und Kolleg:innen (2026) schlagen hierzu ein computergestütztes Modell vor, das Zielsetzung, Leistung und Emotionen systematisch miteinander verknüpft und ihre Wechselwirkungen über mehrere Lernphasen hinweg analysiert. Grundlage ist dabei die Abweichung zwischen Ziel und tatsächlicher Leistung (goal–performance discrepancy, GPD), die als zentraler Mechanismus für Anpassungsprozesse dient.

Die Ergebnisse aus zwei Datensätzen – einer experimentellen Matheaufgabe und einer Lern-App zur Prüfungsvorbereitung – zeigen, dass Lernende ihre Ziele kontinuierlich anpassen. Höhere Zielsetzungen gehen im Durchschnitt mit besseren Leistungen einher. Gleichzeitig reagieren Lernende differenziert auf Erfolg und Misserfolg: Während im experimentellen Setting nach Zielverfehlung eher niedrigere Ziele gesetzt wurden, erhöhten Lernende im Prüfungskontext ihre Zielwerte, vermutlich um ein übergeordnetes Ziel wie das Bestehen der Prüfung zu erreichen. Diese Befunde sprechen für eine flexible und kontextsensitive Zielanpassung.

Eine zentrale Rolle spielen dabei Emotionen. Sie entstehen nicht nur als Reaktion auf Leistung, sondern beeinflussen auch zukünftige Zielsetzung und Leistung. Insbesondere Freude sagt konsistent höhere Zielsetzungen voraus, wirkt jedoch je nach Kontext unterschiedlich auf die Leistung: In der experimentellen Aufgabe steht sie mit geringerer Leistung in Zusammenhang, im Prüfungskontext hingegen mit besserer Leistung. Die Ergebnisse legen nahe, dass emotionale Effekte vom wahrgenommenen Wert und der Bedeutung einer Aufgabe abhängen.

Die Studie zeigt damit, dass sich selbstreguliertes Lernen als System wechselseitiger Rückkopplungen beschreiben lässt. Methodisch trägt sie dazu bei, solche Dynamiken präziser zu modellieren. Einschränkend ist jedoch zu sagen, dass nur ausgewählte Emotionen berücksichtigt wurden und das Modell auf erwachsene Lernende beschränkt bleibt. Für Forschung und Praxis unterstreichen die Befunde die Bedeutung, Zielsetzung, Leistungsrückmeldung und emotionale Prozesse gemeinsam zu betrachten.

 

Publikation

Lin, W. M., FitzGibbon, L., Theobald, M., Breitwieser, J., Brod, G., Murayama, K. & Sakaki, M. (2026). The dynamic interplay between goal setting, performance, and emotions in self-regulated learning: A computational modeling approach. Journal of Educational Psychology, 118(5), 811–828. https://doi.org/10.1037/edu0001022 

 

Pressekontakt

Kristina Laube 
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