Uni-Tübingen

Veranstaltungen

Sie planen eine Veranstaltung zu Gegenwartsliteratur, Musik, bildender oder performativer Kunst, Medienkunst oder transdisziplinärer künstlerischer Forschung an der Universität Tübingen? Gerne nehmen wir passende uniinterne Aktivitäten in unseren Veranstaltungskalender auf.

Der Kalender kündigt aktuelle, universitätsnahe Projekte mit zeitgenössischer, experimenteller oder forschungsbezogener Ausrichtung an. Dazu zählen etwa Ausstellungen, Performances, Lesungen, Konzerte, Festivals, Lecture-Performances oder künstlerisch-wissenschaftliche Symposien.


Tomas Venclova – Der magnetische Norden

Lesung und Gespräch


Mittwoch, 16. September 2026, 18 Uhr
Lyrikhandlung am Hölderlinturm, Bursagasse 15
Eintritt für Lesung, Brot und Wein: 20 € (15 € ermäßigt)

Um Anmeldung wird gebeten an infospam prevention@lyrikhandlung.de.

Er hat sie alle noch gekannt: Joseph Brodsky und Czesław Miłosz ebenso wie Wisława Szymborska, Anna Achmatowa, Boris Pasternak und die sowjetischen Dissidenten. Als Kind erlebte Tomas Venclova die Okkupation seiner Heimat – erst durch die Sowjets, dann durch die Nazis. Er ging nach Leningrad, lernte Sprachen, befasste sich mit der modernen Poesie und geriet als Übersetzer und Dichter früh ins Visier des KGB. 1976 gehörte er zu den Mitbegründern der litauischen Helsinki-Gruppe für Menschenrechte. Während eines Aufenthaltes in den USA wurde ihm 1977 die sowjetische Staatsbürgerschaft entzogen. Er lehrte bis 2012 an der Yale University und lebt seit 1990 auf zwei Kontinenten – ein Emigrant, der am unabhängigen Litauen zu viel auszusetzen hatte, um in sein Heimatland zurückzukehren, und sein Exil als “Glücksfall” empfand.

Im Gespräch mit seiner Dichterkollegin und Übersetzerin Ellen Hinsey rekapituliert er sein Leben und lässt das 20. Jahrhundert wiederauferstehen: Ob es um Freundschaften geht oder um Fragen der Poesie, ob er über die Politik der Großmächte oder über die verwickelte Geschichte Mittelosteuropas spricht – Venclovas Klugheit und Selbstironie geben dieser großen europäischen Erzählung von Entwurzelung und Heimatlosigkeit etwas heiter Gelassenes.

Eine Veranstaltung des Slavischen Seminars der Uni Tübingen in Kooperation mit der Lyrikhandlung am Hölderlinturm, dem Kompetenzzentrum für Ost-, Südost- und Mitteleuropa (KOSME) und dem Studio Literatur und Theater.

Lesung und Gespräch 19. September 2026, 11-13 Uhr Stadtmuseum Tübingen Eintritt frei, um Spenden wird gebeten

Lesung mit Gloria Boateng

Ein Leben in Armut in Ghana, die Migration nach Deutschland, Mutter abgeschoben, geliebter Großvater verstorben und plötzlich Pflegekind. Das war nur der Anfang von Glorias aufregendem Leben. Denn ihr weiterer Weg war mit vielen anderen Hürden gepflastert: Rassistische Angriffe, Schwangerschaft in der Schulzeit, fehlende Unterstützung durch Mitmenschen u.v.m. Heute ist Gloria Lehrerin, Moderatorin, Autorin, Coachin, Mutter, eine vielseitig ehrenamtlich Engagierte und unfassbar glücklich!

Glorias Geschichte ist eine, die zeigt: Vielfalt ist ein großer Gewinn für unsere Gesellschaft, für uns alle! Die Lesung mit Musik und west-afrikanischer Verpflegung macht den Schatz erlebbar, der in unsererer Vielfalt steckt. Gemeinsam finden wir im Gespräch heraus, was unsere vielfältige Gesellschaft braucht und was jede*r von uns beitragen kann.

Diese Veranstaltung findet in Kooperation mit dem Stadtmuseum Tübingen statt. Sie wird gefördert im Rahmen von TAKT – Tübingen aktiv gegen Diskrimminierung.


Filmvorführung und Diskussion mit den Autor*innen Prof. Dr. Jurij Schapowal und Irina Schatochina

Donnerstag, 16.07.2026 • 18:00 Uhr
Kino Museum • Am Stadtgraben 2
Freier Eintritt

Der aus einer ukrainischen Bauernfamilie stammende Oleksandr Dowschenko (1894–1956) gehört zusammen mit Sergej Eisenstein zu den wichtigsten Regisseuren des frühen sowjetischen Films und gilt als Gründer des poetischen Kinos. Obwohl Dowschenko den kommunistischen Filmkanon mit schuf, ging er gleichzeitig bis an die Grenzen des politisch Möglichen, um ein realistisches Bild der Widersprüche des stalinistischen Systems zu vermitteln. Sein Leitmotiv blieb die Darstellung seiner ukrainischen Heimat mit ihren Landschaften, Traditionen und Zukunftsversprechen. Damit inspirierte Dowschenko viele Kulturschaffende und leistete einen Beitrag zur Herausbildung eines ukrainischen Nationalbewusstseins. Besonders seine von 1928 bis 1930 produzierte Ukraine-Trilogie (Swenigora, Arsenal und Erde) erlangte im westlichen Ausland große Popularität und gilt als Dowschenkos Hauptwerk.

Der Dokumentarfilm Dowschenko im Feuer behandelt das kulturelle Schaffen Dowschenkos und schildert, wie ihn der stalinistische Geheimdienst zwar streng überwachte und seine Filme harsch kritisiert wurden, er aber auch höchste Auszeichnungen erhielt und engen persönlichen Kontakt zu Stalin pflegte. Der Film bietet eine anschauliche Einführung in die dramatische Geschichte des sowjetischen Kinos sowie des stalinistischen Unterdrückungsapparats. Zugleich macht er die Bedeutung der Ukraine als europäische Kultur- und Filmnation sichtbar.

Im Anschluss an das Screening gibt es eine Diskussion mit dem bekannten ukrainischen Historiker Prof. Dr. Jurij Schapowal, der zusammen mit der Regisseurin Irina Schatochina das Drehbuch zum Film schrieb, die ebenfalls anwesend sein wird. Die Moderation übernimmt Prof. Dr. Klaus Gestwa, Leiter des Instituts für Osteuropäische Geschichte und Landeskunde an der Universität Tübingen. Der Film „Dowschenko im Feuer“ wird in Kooperation mit dem Zentrum für Medienkompetenz der Universität Tübingen erstmals im Original mit deutschen Untertiteln gezeigt.

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