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10.09.2026
Amsel top – Schleiereule flop. Was macht Vogelgesang schön für den Menschen?
Eine Studie von Forschenden der Universität Tübingen zeigt: Vogelgesang, der abwechslungsreich, hoch und nicht zu laut ist, wird als am angenehmsten empfunden. Den ersten Platz belegt der Gesang der Amsel.
Was macht Vogelgesang so schön? Die Antwort auf diese Frage könnte uns helfen, zu verstehen, wie Klänge die Natur für den Menschen zu einem Ort der Entspannung machen. Professor Christoph Randler und Dr. Nadine Kalb vom Fachbereich Biologie der Universität Tübingen ließen Menschen Vogelgesängen lauschen und hinsichtlich ihres Wohlklangs bewerten. Die Ergebnisse verglichen sie anschließend mit Informationen über die akustischen Eigenschaften der Rufe. So konnten sie zentrale Merkmale identifizieren, die manche Vogelgesänge angenehmer erscheinen lassen als andere. Dabei zeigte sich, dass Personen, die Vögel mehr wertschätzen, die Gesänge insgesamt positiver bewerteten. Allerdings hatte ein größeres Wissen über Vögel keinen Einfluss darauf, wie angenehm die Vogelgesänge wahrgenommen wurden. Die Studie erschien in der Fachzeitschrift Frontiers in Bird Science.
„Man muss kein Vogelliebhaber sein, um Vogelstimmen schön zu finden“, sagt Nadine Kalb von der Universität Tübingen, Erstautorin der Studie. „Die Fähigkeit, Vögel anhand ihres Aussehens oder ihres Gesangs zu erkennen, hatte keinen Einfluss darauf, wie die Teilnehmenden die Rufe bewerteten. Das deutet darauf hin, dass die Freude am Vogelgesang mit etwas Grundlegenderem zusammenhängt, als lediglich zu wissen, welchen Vogel man gerade hört.“
Musik für unsere Ohren
Wie schön oder angenehm ein Klang empfunden wird, ist subjektiv und hängt von persönlichen Vorlieben ab. Die Forschenden vermuteten, dass bestimmte akustische Merkmale, etwa eine große Lautstärke, mit einer geringeren Bewertung des Wohlklangs zusammenhängen. Zugleich gingen sie davon aus, dass persönliche Eigenschaften der Zuhörenden, beispielsweise ihr Wissen über Vögel, beeinflussen könnten, wie angenehm sie die Vogelstimmen empfinden.
„Ich beobachte Vögel seit meinem zehnten Lebensjahr, auch wenn ich damals noch nichts von Ökosystemleistungen oder akustischen Analysen wusste“, sagt Christoph Randler von der Universität Tübingen, Letztautor der Studie. „Mich interessieren die Beziehungen zwischen Menschen und Vögeln. Vogelstimmen gelten als einer der schönsten Aspekte eines Aufenthalts in der Natur, und frühere Studien haben gezeigt, dass sie zur psychischen Erholung und zum Wohlbefinden beitragen können. Allerdings werden nicht alle Vogelstimmen gleichermaßen positiv wahrgenommen.“
Die Forschenden spielten 84 Personen kurze Tonaufnahmen von 123 Gesängen wildlebender Vogelarten vor, die in Deutschland häufig vorkommen. Die Teilnehmenden sollten jede Aufnahme auf einer Skala von eins bis fünf bewerten, wobei höhere Werte für einen als angenehmer empfundenen Klang standen. Darüber hinaus beantworteten sie Fragen zu ihren Kenntnissen in der Vogelbeobachtung sowie zu ihrer allgemeinen Einstellung gegenüber Vögeln.
Anschließend analysierten die Wissenschaftler die Aufnahmen im Hinblick auf verschiedene akustische Merkmale: Lautstärke, Tonhöhe beziehungsweise Frequenz, Komplexität des Gesangs, also Anzahl und Vielfalt seiner Elemente, sowie die Bandbreite der verwendeten Frequenzen. Diese Daten wurden anschließend mit den Bewertungen der Teilnehmenden sowie deren Interesse an Vögeln verglichen.
Die Amsel führt die Vogel-Charts
Die Amsel erhielt die höchsten Bewertungen, ihr Gesang wurde also am angenehmsten empfunden. Am unteren Ende der Skala landete die Schleiereule. Der Gesang der Amsel wurde zudem als besonders erholsam eingestuft.
Insgesamt wurden Vogelstimmen mit einer geringeren Frequenzbandbreite und einer höheren Komplexität als angenehmer wahrgenommen. Ebenso schnitten Gesänge mit höherer Tonlage oder vergleichsweise geringer Lautstärke besser ab. Die am besten bewerteten Gesänge lagen zudem außerhalb jenes Frequenzbereichs, auf den das menschliche Gehör besonders sensibel reagiert.
Menschen, die Vögeln generell positiv gegenüberstanden, vergaben tendenziell höhere Bewertungen. Das Ausmaß ihres Vogelwissens hatte dagegen keinen Einfluss auf die Einschätzung der Klänge.
„Möglicherweise sind wir biologisch darauf programmiert, abwechslungsreiche Klänge mit moderater Lautstärke und mittleren Frequenzen zu bevorzugen, weil sie auf eine sichere, gesunde und erholsame Umgebung hindeuten, in der wir entspannen können“, sagt Kalb. Allerdings weisen die Forschenden darauf hin, dass weitere Faktoren die Wahrnehmung beeinflussen könnten und in dieser Studie nicht untersucht wurden. Dazu gehört beispielsweise die Rufhäufigkeit, da manche Vogelarten deutlich häufiger rufen als andere.
Nach einer Meldung von Frontiers in Bird Science
Publikation:
Kalb N, von Lücken G, Lukanowski J, Dechant F and Randler C.: Analyzing the acoustic parameters of bird vocalizations and their perceived pleasantness by humans. Front. Bird Sci., https://doi.org/10.3389/fbirs.2026.1794594