Uni-Tübingen

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24.09.2026

Monique Scheer als Prorektorin für Internationales und Diversität verabschiedet

Professorin Monique Scheer wurde heute im Rahmen der Senatssitzung der Universität Tübingen nach zehn Jahren im Amt als Prorektorin für Internationales und Diversität verabschiedet. Rektorin Professorin Dr. Karla Pollmann dankte Monique Scheer für ihr Engagement: „Monique Scheer hat die Entwicklung unserer Universität mit großer Weitsicht und hoher Integrität über ein Jahrzehnt hinweg mitgestaltet. Sie hat unterschiedliche Perspektiven zusammengeführt, internationale Beziehungen nachhaltig gestärkt und wichtige Impulse für eine offene und respektvolle Universitätskultur gesetzt. Für ihren außerordentlichen Einsatz danke ich ihr sehr herzlich und freue mich ganz besonders, dass sie der Universität in Forschung und Lehre weiterhin erhalten bleibt.“

Seit 2014 ist Scheer Professorin für Empirische Kulturwissenschaft mit dem Schwerpunkt Ethnographie kultureller Vielfalt. Vor ihrer Wahl zur Prorektorin war sie Direktorin des Ludwig-Uhland-Instituts für Empirische Kulturwissenschaft sowie Studiendekanin im Fachbereich Sozialwissenschaften der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät.

Monique Scheer wurde in Tulsa im US-Bundesstaat Oklahoma geboren und studierte Neuere Geschichte an der Stanford University. 1989 kam sie nach Deutschland und arbeitete zunächst als Verlagslektorin in Stuttgart. Anschließend studierte sie Empirische Kulturwissenschaft und Religionswissenschaft an der Universität Tübingen und schloss dort ihren Magister ab. An der Universität Tübingen promovierte sie später und arbeitete anschließend im Sonderforschungsbereich „Kriegserfahrung“. Von 2008 bis 2011 forschte sie am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin, bevor sie als Juniorprofessorin für Wissensforschung an das Ludwig-Uhland-Institut der Universität Tübingen zurückkehrte.

Zum 1. Oktober 2016 hatte Monique Scheer das damals noch nebenamtlich ausgeübte Prorektorat für Internationales übernommen und damit Heinz-Dieter Assmann abgelöst. „Damals bereitete sich die Universität auf die Weiterförderung als Exzellenzuniversität ab 2019 vor. Mir war es ein Anliegen, unsere Bewerbung im Bereich Internationales zu unterstützen“, erinnert sich Monique Scheer. Geprägt war ihre erste Amtszeit außerdem durch die Gründung der europäischen Universitätsallianz CIVIS, ausgelöst durch die Sorbonne-Rede von Präsident Macron im September 2017. „Die Phase der CIVIS-Gründung zusammen mit sieben weiteren europäischen Volluniversitäten und die Erarbeitung eines gemeinsamen Antrags auf Fördermittel war eine sehr intensive Zeit der Projektarbeit, die für die Internationalisierung der Universität ungemein wichtig war“, sagt Monique Scheer. 

Dass CIVIS ein lebendiges Netzwerk ist, hat sich in den Jahren seit der Gründung gezeigt. „CIVIS hat sich enorm entwickelt: Drei weitere europäische Universitäten sind hinzugekommen, außerdem haben wir ein Netzwerk von sechs forschungsstarken Universitäten in Afrika an CIVIS assoziiert. Neue Formen der Lehrkooperation sind entstanden, in denen virtuelle Treffen mit Präsenztreffen verbunden werden. Diese Lehrveranstaltungen stehen allen Studierenden in der Allianz offen.“ Auch administrativ seien die Universitäten immer enger zusammengewachsen, so Monique Scheer. Mobilität und Co-Betreuung wurden damit beispielsweise unbürokratischer. „Mit diesen und anderen Partnerschaften ist die Universität Tübingen heute gut aufgestellt, um ihren Studierenden und Forschenden weiterhin vielfältige und qualitätsvolle Mobilitätsmöglichkeiten zu bieten“, sagt Monique Scheer.

2020 wurde Monique Scheer für eine zweite Amtszeit, diesmal im Hauptamt, bestätigt. Um die Universität im Bereich Diversität entschiedener und mit einer klaren Diversitätsstrategie voranzubringen, wurde ihr Ressort entsprechend ausgeweitet – die thematische Nähe sieht Monique Scheer als klar gegeben: „Eine vielfältige und diskriminierungssensible Hochschulgemeinschaft stärkt ihre internationale Attraktivität, während internationale Kooperationen und Perspektiven zugleich die kulturelle Vielfalt und Offenheit auf dem Campus bereichern. Die Universität dahingehend zu gestalten, war mir eine Herzensangelegenheit.“ Im Bereich Diversity durchlief die Universität während Scheers Amtszeit die Re-Auditierung „Vielfalt gestalten“ und gab sich unter ihrer Leitung ein neues Diversitätskonzept. Die Antidiskriminierungsberatung und das Beschwerdemanagement wurden neu strukturiert.

Während ihrer zehnjährigen Amtszeit setzte sich Monique Scheer für eine stärkere Internationalisierung der Universität nach innen ein, indem sie die partizipative Erarbeitung einer Leitlinie für Mehrsprachigkeit auf dem Campus unterstütze. Unter ihrem Prorektorat verfolgte die Universität Tübingen von 2021 bis 2026 die post-pandemische internationale Strategie, „Raising Global Awareness“. Mehr internationale Studierende und Forschende sowie mehr Mobilitäts- und Sprachlernangebote für die Studierenden und Beschäftigten der Verwaltung gehörte zu den Zielen. 
Qualitätsvolle Beziehungen zu den strategischen Partnern und eine stärkere Wahrnehmung Afrikas als Wissenschafts- und Kooperationsstandort waren weitere Schwerpunkte ihrer Arbeit. Damit verbunden war die Entscheidung des Rektorats und Senats aus dem Jahr 2024, eine neue strategische Partnerschaft mit der südafrikanischen University of the Witwatersrand zu vereinbaren. 
Monique Scheer verlässt das Amt in politisch unruhigen Zeiten. „Die Internationalisierung steht vor neuen Herausforderungen in einer Welt, in der immer mehr Länder von Parteien regiert werden, die sich gegen die Wissenschaftsfreiheit stellen. Klar ist aber: Ohne unsere internationalen Partner werden wir keine großen wissenschaftlichen Durchbrüche erzielen. Für die Herausforderungen, die vor uns liegen, müssen alle Länder zusammenarbeiten können“, sagt Monique Scheer.

„Ich gehe aus dem Amt mit dem guten Gefühl, dass die Universität stark aufgestellt ist“, sagt Monique Scheer. „Ganz besonders freue ich mich jetzt auf die Rückkehr in die Lehre am Ludwig-Uhland-Institut. In der Forschung will ich mich weiterhin mit der Emotionsgeschichte beschäftigen, auch im Zusammenhang mit Künstlicher Intelligenz, bereite aber auch eine Publikation zu Mensch-Natur-Verhältnissen vor, um mir damit auch neue Forschungsthemen zu erschließen.“